"Die Situation ist wirklich dramatisch", berichtet unter anderen Adela Haupt von der Buchhandlung Haupt in Bern; weil der Euro schwächer werde, müsse sie die Bücherpreise nach unten korrigieren – bei gleichbleibenden Kosten (weitere Stimmen, hier). Besonders häufig greifen offenbar die Filialisten zum Rotstift, vor allem Exlibris.
Werden Bücher zu Billigprodukten?
Schweizer Verlage bringt diese Preisspirale allerdings nicht minder in Schwierigkeiten. Die Buchpreise seien massiv gefallen, sagt etwa Kein & Aber-Verleger Peter Haag – und das um bis zu 30 Prozent. Sein Fazit: "In einem Land, das mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 6 200 Schweizer Franken (5 160 Euro) zu den kaufkräftigsten der Welt gehört, sind Bücher nun Billigprodukte."
Der Trend hinterlässt bereits tiefe Spuren: Zum Ende des ersten Halbjahrs bewegt sich der Buchhandel tief im Minus – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Umsätze um 6,3 Prozent (Januar bis Juni; laut Branchen-Monitor Buch).
Schweizer Buchzentrum senkt erneut die Preise
Um zu verhindern, dass die Schere zwischen Ein- und Verkaufspreisen noch weiter auseinandergeht, greift das Schweizer Buchzentrum jetzt ein: "Wir empfehlen deutschen Verlagen, zu einem Kurs von 1,30 Schweizer Franken umzurechnen", so Geschäftsführer Andreas Grob – die meisten hätten schon zugesagt (Umrechnungskurs bisher, seit August 2010: 1,38 Schweizer Franken).
Damit aber nicht genug: Grob will das Preiskorsett, in dem das Buchzentrum steckt, endlich abstreifen. "Als Grossist müssen wir unsere Preise künftig flexibler gestalten und unsere Ware in Euro einkaufen können", betont er.
Online-Handel und KNV profitieren
Käufer und Buchhändler machen das zum Teil längst: Die einen beziehen Bücher zunehmend via Amazon (das Unternehmen liefert zu Europreisen), die anderen über das Barsortiment KNV.
Branchenbeobachtern zufolge kommt das Sortiment hier unterm Strich auf einen Rabatt von 60 Prozent – weil die Stuttgarter zu deutschen Konditionen in Euro ausliefern. Im Detail möchte das Unternehmen diese Rechnung nicht kommentieren, gibt sich aber selbstbewusst: KNV-Einkaufsleiter Markus Fels: "Wer bei uns bestellt, sieht natürlich seinen wirtschaftlichen Vorteil."