Rainer Groothuis startet eigene Agentur

Fische, Angler und Passion

6. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
Einfach alles auf Anfang? Unter dem Namen "Groothuis. Gesellschaft der Ideen und Passionen" hat Rainer Groothuis eine neue Agentur gegründet. Im Interview erklärt er, wohin die Reise gehen soll.
"Groothuis geht und macht neu" – titelt die Pressemitteilung. Das hört sich so einfach an. Gilt jetzt, wo Sie mit einer 15köpfigen Mannschaft zurück in den Hamburger Borselhof ziehen, dorthin, wo 1999 alles begann, "back to the roots"?
Rainer Groothuis: "Einfach" ist anders – zunächst bin ich froh darüber, dass im Zuge der Neuordnung niemand seinen Arbeitsplatz verliert. Alle können sich jetzt wieder auf das konzentrieren, worum es geht: kreatives, lustvolles Arbeiten.
In den Jahren, die seit 1999 vergangen sind, haben sich nicht nur die Märkte verändert. Auch die Bedingtheiten von Gestaltung und die Herausforderungen, die heute vor Kunden stehen, sind teilweise andere. Über Formen der digitalen Kommunikation, der digitalen Gestaltung oder des digitalen Marketings konnte man vor 14 Jahren allenfalls spekulieren. Ein Zurück kann es also nicht geben. Als wir damals anfingen, wurden wir wohlwollend vielfach als "bibliophile Bastelbude" wahrgenommen – ein Image, das wir, auf dem Weg vom schönen Buch zum schönen Print-Objekt schlechthin, über die Jahre früchtetragend weiter entwickeln konnten. So konnten wir unser Kunden- und Aufgabenspektrum  erweitern, ohne unseren Kern zu verraten.

"Formfindung und Sinneswandel", der Agentur-Claim, unter dem Sie damals starteten, ließ auch etwas von der Anstrengung ahnen, ohne die beides nicht zu haben ist...
Groothuis (lacht): "Anstrengung"? Die meinten wir damals zwar nicht – aber ich bin sehr einverstanden, wenn "Ideen und Passionen" leichtere Assoziationen weckt…

Sie sprechen von "Ideen und Passionen"– welche sind das? Wohl doch nicht nur die des Rainer Groothuis? Dann wäre die Veranstaltung ja geradezu vergnügungssteuerpflichtig?
Groothuis: Als Dienstleister muss man schon darauf achten, dass der Wurm dem Fisch schmeckt – und nicht dem Angler. Insofern verhält es sich mit den "Passionen" ähnlich wie mit dem "Sinneswandel". Es sind drei Kreise gemeint: Zunächst einmal die Kunden der Kunden – denn wir werden natürlich nur beauftragt, wenn sich der Auftraggeber von unserem Einsatz einen auch ökonomischen Nutzen verspricht. Dann der Kunde, der Auftraggeber selbst. Dann wir.
Freude an kreativem und lustvollem Arbeiten im Sinne von "passioniert sein" gilt für jede Kollegin und jeden Kollegen. Beide Begriffe verstehen sich als Mitteilung, wie wir unsere Arbeit auffassen – und vor allem als Einladung: Menschen, die für ihren Verlag, ihr Unternehmen brennen, also »passioniert« sind, finden sich gottlob nahezu überall.

Und die bisherigen Kunden?
Groothuis: Alle Kunden dürfen sicher sein, dass ihre jeweiligen Aufträge, ob bei "Sehfeld" oder "Groothuis.", in gewohnter Qualität erfüllt werden.

Alles wird anders, alles bleibt gleich?
Groothuis: Die digitalen Herausforderungen werden deutlich wachsen. Ich glaube jedoch, dass die glaubenskampfartigen Auseinandersetzungen – hier Print, dort Digital – inzwischen überholt sind. Letztlich wird ein großer Teil der Leser beides nutzen. Das intelligente Miteinander entsteht in kleinen Schritten, wenn auch merklich. Es ist aber ein Irrglaube, zu denken, dass etwas, was sich in 500 Jahren entwickelt und tief in unserem kulturellen Gedächtnis verankert hat, das Buch, in ein, zwei Generationen verschwindet. Wenn nicht alles täuscht, setzt sich gerade die Erkenntnis durch, dass die Print-Zukunft von der eigenen Qualität bestimmt wird.

Was wünschen Sie sich fürs eben beginnende neue Jahr?
Groothuis: Das Vertrauen zurückzugewinnen, dass durch die corso-Insolvenz gelitten hat. Außerdem, natürlich: Gute Kunden, gute Projekte, gute Laune, schwarze Bilanz.

Fragen: Nils Kahlefendt


Groothuis.
Gesellschaft der Ideen und Passionen mbH
Borselstraße 16 b
22765 Hamburg

Die Website www.groothuis.de ist noch im Entstehen.