Tagung geht heute zu Ende

PEN-Präsident klagt über Novitätenflut

8. Mai 2011
Redaktion Börsenblatt
Anlässlich der bis einschließlich heute dauernden PEN-Jahrestagung in Ingolstadt hat der Präsident des Schriftstellerverbands PEN, Johano Strasser, die literarische Novitätenflut stark kritisiert. Überforderte Leser stolperten in Buchhandlungen, sagte er im Gespräch mit Cordula Dieckmann von der dpa, "sehen in der Ecke einen großen Stapel liegen irgendwelcher fragwürdiger amerikanischer Literatur, hastig übersetzt ins Deutsche, und greifen da zu - und vergessen, dass es so viel gute Literatur in Deutschland gibt, die nie auf so einen Stapel gerät."
Von den Verlagen wünscht sich Strasser, dass sie nicht nur die Marketingabteilung ausbauten, sondern auch das Lektorat, das Texte mit Verstand beurteile und die nicht nur nach Marktgesichtspunkten sagen könne, "das könnte was werden, weil die Leser im Augenblick an einem bestimmten Thema interessiert sind." Zudem sieht er eine Zweiklassengesellschaft von Lesern: eingeweihte Literaturkenner und weniger gut Informierte, innovative Literatur und Massenkonsum. Ein Vier-Wochen-Zeitraum eines Buchs im Laden sei für viele Autoren frustrierend: "Sie merken, dass sie kaum noch eine Chance haben, in den Buchmarkt hinein zu kommen, es sei denn, sie inszenieren sich selbst auf eine höchst fragwürdige Weise, was viele nicht wollen."