Interview mit Hanna Meid

"Die Nase vorne haben"

6. Dezember 2012
Redaktion Börsenblatt
Wie gewinnt man die Lokalpresse für sich? Was sollte man bei der Gestaltung einer Anzeige beachten? PR-Beraterin Hanna Meid gibt im Interview Tipps.

Eines Ihrer Spezialgebiete als Beraterin ist das Thema Veranstaltungen. Was kommt gut an?
Wenn es um das Verkaufen geht, sind Lesungen immer noch das Beste. Sie wecken die Neugier auch auf andere Bücher der Autoren. Ein Mehrwert entsteht, wenn Sie nicht alle aktuellen Autoren einfach durchdeklinieren, sondern klug nach Thema und Aktualität auswählen und Partner ins Boot holen oder Partner werden. Lebhaftes Interesse ist zu erwarten, wenn zum Beispiel in der Stadtbibliothek oder im Rathaus ein bekannter Sohn der Stadt aus seinem Buch liest. Beliebt sind auch Weihnachtsbuchbasare oder Veranstaltungen, bei denen die eigene Mitarbeiter Bücher präsentieren. Stellen Sie eine Woche lang bei sich neue Kinder- oder Jugendbücher vor, etwa vor Ostern, zu Herbstbeginn oder vor den Sommerferien. Denken Sie dabei auch an CDs und Hörbücher und ein attraktives Non-Book-Sortiment.

 
Wie schaffe ich es denn, ein attraktiver Partner zu werden?
Sie müssen langfristig und kontinuierlich Kontakte aufbauen. Sie müssen den Fuß in der  Stadtverwaltung haben, und dem Bürgermeister bei der Lesung im Rathaus sagen: "Bei Veranstaltungen wie diesen bin ich dabei!" Wer aktiv ist und langen Atem hat, der hat die Nase vorne - auch bei den Verlagen, wenn ein Autor nur wenig Lesetermine anbietet.

 
Was heißt für Sie, einen langen Atem zu haben?
Ein kulturell interessierter Kunde ist nicht teilbar: Vielleicht gibt es eine Vereinsveranstaltung oder er ist am Abend im Theater. Lassen Sie sich nicht von Rückschlägen oder einer Veranstaltung mit wenig Gästen verunsichern. Machen Sie eine gute PR und vergessen Sie den Kundenservice im Anschluss an die Veranstaltung nicht! Kundenbindung bedeutet auch, den Kunden per Newsletter zu informieren oder ihn persönlich anzusprechen und zu fragen: "Sie kommen doch am Mittwoch zur Lesung, oder?"

Worauf kommt es bei der PR an?
Bei Autorenlesungen müssen Sie personalisieren und das Gesicht des Autors zeigen. Setzen sich mit dem Verlag in Verbindung und nehmen Sie ihn in Anspruch! Oft gibt es bereits sehr gutes Material, auch für Pressemeldungen und Anzeigen, das Sie nutzen können. Bei eigenen Veranstaltungen, etwa einem Weihnachtsbuchbasar am Adventssonntag, verwenden Sie Wortspiele, die aufmerksam machen (Wortfelder: Lesen, Hören, Schreiben, Buch, Spannung) und sprechen Sie mit einfachen Bildern: Ein Weihnachtsmann mit dicker Brille und Buch oder ein Bücherstapel mit großer Schleife, das wird sofort verstanden.

 
Was sind die Grundregeln einer guten Pressearbeit?
Eine gute Pressearbeit ist kontinuierlich und partnerschaftlich. Pressemeldungen sollten Sie so kurz wie möglich und so lang wie nötig halten. In großen Städten sind in der Presse meistens nur kleine Meldungen zu erwarten. In kleineren Orten ist mehr möglich: Am besten rufen Sie in den Redaktionen direkt an und fragen: "Wie lang darf es denn sein?" Man muss seine Zeitung natürlich kennen: Gibt es dort lange Vorberichte oder nur kurze Ankündigungen und einen langen Nachbericht? Eine bis zwei Wochen vor Veranstaltungsbeginn schicken Sie eine Presseeinladung, auf keinen Fall vorher! Am Abend halten Sie weiteres Pressematerial bereit: Rahmendaten zur Veranstaltung, Informationen zum Autor und Werk und mindestens der Klappentext, besser eine eigene Zusammenfassung. Journalisten freuen sich auch über eine Kopie aus dem Text - eine halbe Seite genügt. Ein guter Nachbericht ist die beste Werbung für die nächste Veranstaltung. Und denken Sie daran: Jede Veranstaltung gehört ins Internet!

Fragen: Kai Mühleck


Hanna Meid
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