Referendum gegen feste Bücherpreise in der Schweiz

"Wir sind doch keine Abzocker"

7. Juli 2011
Redaktion Börsenblatt
Statt sich zu entspannen, scheint sich die Lage in der Schweiz weiter zuzuspitzen: Mit dem Euro sinken die Preise – und dabei kann keiner sagen, wann die Talfahrt zu Ende ist. Jetzt steht den Eidgenossen eine Volksabstimmung über feste Bücherpreise ins Haus. Was Buchhändler darüber denken? boersenblatt.net hat nachgefragt.  

Cornelia Schweizer, Buchhandlung am Hottinger Platz in Zürich
„Dass die Gegner genug Stimmen zusammen bekommen, überrascht mich nicht. Migros hat sich dafür ja auch sehr ins Zeug gelegt. Andererseits: Wir sind nicht wehrlos – zusammen mit dem SBVV werden wir eine eigene Kampagne machen. Wie die Volksabstimmung ausgeht, ist trotzdem noch völlig ungewiss: Das hängt auch davon ab, welches Thema es an diesem Tag noch auf der Agenda steht. Ist es eines, das emotional hohe Wellen schlägt – werden wohl eher die Nein-Stimmer zu Wahl gehen.“  

Pius Frey, Comedia Buchhandlung in St. Gallen
„Wie sich die ganze Debatte entwickelt, stört mich gewaltig. Leute aus reichem Haus spielen sich als Retter fairer Preise auf – und setzen, das ist wirklich nicht übertrieben, eine Propaganda-Maschine in Gang. Alles mit Unterstützung von Migros, denn ohne Ex-Libris wäre es doch gar nicht so weit gekommen. Es ist schon eine verkehrte Welt: Ex Libris bietet aufgeschichteten Schwachsinn und stilisiert sich als Kulturförderer. Aus Gesprächen mit meinen Kunden weiß ich aber: Sie werden auf jeden Fall pro Preisbindung stimmen.“

Natal Müller, ad hoc Buchhandlung in Wil
„Ich bin gegen feste Bücherpreise – und das ganz bewusst. Nur mal ein Beispiel: Es kann doch nicht sein, dass ein Kunde, der 200.000 Schweizer Franken bei mir ausgibt, genauso viel für ein Buch bezahlt, wie jemand, der nur einmal ein Buch kauft. Meine Kunden sehen das übrigens genauso. Kommt es zur Volksabstimmung, und davon kann man jetzt ja ausgehen, werden sie gegen die Preisbindung stimmen.“

 Adela Haupt, Buchhandlung Haupt in Bern
„Die Situation ist für den Buchhandel in Schweiz wirklich dramatisch: Weil der Euro immer schwächer wird, sinken die Bücherpreise. Aus meiner Sicht wäre es deshalb sehr sehr wichtig, wieder eine Buchpreisbindung zu bekommen. Aber ich bin skeptisch, ob das gelingt. Ex-Libris hat eine starke Lobby im Land. Was mir ein Rätsel ist: Warum wird aus öffentlichen Debatten die unterschiedliche Kaufkraft in der Schweiz und Deutschland einfach ausgeblendet?“

Stephan Winiger, Bider + Tanner in Basel
„Feste Preise haben sicher auch Nachteile – aber die Vorteile überwiegen. Im Moment ist die Diskussion um dieses Thema noch recht plakativ. Einige machen uns schlecht, sagen, wir seien Abzocker. Dabei sprechen die Fakten doch klar dagegen. Die Mehrzahl unserer Kunden versteht uns, sie kennen die Probleme, die wir durch den schwachen Euro bekommen haben. Die Kampagne des SBVV werden wir unterstützen.“