Das Comeback von Berlin: die Briefwahl. Mit deutlicher Mehrheit wurde die Wiedereinführung dieser Mitwirkungsmöglichkeit beschlossen. Die Hoffnung, die mit ihrer Abschaffung verbunden gewesen war (dass mehr Buchhändler zu den Hauptversammlungen kommen würden), hatte sich nicht erfüllt.
Das Argument, dass wichtige Selbstbestimmungsprozesse des Börsenvereins dauerhaft nicht ohne angemessene Partizipation der größten Mitgliedergruppe ablaufen sollten, wog zu Recht schwerer als alle Bedenken. Damit sind die Einwände nicht vom Tisch. Vor allem muss nun überlegt werden, wie in Zukunft das Meinungsbild noch als Resultat von Meinungsbildung (sprich: von Debatten) zu bewahren sein wird. Der Verbandsdemokratie ausgerechnet des Börsenvereins wäre ein Bärendienst erwiesen, wenn das freie Wort in Rede und Gegenrede zu einem bloßen Ritual im Vorfeld von Entscheidungen verkäme, weil Meinungsführerschaften bereits die Mehrheiten auf den Postweg gebracht hätten – und die debattierende Versammlung nur noch Spalier stehen dürfte bei der Zustellung frankierter Voten.
Aber so blöd muss die Sache nicht ausgehen. Auch die "Herrschaft des Volkes" kommt im digitalen Zeitalter an. Das Internet bietet neue Formen der Beteiligung an Diskussionen. Der Online-Dialog der Bürger ist an vielen Orten ein selbstverständlicher Bestandteil politischer Kommunikation geworden. Warum nicht demnächst auch bei uns? Ein Kommentator hat uns online bereits den Auftrag zur Einrichtung einer Art e-demokratischen Plattform erteilt. Dem stellen wir uns gern. Und Weg-bleiben gilt dann nicht mehr.
Siehe zum Thema auch den Artikel "Stimmen auf dem Postweg" im nächsten Börsenblatt (Heft 24, S. 29).
Kommentar von Torsten Casimir
15. Juni 2011
Auf den Buchtagen Berlin wurde die Wiedereinführung der Briefwahl bei den Vorstandswahlen beschlossen. Welche Auswirkungen hat diese kontrovers diskutierte Entscheidung auf die Verbandsdemokratie?