Unbestritten: Joanne K. Rowlings sieben Potter-Bände haben im vergangenen Jahrzehnt einen Paradigmenwechsel herbeigeführt. Sie machten das Jugendbuch zu einer ernst zu nehmenden Größe und Kinderbuchverlage zu gewichtigen Unternehmen. Erstverkaufstage wurden zu Events. All das ist nicht wieder umkehrbar, aber mit Teil 2 des siebten Films ist auch der Anfang vom Ende des Medienrummels gekommen. Der Film startet, aber es gibt keine nervöse Neugier mehr; man weiß ja, was passiert. "Harry Potter" ist auf dem Weg, zum Mythos zu werden.
Hätte es Sinn gemacht, werbemäßig noch einmal alle Register für die Bücher zu ziehen? Mit Aktionen und großem Trara? Carlsen und der Buchhandel geben sich zu Recht gelassen: Bei 31 Millionen verkauften Exemplaren müsste jeder Dritte in Deutschland "Potter" gelesen haben, nun hext sich der Zauberlehrling in die Backlist.
Der Mythos aber lässt sich versilbern. Mit ihrer Website pottermore.com schenkt Rowling ihrem Epos ewiges Online-Leben. Ein cleveres Geschäftsmodell, um sowohl treue Fans als auch die Youngsters zu binden, die nicht mit Harry und Hermine aufgewachsen sind. Wenn der Hype abnimmt, kann Rowling ihrem Helden gezielt frischen Atem einhauchen, stoßweise.
Le roi est mort – vive le roi: Mit Twilight & Co. gibt es im Jugendbuch längst Nachfolger, die sich als lukrativ erwiesen haben. Vielleicht erfindet Rowling aber auch gerade die Zauberformel dafür, mit virtuellen Aktivitäten sich selbst nachzufolgen.