Kommentar von Christina Schulte

Mit Eifer debattieren

17. Juni 2011
Redaktion Börsenblatt
Es geht um die Zukunft der Branche: Die Buchtage Berlin zeigten auf, wie notwendig eine Fortführung der Diskussion über die 55 Thesen zum Buchmarkt im Jahr 2025 ist.

Einen Stein ins Wasser werfen«, das wollten die Vorsitzenden der drei Fachausschüsse in Berlin. Haben sie auch getan – mit ihren 55 Thesen zur Situation des Buchmarkts im Jahr 2025. Damit der Stein jetzt nicht einfach zu Boden sinkt, sondern Wellen schlägt, muss nun die Debatte beginnen. Ja, mehr noch: Es wäre grob fahrlässig, sie nicht mit vollstem Engagement zu führen – geht es doch um nicht weniger als die Zukunft der Branche.

Schade ist, wie wenig Buchhändler und Verleger sich öffentlich bisher mit den Thesen auseinandersetzen. Sicher, es ist komplex, sich die Aussagen vorzunehmen, deren Wahrheitsgehalt sich erst noch erweisen muss. So zu tun, als gäbe es die Szenarien nicht, nur weil sie unbequem daherkommen mögen, kann die Lösung aber nicht sein. Wer hört schon gern, dass er in den nächsten 15 Jahren ein Drittel seines Umsatzes verlieren wird? Oder dass er sein Geschäftsmodell auf neue Füße stellen muss? Die Konfrontation mag mühsam sein – viel schlimmer wäre jedoch, den Zeitpunkt für Veränderungen endgültig zu verpassen.

Aus der Luft gegriffen sind die Thesen jedenfalls nicht. Selten ist detailliertere Vorarbeit geleistet worden: Zahlenkolonnen wurden untersucht und extrapoliert, Matrizen entworfen, Märkte analysiert, Szenarien entwickelt. Zu negativ seien im Tenor die Thesen, hieß es vereinzelt in Berlin; die Forderung nach positiveren Aussagen wurde laut. Aber schönreden wäre nicht die erwachsenste Art, sich auf die Zukunft vorzubereiten.

Lesen Sie zum Thema auch den Beitrag "Buchhandel 2025: So wird der Markt von übermorgen" im aktuellen Börsenblatt (Heft 24, S. 24–25).