Afrikanische Literaturtage in Frankfurt

Afrikanische Stimmen und Stimmungen

6. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
Mit Lyrik, Musik und stürmischem Beifall endeten am Samstagabend die "Afrikanischen Literaturtage" im Literaturhaus Frankfurt. Annähernd 1.500 Besucher strömten an den zwei Tagen in Lesungen, Werkstattgespräche, Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen.

Organisiert hatte die Afrikanischen Literaturtage (25./26. Januar) die litprom – Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Geschäftsführerin Anita Djafari, die den Event mit einem kleinen Team gestemmt hatte, zeigte sich begeistert vom Zuspruch beim Publikum: Gleich mehrere Veranstaltungen mussten wegen des großen Andrangs von kleineren Räumen in den Lesesaal des Literaturhauses verlegt werden. Ein schöner Erfolg. Die Literaturtage strahlten zudem überregional aus, wie schon Sonja Vandenrath vom Kulturamt der Stadt Frankfurt bei der Eröffnung betonte. Und: "Die Zusammenarbeit mit der Frankfurter Goethe-Uni hat sich gelohnt", so Anita Djafari, "viele Studenten waren da."

Die vier Werkstattgespräche am Samstag, leider jeweils zwei parallel (das soll sich aber beim nächsten Mal ändern, so die Organisatoren), kreisten um die persönliche Schreibmotivation und Lebenssituation der eingeladenen afrikanischen Autoren, ihre gesellschaftliche Verantwortung und neue Trends afrikanischer Literatur – insbesondere in der Kriminalliteratur. Die meisten der Autoren leben nicht mehr in Afrika, auch das ein Thema in den Runden. "Meine Heimat ist das Alphabet", brachte Patrice Nganang (Kamerun/USA) seine Verortung auf den Punkt. Gesprochen wurde auf Deutsch, Englisch, Französisch und Portugiesisch – Simultandolmetscher brachten dies alles in Einklang.

Die abschließende Podiumsdiskussion mit Fatou Diome (Senegal/Frankreich), Patrice Nganang, Ilija Trojanow, dem Vorsitzenden der Weltempfänger-Jury von litprom, und Holger Ehling (Moderation) stellte sich die Frage nach der Rezeption der Literatur von afrikanischen Autoren in Afrika und im Westen. "In Afrika gibt es mehr Leser als Buchkäufer", so Fatou Diome. Bücher zirkulieren dort durch mehr Hände, insofern sagen reine Auflagenzahlen wenig aus. Nganang, der in den 90er Jahren in Frankfurt studiert hatte, rechnete dagegen der Literatur nur einen kleinen Raum beim Publikum zu – anders als etwa der Musik. Andererseits sei die "Macht der Schrift" immens, so der Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist. Heute noch verstärkt durch Internet und Social Media. Autoren die in Europa oder den USA leben, und auf Französisch und Englisch schreiben, finden leichter einen Verlag. Bei Werken in afrikanischen Sprachen gäbe es jedoch eine große Hürde, so Trojanow: fehlende Übersetzer ins Deutsche. Und: "Feuilletons sollten mehr außereuropäische Autoren lesen", so sein Wunsch. Die Diskussion endete mit einem leidenschaftlichen Plädoyer Fatou Diomes für die Freiheit über alles schreiben zu dürfen.

Krönender Abschluss der "Afrikanischen Literaturtage" war dann der Lyrik- und Musikabend mit Conceição Lima (São Tomé und Príncipe), Chirikure Chirikure (Simbabwe/Deutschland) im proppenvollen Saal des Literaturhauses. Thomas Brückner, ganz in schwarz mit roten Schuhen, brachte die deutschen Übertragungen ihrer Gedichte kongenial zu Gehör. Das alles musikalisch begleitet und vertieft vom Schlagwerker Günter "Baby" Sommer und dem Mbira-Spieler Joram Tarusarira. Chirikure performte seine eingängigen, gleichnishaften Texte (auf Englisch und Shona) teils tanzend zur Musik, Conceição Lima las ihre symbolgeladenen Gedichte, die etwa vom Meer und der Kolonialzeit handelten, sitzend. Die portugiesische Sprache sorgte für einen melancholischen Klang. Ein Ohrenschmaus ­– stürmischer Beifall der Zuhörer war der verdiente Lohn.

Grund zur Freude hatte auch der Frankfurter "Land in Sicht Buchladen", der den Büchertisch im Foyer des Literaturhauses bestückt hatte. Hier wurden wohl mehr als 100 Bücher der afrikanischen Autoren der Literaturtage verkauft. Am Samstagabend war das Angebot quasi leergefegt.

Litprom-Geschäftsführerin Anita Djafari schmiedet nach den Erfolgen der "Arabischen Literaturtage" (2012) und jetzt der "Afrikanischen Literaturtage" bereits Pläne für das kommende Jahr – dann möchte sie mit ihrem Team am liebsten Literatur aus Asien präsentieren.

mg