Der
Robert Gernhardt Preis soll Autoren aus Hessen die Realisierung eines größeren literarischen Vorhabens ermöglichen. Er ist nach dem Autor, Zeichner und Maler Robert Gernhardt benannt und mit insgesamt 24.000 Euro dotiert. Seit 2009 wird die Auszeichnung einmal jährlich an zwei Preisträger mit einem Preisgeld von je 12.000 Euro vergeben. Das Preisgeld wurde von der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen gestiftet.
Die drei Juroren Eva Demski (Frankfurt am Main), Karl-Heinz Götze (Aix-en-Provence) und Christoph Schröder (Frankfurt am Main) haben in diesem Jahr die literarischen Projekte von Thomas Gsella und Matthias Göritz unter 47 Bewerbungen ausgewählt, so die Mitteilung. Der Preis wird am 5. September im Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt übergeben. "Ein sprachmächtiger, komischer Lyriker und ein Autor, der sich mit Ironie und Sprachgefühl des medialen Umgangs mit historischer und aktueller gesellschaftlicher Realität annimmt – beide Autoren stehen in der Tradition des großen Satirikers und Moralisten Robert Gernhardt", kommentierte Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann die Jury-Entscheidung.
Der Lyriker Thomas Gsella (geb. 1958) ist, wie einst Robert Gernhardt, Autor der Frankfurter Satire-Zeitschrift "Titanic". "In seinen komischen, zuweilen bissigen, zuweilen wehmütigen Gedichten bezieht er sich auf Zeichnungen der bekannten Karikaturisten Greser&Lenz. Beide Kunstformen bereichern sich gegenseitig, sie kommentieren einander, sie kommunizieren miteinander", so die Jury, die Gsella "mit seinem intelligenten Witz und mit seinem sicheren Gefühl für die Form" überzeugte.
Das Romanprojekt "Das Geschäft mit den Träumen" des Lyrikers, Übersetzers und Romanciers Matthias Göritz (geb. 1969) hat den Krieg zum Thema – und zugleich den zeitgenössischen Kultur- und Medienbetrieb. Ein älterer Filmproduzent erzählt einem Journalisten in langen Monologen von seinem Vorhaben, den propagandistischen Anlass für die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs – den von den Nationalsozialisten fingierten Überfall auf den Radio-Sender Gleiwitz im damaligen Oberschlesien – zu verfilmen. "Wie gut Krieg und Filmgeschäft, wie gut Gewalt und Gewinn zusammenpassen, erzählt Matthias Göritz mit historischer Genauigkeit, detaillierter Sachkenntnis und sprachlichem Raffinement", begründet die Jury ihre Entscheidung.
Bisherige Preisträger sind: Peter Kurzeck und Andreas Martin Widmann (2010), Andreas Maier sowie Elsemarie Maletzke und Christian Golusda (2009).