Seit Jahren im Gespräch, seit Monaten versprochen, endlich fertig: Die Internetplattform "1001libraires.com" der unabhängigen Buchhandlungen Frankreichs ist endlich online. Die Initiative, die vom Buchhändlerverband Syndicat de la Librairie Française (SLF) ausging, über ein Start-Budget von 2,2 Millionen Euro verfügt – davon 500.000 Euro als Subvention des Kulturministeriums –, soll den Giganten des Internet-Versandbuchhandels entgegentreten.
In Frankreich sind das neben Amazon vor allem die Online-Händler Chapitre.com und Fnac.com, das als eigenständiges Unternehmen neben der Kulturkaufhauskette Fnac besteht. Außerdem existieren bereits seit langem Internetseiten von Buchhandelsketten wie Decitre mit acht Buchhandlungen in der Region Lyon oder Furet du Nord mit elf Häusern in der Umgebung von Lille, sowie von großen Unabhängigen wie Mollat in Bordeaux oder Sauramps in Montpellier.
Alternative "Librest"
Des Wartens auf 1001libraires müde haben sich vor einem Jahr auch neun Buchhändler im Pariser Osten unter dem Namen Librest zusammengeschlossen. Angeboten wird von allen nicht nur der Versandhandel, sondern auch die Abholung und Bezahlung im nächstgelegenen angeschlossenen Laden. Librest gelang es, mit der Einrichtung eines Fahrradkurierdienstes Aufsehen zu erregen, der die Lieferung binnen drei Stunden innerhalb von Paris verspricht.
Nun will sich 1001libraires mit einem landesweiten Netz von zur Zeit 247 Buchhandlungen etablieren: Die Website zeigt dem Kunden die nächstgelegene Buchhandlung an, in der der gewünschte Titel vorrätig ist, und informiert das Geschäft, in der das Buch dann binnen zwei Stunden bereit liegen soll. Die Buchhandlung zahlt dafür einen je nach Umsatz variierenden Mitgliedsbeitrag von 1.000 bis 6.000 Euro pro Jahr.
Kontakt zwischen Buchhändler und Endkunden
Erklärtes Ziel der Initiative ist es, den persönlichen Kontakt zwischen Buchhändler und Kunden zu fördern. Außerdem bietet 1001libraires den Buchhändlern an, eine jeweils individuell gestaltete Internetseite unter seinem Dach zu beherbergen, die von der Schaufensterfunktion bis zum Onlineverkauf von gedruckten wie elektronischen Büchern alle Möglichkeiten bietet.
Das Plus von 1001libraires gegenüber Amazon sollen die persönliche Empfehlung durch einen vertrauten Buchhändler sowie das Multimedia-Magazin "M@gazette" sein, das in Zusammenarbeit mit der angesehenen Literaturzeitung "La Quinzaine littéraire" die Kritik zum Buch mitliefert. Und schließlich betreibt die Online-Plattform auch direkt den Versandbuchhandel – ab 25 Euro Bestellsumme ist die Lieferung kostenlos – und den Verkauf von E-Books. Mit diesem Geschäft will 1001libraires einen Anteil von zehn Millionen Euros am Umsatz des gesamten Online-Buchhandels erringen. Er hat in Frankreich ein Volumen von 320 Millionen Euro – das entspricht rund acht Prozent des Gesamtumsatzes im Buchmarkt, der bei vier Milliarden Euro liegt.