Börsenverein

Auf dem Weg zum Dreiländerverband

13. Mai 2011
Redaktion Börsenblatt
Von der Kooperation zur Fusion: Die Mitglieder des Landesverbands Hessen haben sich gestern bei ihrer Jahreshauptversammlung in Wiesbaden mit breiter Mehrheit für eine Verschmelzung mit den Landesverbänden Saarland und Rheinland-Pfalz ausgesprochen. Das Ziel: weniger Kosten, mehr Zeit für die Mitglieder.

Die drei Landesverbände (1.100 Mitglieder, davon Hessen: 660) kooperieren bereits seit acht Jahren miteinander. Sie teilen sich eine Geschäftsstelle und organisieren das Seminarprogramm gemeinsam. Nun suchen die Verbände auch den rechtlichen Schulterschluss: 35 von 39 stimmberechtigten Mitgliedern votierten beim hessischen Jahrestreffen für die horizontale Fusion. Es gab drei Gegenstimmen und eine Enthaltung.

Vor der Abstimmung stellte Geschäftsführer Klaus Feld detaillierte Zahlen für drei Szenarien vor, die der Vorstand auf Wunsch der Mitglieder in den vergangenen Monaten geprüft hatte:

Fusion des Landesverbands Hessen mit dem Bundesverband in Frankfurt – nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalen: Bei dieser Variante würde der Landesverband rund 7.000 Euro einsparen, durch reduzierte Gremienarbeit und den Abbau von Personalkosten.Fusion aller drei Landesverbände mit dem Bundesverband in Frankfurt: Diese Variante wäre Feld zufolge ein Nullsummenspiel, wenn die Aufgabenverlagerung in die Zentrale gegen gerechnet wird. Dass sich aus dieser vertikalen Fusion kein Sparpotenzial ergibt, führt Feld vor allem darauf zurück, dass die drei Landesverbände schon jetzt mit einer sehr schlanken Kostenstruktur arbeiten: Die aktuellen Durchschnittskosten pro Mitglied lägen bei 365 Euro, in NRW seien es 515 Euro.Fusion der drei Landesverbände untereinander: Über alle Verbände hinweg ergeben sich hier Einsparungen von 30.000 Euro, vor allem beim Rechnungswesen: Es muss nur noch eine Buchhaltung geführt werden, beim Steuerberater fallen nur noch die Kosten für einen Jahresabschluss und eine Körperschaftssteuererklärung an. Auch die Gremienarbeit wird abgespeckt: Statt drei Vorständen tagt künftig nur noch eine Führungsspitze, die sich aus vier Hessen, drei Rheinland-Pfälzern und zwei Saarländern zusammensetzen wird. Alle Landesverbände werden das gleiche Vermögen pro Mitglied in den neuen Verband einbringen. Die Saarländer und die Rheinland-Pfälzer haben Vermögen, das darüber hinaus geht – dieses Geld soll für regionale Sonderprojekte eingesetzt werden.

Die Saarländer haben den Weg zur Fusion schon Ende März freigemacht. Die Rheinland-Pfälzer treffen sich am 18. Mai zur Jahreshauptversammlung. Im nächsten Jahr sollen die Mitglieder dann über den Verschmelzungsvertrag entscheiden. Stimmen sie zu, könnte die Fusion rückwirkend zum 1. Januar 2012 in Kraft treten.

Eine Fusion mit dem Bundesverband, wie sie der Landesverband Nordrhein-Westfalen im Moment vorbereitet, spielte in der Debatte der Hessen keine Rolle. Die Gegenreden drehten sich eher darum, ganz eigenständig zu bleiben, weil es keinen akuten Handlungsbedarf gebe.

Gremienarbeit abzubauen – darin könne er nicht zwingend einen Vorteil sehen, so beispielsweise der Hanauer Buchhändler Dieter Dausien: »Mitgliedertreffen sind immer auch ein Anknüpfungspunkt für den Austausch. Es ist sinnvoll, zusammenzukommen, miteinander zu reden – und nicht nur ein lästiges Übel". Auch Markus Weber vom Moritz Verlag betonte, er sei mit dem Leistungsspektrum des Verbands rundum zufrieden – und warnte vor einem Verlust an Mitgliedernähe: „Wer macht sich künftig aus Saarbrücken auf den Weg zur Hauptversammlung nach Wiesbaden?"

Peter Meyer (Peter Meyer Verlag) hielt dagegen: Die Fusion sei auch ein Akt der Solidarität mit den kleineren Verbänden, die stärker unter sinkenden Mitgliedszahlen und steigendem Kostendruck leiden würden als die Hessen. „Wir müssen vorausschauend auf die nächsten Jahre blicken", so auch der Vorsitzende des Landesverbands, Andreas Auth (Wissenschaftliche Buchgesellschaft). Besser sei es, „nicht als Getriebene" zu handeln. Michael Justus (S. Fischer Verlage) warf noch ein anderes Argument in die Waagschale: „Herr Feld verbringt im Moment viel Zeit damit, drei Vorstände zu betüddeln". Zeit, die der Geschäftsführer künftig in die Mitgliederbetreuung und die Mitgliederakquise investieren soll und will.

In Vorbereitung auf die Fusion wurde auch beschlossen, die Beiträge zu vereinheitlichen. Für die Mitglieder in Hessen ist damit eine Beitragssenkung um 5 Prozent verbunden (auf 38 Prozent des aktuellen Bundesverbandsbeitrags). Nach oben angepasst wurden, aus demselben Grund, die Beiträge für assoziierte Mitglieder (Buchverkaufsstellen). Für sie steigt der Beitrag in Hessen um 20 Euro auf 155 Euro pro Jahr.

Neben der Fusion diskutierten die Mitglieder, angestoßen vom „Leipziger Appell" des Landesverbands SaSaThü, auch intensiv über das Thema Konditionen. Jenseits von kartellrechtlichen Bedenken und den Einwänden der einzelnen Sparten sei es für die Branche wichtig, sich um mehr Transparenz beim Konditionengefüge zu bemühen, so Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels, der von der Leipziger Debatte berichtete. Wünschenswert sei es, einen Leistungskatalog für das Sortiment zu entwickeln, an dem sich die Verlage bei ihrer Rabattpolitik orientieren könnten: „Ich hoffe, dass ein entsprechender Kompromiss zwischen Verlagen und Sortimenten zustande kommt."

LV-Chef Andreas Auth unterstrich noch einmal die Bedeutung des unabhängigen Buchhandels für die Verlage: „Nur mit den großen Ketten und mit Amazon werden wir Verleger die notwendigen Auflagenhöhen für unsere Bücher nicht halten können". Die Buchhändler in der Runde kritisierten vor allem die Rabattpolitik der Schulbuchverlage, aber auch die der Barsortimente.

Weitere Themen, über die Vorstand und Geschäftsführung auf der Sitzung informierten:

Finanzen: Das Jahr 2010 hat der Landesverband mit einem Überschuss von knapp 11.000 Euro abgeschlossen –was auch auf das erfolgreiche Seminargeschäft zurückzuführen sei, so Schatzmeisterin Britta Blottner (Blottner Verlag). Für 2011 kalkuliert der Verband mit einem Verlust von 13.000 Euro. Hier schlagen unter anderem Mehrkosten durch das aktuelle Sprecheramt für die Landesverbände zu Buche, etwa bei der Gremienarbeit. Ausbildung: Die Berufsschule in Kassel läuft aus, für 2011 liegen keine Anmeldungen mehr vor. Die Schüler besuchen künftig die Stauffenbergschule in Frankfurt oder den Mediacampus Frankfurt in Seckbach.Schulbuchgeschäft: Das Hessische Schulgesetz wird geändert. Schon seit Januar gültig: Die Schulen bekommen ein so genanntes kleines Schulbudget zugewiesen, über das sie frei verfügen können. Unter dieses Budget fallen die Etats für die Lernmittelanschaffung, aber auch IT-Wartung und Gelder für die Lehrerfortbildung. Der Buchhandel müsse deshalb damit rechnen, dass die Budgets für die Anschaffung neuer Schulbücher stärker schwanken könnten, wenn die Schulen hier selbst gewichten würden, so Geschäftsführer Klaus Feld.