Zu Frau Feilhauer einfach nur Felicitas sagen zu dürfen, ist etwas Besonderes. Ich traf sie im Wiener Café Dommayer, es war unsere erste Begegnung, wir sprachen über mögliche Werbemaßnahmen für »Alle sieben Wellen«. Ich sagte so etwas Ähnliches wie: »Meinst du nicht, oh Verzeihung, meinen Sie nicht … Ach, is’
ja wurscht, wollen wir nicht per Du sein?«
Ich dachte, ich kann ihr ruhig das Du-Wort anbieten, etwa gleich alt sind wir ja (das darfst du, Felicitas, jetzt gern als Kompliment auffassen), per »du« redet es sich leichter, Bayern ist, von Wien aus gesehen, sprachlich gar nicht so weit hergeholt.
Also, ich: »Daniel!« Und sie, mit einem dezent herzlichen, vornehm süddeutschen Lächeln, dem die Kultiviertheit des gesamten Münchner Großraums innewohnte, einem Lächeln, welches ich im Nachhinein lieber nicht zu interpretieren wage: »Felicitas!« Wir hatten kaum je einen Rückfall. Uns fiel es gar nicht schwer. Wir werden »du, Daniel« und »du, Felicitas« auf ewig bleiben.
Frau Feilhauer eilte schon damals, als ich sie noch nicht kannte, der stets mit gebührlichem Respekt verbundene Ruf voraus, »Hanser« zu sein. (Da Hanser groß genug für zwei ist, ist Hanser natürlich auch, und zwar in erster Linie und vorderster Front Michael Krüger, das wissen wir selbstverständlich alle, aber er hat gerade keinen runden Geburtstag, also vergessen wir ihn einfach.)
Nun, »Hanser« wird man nicht zufällig. »Hanser« wird man auch nicht durch noch so heftiges Winken des Schicksals. »Hanser« wird man durch langjährige, zähe, ausdauernde bis uferlose, geduldige, akribische, kontinuierliche, beharrliche, im Beharren verharrende, und in diesem beharrlichen Verharren ausdauernde bis uferlose ... Arbeit! Ja, kein schönes Wort, aber noch immer eines der sinnvollsten: Arbeit.
Wie motiviert man sich dazu (»Hanser« durch Arbeit zu sein und zu bleiben)? – Gar nicht. Man ist motiviert, sonst gelingt es nicht. Warum ist man motiviert? – Weil man seine Sache gut machen will. Weil man weiß, dass man seine Sache gut machen kann. Weil man Ethos besitzt – Autorität und Glaubwürdigkeit. Weil man Disziplin und Gespür in sich trägt. Weil man Leidenschaft nach außen tragen kann. Weil man Bücher liebt und die Menschen, die sich in deren Dienste stellen. Weil man Autorinnen und Autoren mag – zumindest jene, die sich nicht besser vorkommen als ihre Bücher sind. Weil man einen hohen Anspruch an Qualität hat. Weil man einen enorm hohen Anspruch an sich selbst hat.
Wer solche Tugenden besitzt und auf seiner Arbeitsstätte bündeln kann, der hat einen Logenplatz ganz oben verdient. Frau Feilhauer hat ihn verdient. Für Sie, liebe Mitgratulantinnen und -gratulanten, nämlich bitteschön immer noch – Frau Feilhauer! Für mich – Felicitas! Alles Gute zum Geburtstag, Felicitas! Und wenn du wieder einmal nach Wien kommst, gehen wir auf einen G’spritzten. Weil auf die Loge muss manchmal gepfiffen werden.
PS: Alles Gute wünschen hiermit auch die Mitgratulantinnen und -gratulanten von Zsolnay und Deuticke!
Von Daniel Glattauer erscheint im August »Mama, jetzt nicht! Kolumnen aus dem Alltag« (Deuticke)