Die Auszeichnung des Übersetzerverbands VdÜ würdigt Personen, die sich "in hervorragender Weise des Übersetzens und der Leistung der Übersetzer angenommen haben". Burkhard Müller würdigt nach dem Urteil der Jury "seit vielen Jahren fundiert vergleichend, interessiert analysierend und respektvoll die verschiedensten Übersetzungen großer literarischer Werke". Burkhard Müller offenbare philologische Expertise, die auf der Grundlage seiner hohen Sensibilität für die Problematik des Übersetzens in differenzierte und mitunter scharf pointierte Übersetzungskritik mündete.
Luis Ruby, 2. Vorsitzender des VdÜ, beschrieb in seiner Laudatio Burkhard Müllers Beschäftigung mit den Übersetzungen als kompetente Stilkritik. Außerdem sei Müller selbst ein Wortkünstler, seine Kritiken seien Wortschönheiten.
Burkhard Müller nahm die Auszeichnung in Form eine Kunstwerkes von Martin Lechner erfreut entgegen und interpretierte die Fotografie als "Kielwasser, was unter der Barke zurückliegt". Müller zeigte sich in seiner Dankesrede erstaunlich pragmatisch und bezeichnete die Übersetzungskritik als "angewandte Kunst wie die eines Arztes oder Apothekers" (und sicher ist sie ebenso nützlich).
Wer sich nicht mit Übersetzungen beschäftigte, befände sich im Zeitalter der literarischen Unschuld – und das solle man nicht ewig bleiben. Die Aufgabe des Kritikers sieht Müller darin, das Umfeld für Übersetzungen zu erleichtern, zum Beispiel die Öffentlichkeit zunächst zu informieren – schließlich seien auf dem deutschen Buchmarkt die Hälfte Literatur Übersetzungen. Diese Übersetzungen sind wichtig für die Sprachpflege, so Müller, und hochinteressant dann, wenn es zu einer syntaktischen Annäherung der Sprachen komme.
Schließlich möchte Müller bei den Lesern eine "Grunddankbarkeit" für die Arbeit des Übersetzers verankern. Nicht nur aus Qualitätsgründen ("Denn jede Leistung, die nicht belohnt wird, tendiert zum Nachlassen"), sondern auch, weil "Übersetzer eine heitere Gesellschaft bilden. Das sind Leute, die keine Arroganz kennen".
pg
Zur Person:
Burkhard Müller, 1959 geboren, studierte Deutsch und Latein in Würzburg, wo er mit einer Arbeit über Karl Kraus promovierte. 1993 wurde er Dozent für Latein an der Technischen Universität Chemnitz. Seit 1996 arbeitet er zusätzlich als Kritiker, vor allem für die »Süddeutsche Zeitung«. 2008 wurde Müller vom Börsenblatt mit Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet.