Spycher: Literaturpreis 2011

"Schwellenkunde mit literarischen Mitteln"

15. Juni 2011
Redaktion Börsenblatt
Die Stiftung Schloss Leuk zeichnet in ihrem Jubiläumsjahr Mikhail Shishkin und Marie NDiaye mit dem Spycher: Literaturpreis Leuk aus.
Aus der Begründung der Jury heißt es: „Marie NDiaye wird mit dem Spycher: Literaturpreis Leuk 2011 für die subtil choreographierte Prosa ihres Romans „Drei Frauen“ ausgezeichnet. Ebenso exakt wie liebevoll erzählt sie darin von Migration und dem Erbe des Kolonialismus im Senegal und in Frankreich, von entwurzelten Vätern und Müttern, verstörten Kindern und den Bildern vom Glück." NDiaye wird als "grenz- wie gattungsüberschreitenden Autorin" gelobt.

Mikhail Shishkin erhält die Auszeichnung für seinen Roman "Venushaar". Mit dessen Protagonisten habe Mikhail Shishkin "eine erschütternde Ikone unserer Gegenwart geschaffen. Unaufhaltsam zieht dieser Erzähler den Leser in einen atemberaubenden Strudel von Schicksalen und Geschichten hinein, mäandernd durch Raum und Zeit und die Literatur- und Kulturgeschichte eines Europas, dessen Versagen gegenüber dem Fremden dieser Roman schmerzhaft offensichtlich werden lässt", begründete die Jury ihr Urteil.

Bereits seit zehn Jahren verleiht die private Schweizer Stiftung Schloss Leuk den Spycher: Literaturpreis Leuk. Die Besonderheit des Preises liegt darin, dass den ausgezeichneten Schriftstellern zugleich ein fünfjähriges Aufenthaltsrecht mit wechselnden Wohnorten im Kanton Wallis (darunter auch im Schweizer Städtchen Leuk) gewährt wird. Außerdem zahlt die Stiftung ein Stipendium in Höhe von 1.600 Schweizer Franken (rund 1.300 Euro).

"Der Spycher: Literaturpreis Leuk schafft nicht nur einen Rückzugsraum für Schriftsteller in einer atemberaubenden Landschaft, sondern wagt auch in der Landschaft der Literaturpreise etwas gänzlich Ungewöhnliches: er verpflichtet Schriftsteller und einen Ort für eine lange Zeit aufeinander", teilte die Stiftung mit.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Adam Zagajewski, Durs Grünbein, Lavinia Greenlaw, Martin Mosebach, László Krasznahorkai und Sibylle Lewitscharoff.

Der Literaturpreis wird am 18. September im Rahmen einer festlichen Matinee auf Schloss Leuk verliehen.