Unter den vielen Auszeichnungen, die hierzulande das oft prekäre Schriftstellerleben alimentieren, ist der Alfred-Döblin-Preis eine der interessantesten. Von Günter Grass gestiftet und von der Berliner Akademie der Künste und dem LCB alle zwei Jahre für ein unveröffentlichtes „Work in progress" von mindestens 50 Seiten vergeben, bietet er Gelegenheit, in die Werkstatt der Autoren zu schauen und die Werke von Morgen und Übermorgen schon einmal vorzukosten.
In diesem Jahr hatte die Jury (Ursula März, Michael Lentz, Andreas Isenschmid) aus 500 Einsendungen die sechs Finalisten auszuwählen. Am Samstag stellten dann Jan Peter Bremer, Olga Flor, Judith Schalansky, Albrecht Selge, Angela Steidele und Steven Uhly Auschnitte aus ihren Romanen im Literarischen Colloquium vor. Jury und Publikum diskutierten anschließend über die Güte des Gebotenen, auch der anwesende Günter Grass hörte aufmerksam zu und schaltete sich regelmäßig mit pointierten Bemerkungen in die Debatten ein.
Am Ende gewann nicht die Favoritin Judith Schalansky mit ihrem Roman über eine desillusionierte Biologielehrerin in Vorpommern, wo sich die verfallenden Städte ganz buchstäblich in „blühende Landschaften" rückverwandeln, sondern Jan Peter Bremer mit seinem skurrilen Schriftstellerfamilienkatastrophenroman „Der amerikanische Investor", der schon im August im Berlin Verlag erscheinen wird. Das Arbeitsstipendium kann Bremer also gleich ins nächste Werk investieren.