E-Books

Google startet E-Book-Store in Deutschland

14. Juni 2012
Redaktion Börsenblatt
Google bietet auf seinem digitalen Unterhaltungsportal für Apps, Google Play, ab sofort auch E-Books an. Die Nutzer können Hunderttausende deutsche Bücher lesen – wahlweise auf Tablets, Smartphones oder Laptops (Cloud Reading). Titel der Verlagsgruppen Bonnier und Holtzbrinck scheinen jedoch zu fehlen.

Neuerscheinungen, Klassiker, Bestseller: Books on Google Play hat alles – wenn auch nicht von allen. Aktuell würde man mit Verlagen wie Blanvalet, DVA, Goldmann, Heyne (alle drei: Random House), Bastei Lübbe, C.H. Beck, Hoffmann & Campe (Ganske Gruppe), Klett Cotta, Springer Science+Business Media (Springer SBM), Münchner Verlagsgruppe, GRIN, Walhalla and Gmeiner zusammenarbeiten, heißt es aus dem Unternehmen."Es handelt sich um ein äußerst großes und vielfältiges Angebot", so Santiago de la Mora, Director Strategic Partnerships Print bei Google, gerade in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Mit oder ohne DRM

Erste Recherchen von boersenblatt.net zeigen ein etwas anderes Bild – lassen zumindest erahnen, dass es nicht nur an internen, strategischen Gründen gelegen haben kann, dass Google mit seinem vor langer Zeit bereits ankündigten E-Book-Store erst jetzt kommt. Denn: Zwar sind mit Random House, Bastei Lübbe, Ganske und Springer SBM einige große Verlagsgruppen an Bord, andere fehlen jedoch. Momentan sind weder Titel von Piper, Carlsen oder Ullstein (Bonnier Media) zu finden, noch von Rowohlt, S. Fischer oder Kiepenheuer & Witsch. Zu den Gründen ist derzeit nichts bekannt. Fest steht: Am Faktor DRM kann es nicht liegen. Die Entscheidung für oder gegen einen harten Kopierschutz überlässt Google den Verlagen – "Verlage haben die Wahl, ob sie ihre Titel mit oder ohne DRM anbieten", betont de la Mora.      

Usability oder Masse

Insgesamt seien Hunderttausende deutsche Titel verfügbar, sagt er; rechne man die E-Books hinzu, die in anderen Sprachen angeboten würden, sogar rund zwei Millionen. Doch so oder so: Das Pfund, mit dem Google wird wuchern können, dürfte ohnehin nicht die schiere Masse sein – sondern eher die Usability. 

Der Shop wirkt zwar spartanisch, ist dafür aber recht aufgeräumt. Man könnte auch sagen: Auf den ersten Blick mag der Shop nach Economy Class aussehen – enthält jedoch einige Finessen, die in dieser Durchgängigkeit bisher nur wenige zu bieten haben. Neben Standards (u.a. Anbindung an die sozialen Netzwerke Google + und Twitter; Facebook muss draußen bleiben), hat Google eine Reihe von Zusatzservices integriert – seinen eigenen Übersetzungsdienst etwa, eine Volltextsuche oder Wikipedia.

Partner? Nein, danke.

Santiago de la Mora trommelte an diesem Vormittag noch für ein paar andere Vorteile. "Was Books on Google Play in Deutschland so besonders mache?", fragte er in gebrochenem Deutsch ("Ich bin Brasilianer und habe die deutsche Sprache in Österreich gelernt") in die Runde – und gab sich darauf natürlich auch die Antwort: Besonders sei das Programm vor allem deshalb, weil es hier ein "großes und vielfältiges Angebot" gebe, die Plattform offen für unterschiedlichste Geräte sei (Zugang per Browser, unabhängig von bestimmten Betriebssystemen) und sich der Store intuitiv nutzen lasse.   

Verkauft wird bei Google in Deutschland auf eigene Rechnung – und das wird wohl auch so bleiben. An ein Partnerprogramm mit dem Buchhandel, wie es einst in den USA aufgelegt wurde, sei hierzulande nicht gedacht, ließ de la Mora nach mehrmaligen Rückfragen die Journalisten wissen. Was andererseits aber zu erwarten war: Selbst in den USA wurde das Programm mittlerweile gestoppt; Ende Januar 2013 soll Schluss sein.      

Books on Google Play ist jetzt in sechs Ländern verfügbar: in den USA, Australien und Kanada, in Großbritannien, Italien und Deutschland.