Heute haben Sie den Startschuss für den Relaunch Ihrer Website gegeben. Warum war es notwendig, hier noch einmal neu zu denken?
Pommerenke: Das machen wir ständig. Kleinere Veränderungen und Anpassungen gab und gibt es immer wieder – diesmal fallen die Verbesserungen aber etwas umfangreicher aus. Erstens wollten wir die Nutzerfreundlichkeit unserer Seiten verbessern, und zum zweiten ging es uns darum, Wünsche unserer Autoren umzusetzen.
Und die lauten?
Pommerenke: Insgesamt hatten wir mehr als 20 Funktionen auf der Liste. Bei den meisten ging es um die Optimierung der Interaktivität zwischen den Autoren – zum Beispiel, um gemeinsam an Buchprojekten arbeiten zu können.
Rechnen Sie mit Applaus?
Pommerenke: Ja, da sind wir sicher: Unsere Autoren werden sich auf jeden Fall freuen.
Wird das genügen, um sich von der Konkurrenz abzuheben?
Pommerenke: Davon bin ich überzeugt. Wir entwickeln unser Portal ja nicht allein im stillen Kämmerlein weiter, sondern befragen ständig unsere Community dazu. Ohnehin hat sich triboox schon immer etwas anders als andere definiert: Unser Geschäftsmodell orientiert sich sehr an den Autoren – als 360 Grad-Dienstleister bieten wir ihnen den Dialog untereinander plus wahlweise Verlagsdienstleistungen.
Wie unterstützen Sie Ihre Autoren bei der Vermarktung?
Pommerenke: Dafür haben wir unseren eigenen Online-Shop, den triboox-Buchladen im Internet. Entscheidet sich ein Autor dafür, seinem Werk eine ISBN zu geben, ist es überall zu haben – in jeder Buchhandlung. Wir sind an das Bestellsystem IBU angeschlossen.
Das gilt für gedruckte Bücher ab Auflage 1. Wo sind die E-Books der triboox-Autoren zu haben?
Pommerenke: Digitale Bücher vertreiben wir bislang ausschließlich über unsere Plattform – was aber nicht heißt, dass sich hier konzeptuell nichts tun wird. Unser Vertriebsnetz wird deutlich größer sein: Unsere E-Books werden demnächst auch über den Kindle-Shop und den iBook-Store von Apple angeboten. Bis zur Frankfurter Buchmesse wollen wir mit diesen Projekten soweit sein.
Nach welchem Schlüssel verteilen Sie die Einnahmen aus den Verkäufen?
Pommerenke: Uns geht es um einen „fair share“: Bei Printbüchern erhält der Autor 70 Prozent, bei E-Books halbieren wir die Einnahmen.
Denken Sie dass Selfpublishing-Plattformen traditionelle Verlage eines Tagen in Bedrängnis bringen könnten?
Pommerenke: Durchaus, aus meiner Sicht werden Newcomer künftig in erster Linie mehr auf Literaturportalen publizieren. Die Folge für traditionelle Verlage: Ihre Programme verlieren an Breite und werden stärker denn je auf Toptitel ausgerichtet sein. Aber grundsätzlich bilden das klassische Verlagsmodell und das Selfpublishing keinen unüberbrückbaren Widerspruch.
Woher kommt es, dass plötzlich so viele Menschen ein Buch veröffentlichen wollen?
Pommerenke: Das ist sicher kein plötzliches Phänomen, sondern eine Folge des rasanten Medienwandels. Die Ambition, Lust und Neigung, sich mit Texten zu artikulieren, hat in der Gesellschaft an Breite und Tiefe gewonnen: Es ist heute einfacher, für dieses Geschriebene auch Aufmerksamkeit in der Gesellschaft zu finden. Das ist ein sehr großer Markt, den es noch zu erschließen gibt.
Den Deutschen werden also die Worte nicht ausgehen?
Pommerenke: Aber nein. Und es ist für mich eine schöne und große Herausforderung, mit einem webbasierten Literaturportal diese neuen Veröffentlichungsprozesse mitzugestalten.
Lesen Sie die Manuskripte der triboox-Autoren?
Pommerenke: Hin und wieder – aber dann immer mit großem Spaß. Wenn es um meine persönlichen Ambitionen für den Literaturbetrieb geht, halte ich mich gern an den kirgisischen Dichter Tschingis Aitmatov. Er erkannte: „Du öffnest die Bücher und sie öffnen dich.“
Was interessiert Sie besonders?
Pommerenke: Besonders spannend sind für mich unsere Wettbewerbe. Sie bieten jungen Autoren die Chance, ihr Werk einer breiteren Community vorzustellen und Fans zu gewinnen. Bei unseren neuen Wettbewerben berücksichtigen wir jetzt übrigens auch das Feedback der Autoren mit ihren Anregungen aus früheren Aktionen.
Welche Rolle spielt Internationalität für triboox?
Pommerenke: Mittelfristig eine sehr entscheidende, wie bei vielen webbasierten Geschäftsmodellen, so auch bei Literaturportalen. Die großen traditionellen Buchmessen in Frankfurt oder Leipzig sind ja auch längst kein nationales Thema mehr. Für unsere Perspektive heißt das: Auch wir werden uns international aufstellen – ob in drei oder fünf Jahren, diese Festlegung wäre heute noch verfrüht.
Ihre aktuellen Perspektiven?
Pommerenke: Der Erfolg gibt uns recht, wir liegen voll im Plan. Mit dem Relaunch haben wir jetzt ungefähr die Hälfte dessen umgesetzt, was wir uns anfangs bei der Gründung von triboox vorgenommen hatten. Das neue Vertriebsmodell, das wir zur Frankfurter Buchmesse vorstellen werden, bringt uns dann auf etwa 66 Prozent. Unser mittelfristiges Ziel lautet: Wir wollen der internationale User Generated Content-Publisher werden, der mit seiner Qualitätsorientierung Maßstäbe setzt.
Zum Unternehmen: Triboox wurde 2008 in Hamburg gegründet – als webbasierte Community für Selbstverleger. Die Literaturplattform hat derzeit ca. 1.850 registrierte Nutzer; insgesamt wurden bislang mehr als 1.700 Manuskripte veröffentlicht. Das Unternehmen ist in der Aufbauphase und hat derzeit vier festangestellte Mitarbeiter.