Nachruf

Zum Tod von Zev Birger

9. Juni 2011
Redaktion Börsenblatt
Der langjährige Direktor der Internationalen Buchmesse Jerusalem, Zev Birger, ist tot. Am Montag erlag er seinen Verletzungen, die er sich bei einem Verkehrsunfall zugezogen hatte. Unter Birgers Ägide entwickelte sich die Buchmesse Jerusalem zu einer der wichtigsten internationalen Buchmessen.Ein Nachruf von Peter Weidhaas.
"Unser Zev Birger, nun ist er nicht mehr bei uns. Zev war schon bejahrt (85), aber keiner von uns glaubte jemals, dass wir ihn verlieren könnten. Er hatte uns mit seiner unbeschreiblichen Wärme und Menschlichkeit für sich gewonnen.

Der kleine Mann umarmte gerne große Frauen und die wandten sich ihm mit unerschrockener Herzlichkeit zu. Sein Charme und seine Herzenswärme waren unwiderstehlich. Aber es waren nicht allein die Frauen, die er liebte. Zev liebte die Menschen, alle, die ganze Menschheit. Aber nicht wahllos. Er liebte vor allem die Menschen, die ihm nahe standen, seine Kinder, seine Kollegen, seine Mitstreiter und besonders die, die er seine Freunde nannte.

Zev Birger, der Holocaust-Überlebende, wurde 1926 im litauischen Kaunas geboren. In seinem Buch „Keine Zeit für Geduld: mein Weg von Kaunas nach Jerusalem“ beschreibt er die unfassbaren Erlebnisse im Ghetto von Kaunas, wo er bereits die Mutter verlor und den nachfolgenden Transport über Stutthof ins Konzentrationslager Kaufering, einem Außenlager des KZ Dachau, wo er zur Schwerstarbeit in einer unterirdischen Rüstungsfabrik gezwungen wurde. Zev Birger erkrankte an Typhus und wurde bei Kriegsende als hoffnungsloser Fall in ein amerikanisches Lazarett gebracht, wo er sich gegen den Tod aufbäumt und seinen Willen zum Leben beschwört. Als einziger seiner Familie überlebte er.

Kaum dem Tode entronnen, arbeitete er später für eine Organisation, die von Frankfurt aus sogenannte Displaced Persons illegal nach Palästina brachte. Hierbei zeigt sich sein überragendes Organisationstalent und hier lernte er seine „über alles geliebte“ Frau Trudi Simon kennen, eine Frankfurterin, die Ausschwitz überstanden hatte, und die er am 30. Juni 1946 im Hof eines Wohnhauses in der Frankfurter Schneidheimer Strasse heiratete.

In den ersten Jahren des Staates Israel gehörte Zev Birger zu den Gründern des Amtes für Zölle und Abgaben. Während des Sechstagekrieges 1967 wurde er beauftragt, das israelische Industrieministerium neu zu organisieren. Eine Wende seines Lebens trat schließlich ein als der Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kollek, ihn 1981 bat, eine Reihe von neuen Aufgaben zu übernehmen. Unter anderem wurde er zum Direktor des Jerusalem Fair und Convention Bureau ernannt, das die Aufgabe hatte, neben der Jerusalemer Judaica Messe und zahlreichen Kongressen die Internationale Jerusalemer Buchmesse durchzuführen. Als Direktor dieser Buchmesse schaffte er das "Editorial Fellowship“ Programm", es sollte jungen Verlagsleuten und Lektoren Förderungsmöglichkeiten und einen internationalen Treffpunkt bieten. Später habe ich dieses Programm auch – mit Zevs Einverständnis - für die Frankfurter  Buchmesse übernommen. Zev Birger wurde als Direktor der Jerusalemer Buchmesse nicht nur zum Kultur-Botschafter Israels und Jerusalems, was ihm Shimon Perez im Vorwort zu seinem Buch bescheinigte, sondern zum Weltkommunikator, den wir alle so schätzten und liebten.

Am Samstag, den 28. Mai wurde Zev Birger beim Verlassen des Theaters von Jerusalem, wo er einem Konzert beiwohnte, von einem Motorrad angefahren und schwer verletzt. Er erwachte nicht mehr aus dem Koma und verstarb am 6. Juni 2011."