Am 7. Juni 2011 eröffnete Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert im Konzerthaus Berlin den 100. Deutschen Bibliothekartag. Auf der Agenda des Bibliothekartages stehen vor allem die Punkte Digitalisierung und die Koordinierung und Realisierung neuer Geschäftsmodelle für das wissenschaftliche Publizieren im Internet. Ein weiteres Thema ist die Schaffung von Synergien bei regionalen Katalogdatenzentren - vor allem vor dem Hintergrund einer beunruhigenden Unterfinanzierung.
Diskussionen und Vorträge widmen sich auch der Rolle der Bibliotheken in der "Wissensgesellschaft": "Welchen Beitrag sollen und können Bibliotheken in virtuellen Lern- und Forschungsumgebungen leisten?" und "Welche Erfahrungen liegen in den sozialen Netzwerken vor?", das sind brennende Fragen der Bibliothekare.
Während der Tagung im Estrel Convention Center werden eine „Zukunftswerkstatt“ und eine umfangreiche Firmenausstellung aufgebaut, in denen die Tagungsteilnehmer neueste Kommunikationstechnologien und Geräte kennenlernen und selbst ausprobieren können.
Vorgestellt wird auch das Verbundprojekt „Deutsche Digitale Bibliothek“, das seit Ende 2010 läuft. Wie die Veranstalter des Deutschen Bibliothekartages betonen, sind allerdings noch erhebliche zusätzliche Mittel nötig, damit die Bibliotheken in größerem Umfang Material für die zentrale digitale Plattform bereitstellen können. Gelänge dies, dann wäre bisher schwer erreichbares historisches Quellenmaterial für alle Leser an deren Arbeitsplatz nutzbar, bis dahin dürfte es aber noch ein langer Weg sein.
Wie Susanne Riedle, Vorsitzende Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB Öffentliche Bibliotheken) in ihrem Eröffnungsbeitrag "Licht und Schatten" betonte, war die Entwicklung der Öffentlichen Bibliotheken in den letzten drei Jahren durch zwei gegenläufige Tendenzen gekennzeichnet: Zum einen
hätten die Bibliotheken in kommunaler Trägerschaft eine erhebliche Aufwertung erfahren. Zum anderen aber seien viele Bibliotheken in kommunaler Trägerschaft akut in ihrer Leistungsfähigkeit, manche sogar in ihrer Existenz bedroht.
Da Bibliotheken traditionell zu den so genannten „freiwilligen Aufgaben“ der Kommunen gehören, sei eine Verzahnung der Bildungspolitik des Landes mit der Bibliotheksentwicklung vor Ort außerordentlich schwierig. Hier, so Riedle, gäbe es nun erhebliche Fortschritte, greifbar in Form von Kooperationsvereinbarungen und Bibliotheksgesetzen. In fast allen Bundesländern bestünden Rahmenvereinbarungen zwischen den jeweiligen Landesregierungen und dem Deutschen Bibliotheksverband (dbv) als Vertreter der Bibliotheken und ihrer Unterhaltsträger.
"Die neue Wertschätzung der kommunalen Einrichtung Öffentliche Bibliothek als Bildungsinstitution kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es um die Finanzierung der Öffentlichen Bibliotheken schlecht bestellt ist", mahnte Riedle. Spürbar seien noch immer die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise: Bei rund zwei Dritteln der deutschen Bibliotheken sind teilweise erhebliche Einschnitte geplant, beschlossen oder bereits umgesetzt", so Riedle. Die klare Forderung: "Nur durch eine verbesserte Ausstattung der Kommunen kann Abhilfe geschaffen werden. Dazu gehört auch, dass die Länder und auch der Bund einen entsprechenden Beitrag in der Bibliotheksförderung leisten." Die Föderalismusreform komme in vielen Fällen einem Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern gleich, sehr zum Leidwesen des gesamten Bildungssektors. Hier müsse dringend Abhilfe geschaffen werden.
Die Vorstellung einer 140-seitige Festschrift anlässlich des 100. Jubiläums des Bibliothekartages und die "Lange Nacht der Bibliotheken" runden den Fachkongress ab.
Veranstaltet wird die Fachtagung vom Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB) und dem Verein Deutscher Bibliothekare e.V. (VDB) in Kooperation mit dem Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv).
Ausgewählte Termine während der Tagung
Fachmesse im ECC, 7. bis 9. Juni, jeweils geöffnet von 9 bis 18 Uhr
176 Firmen, Verbände, Verlage, Stiftungen und Bibliotheken aus 43 Ländern präsentieren auf 2.350 Wuadratmetern Fläche während der Fachmesse ihre
Services und Neuentwicklungen.
Lange Nacht der Bibliotheken, 8. Juni
in allen Berliner Stadtbezirken, 17 bis 24 Uhr
Zum ersten Mal bieten 44 Berliner Bibliotheken eine Lange Nacht an, erwartet neben interessierten Gästen über 4.000 Bibliothekare aus dem In- und Ausland.
www.lange-nacht-der-bibliotheken.de
NS-Raubgut in deutschen Bibliotheken
Donnerstag, 9. Juni 2011, 16 Uhr, Estrelsaal C6
Digitalisierungsstrategien in Deutschland
Freitag, 10. Juni 2011, 9 Uhr, ECC-Saal D
Internet und Digitalisierung - Podiumsdiskussion mit Mitgliedern der gleichnamigen Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages
Freitag, 10. Juni 2011, 12 Uhr, ECC-Raum 1
„Internet und digitale Gesellschaft“, 10. Juni
Abschlussdiskussion der Tagung, ECC Raum 1, 12 bis 14 Uhr
Moderiert von Claudia Lux, Direktorin der Landes- und Zentralbibliothek Berlin diskutieren die Mitglieder der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft Thomas Jarzombek (CDU, Vorsitzender der Kommission), Lars Klingebeil (SPD), Petra Sitte (Die Linke) mit Prof. Dr. Hermann Parzinger (Vorstandssprecher des Kompetenznetzwerkes Deutsche Digitale Bibliothek und Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz): Deutsche Digitale Bibliothek – ein großes Vorhaben nimmt Gestalt an
Zum vollständigen Programm der Bibliothekartage geht es hier.