Was ist das Einprägsamste auf der Buchmesse? Es sind Gespräche. Das stimmt allerdings nur halb, nein, ein Zehntel vielleicht. Denn das meiste Geplauder wird jeder rasch vergessen. Zu dem Zehntel gehören in der Regel die Reden zur Vergabe der Rowohlt-Übersetzerpreise, drei an der Zahl: Erzählt wird von Akribie und Hingabe. In diesem Jahr erhält Werner Schmitz den Hauptpreis für seine Übersetzungen amerikanischer Literatur.
Der Preis ist nach einem Verleger benannt, wie auch die Jury vornehmlich von Verlagsleuten gebildet wird. Sie befinden sich seit Jahren im Streit mit dem Verband der Übersetzer. Der Konflikt um Honorare ist mittlerweile beim Bundesgerichtshof angelangt. Trotzdem sind einmal mehr Übersetzer von Verlegern zu Preisträgern gemacht worden – kaum vorstellbar, dass dies in einer Atmosphäre des Überdrusses und der Auseinandersetzungen geschehen ist.
Der Streit ist wichtig. Es geht um Grundsätzliches, es geht ums Geld. Aber nicht nur. Stets war es den Übersetzern auch um die Wertschätzung ihrer Arbeit gegangen. Es genügt, neue Bücher mit älteren zu vergleichen, um die Veränderung zu bemerken: Der Name des Übersetzers steht immer häufiger nicht mehr klein irgendwo. Er ist neben und bei dem des Autors zu finden, fast ebenso prominent. Manche mögen einwenden: Das koste die Verlage nichts. Das stimmt. Dennoch ist es ein sichtbares Zeichen für die Anerkennung der Leistungen einer Berufsgruppe. Mit dem Rowohlt-Preis findet diese Anerkennung besonderen Ausdruck. Man darf gratulieren – allen Beteiligten.