Ausbildertagung

Ausbildertagung: Marketing gegen "war of talents"

12. April 2011
Redaktion Börsenblatt
Gestern ging am mediacampus in Frankfurt-Seckbach die erste Ausbildertagung über die Bühne. Fazit: Schon heute haben die Branchenunternehmen mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen – dabei steht der demografische Wandel noch bevor.

Die vom mediacampus gemeinsam mit der Abteilung Berufsbildung im Börsenverein konzipierte Veranstaltung stand unter dem Motto "Fachkräfte für die Zukunft gewinnen". Auf der Suche nach Auszubildenden oder neuen Mitarbeitern müssten die Unternehmer schon jetzt ihre Erwartungen anpassen, so der Tenor. Dass in den nächsten Jahren noch mehr Flexibiltät erforderlich sein dürfte, erklärte Winfried Kösters, freier Publizist, Wissensmanager und Berater der Bertelsmann Stiftung in Demografiefragen, in seinem Eröffnungsvortrag „Demografischer Wandel: Was bedeutet das wirklich?“ vor. Auf anschauliche Weise zeigte er, was es tatsächlich bedeutet, dass unsere Bevölkerung nicht nur immer älter, sondern auch bunter und vor allem weniger wird. Die Unternehmen müssen heute die Weichen für die Zukunft stellen: „Der richtige Zeitpunkt war vor zwanzig Jahren – oder jetzt“, so Kösters.

Von einem "war of talents" sprach die Vorsitzende des Berufsbildungsausschusses, Karin Schmidt-Friderichs. Gerade in der Buchbranche müssten sich die Unternehmen attraktiv darstellen und gemeinsam für die gesamte Branche werben. Wünschenswert sei, dass Betriebe ihren Auszubildenden und jungen Mitarbeitern beispielsweise die Möglichkeit gäben, am Nachwuchsparlament während der Buchtage Berlin teilzunehmen. So könne nicht nur die Identifikation mit der Branche allgemein gefördert, sondern auch erste Netzwerke gebildet werden.

Netzwerke und Netzwerken stand auch im Mittelpunkt der Ausbildertagung. In den Kaffeepausen entwickelten sich immer wieder kleinere Diskussionsrunden. Der Wunsch nach Austausch und Gesprächen war groß – viele Ausbilder trafen sich hier zum ersten Mal. Wie wichtig auch der Austausch für die Auszubildenden ist, zeigte sich in der Podiumsrunde zum Thema "‚richtig‘ ausbilden – Nachwuchs fordern und fördern". Mira Dietermann, S. Fischer Verlage, betonte, dass auch für einen großen Verlag Kooperationen entscheidend seien. So würden die Auszubildenden nicht nur andere Betriebe kennen lernen, sondern auch deren Mitarbeiter, wodurch sich wieder neue Kontakte und Ansprechpartner bildeten. 
Aber nicht nur Kooperationen sind wichtig, auch innerhalb des Verlages muss die Ausbildung koordiniert werden, damit die Azubis optimal gefördert werden können. Die Rücksprache mit den jeweiligen Abteilungsleitern ist dabei von besonderer Bedeutung. Den Verantwortlichen sollte von der Geschäftsführung außerdem die nötige Zeit eingeräumt werden, um die jungen Kollegen richtig betreuen zu können. Darin war man sich einig. Kathrin von Papp-Riethmüller, verantwortlich für die Ausbildung bei Osiander, verwies auf das firmeneigene Theaterstück, bei dem auch Auszubildende einer kleineren Buchhandlung in Tübingen mitmachen können. Durch ihr Engagement in diesem Projekt können sich die Azubis hier vielfältig weiterbilden.

Noch sei es zwar kein Thema, sagte von Papp-Riethmüller, aber sie sei sich durchaus bewusst, dass auch Osiander in den nächsten Jahren mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben wird und vermehrtes Marketing betreiben muss. Sie betonte, dass eine gute Ausbildung und zufriedene Mitarbeiter die beste Außenwerbung seien. Am Besten funktioniere immer noch Mund-zu-Mund-Propaganda. Wilfried Malcher, Handelsverband Deutschland – Der Einzelhandel, veranschaulichte in der Diskussion "Herausforderungen bei der Rekrutierung von Auszubildenden" mit welchen Instrumenten der Einzelhandel bereits in die Offensive gegangen ist. Ein Beispiel etwa sei der Wettbewerb "Ausbilder des Jahres", für den sich die Betriebe bewerben können. Bildungsdienstleister Provadis hingegen hat mit der Ludwig-Maximilians-Universität München einen sogenannten Selbsteinschätzungs-Test entwickelt, um aus den zahlreichen Bewerbern auch die Richtigen herauszufiltern, wie Dr. Renate Bida-Winter berichtete.

In den verschiedenen Miniworkshops konnten sich die Teilnehmer außerdem über die Anforderungen der AEVO-Prüfung oder den Literaturunterricht und seinen Praxisbezug zum Buchhandel informieren. Zum Abschluss der ersten Ausbildertagung wurden sie alle Fragen rund um das neue Berufsbild Buchhändler oder über die Ausbildung für Medienkaufleute los. Zufrieden und mit vielen Ideen und Anregungen im Gepäck, 
endete die erste Ausbildertagung am mediacampus. Wie die richtige Zukunftsstrategie aussehen wird, weiß sicherlich noch niemand, aber dass die Debatte geführt werden muss. Eine Möglichkeit, den angestoßenen Dialog weiterzuführen, wird die nächste Ausbildertagung bieten.