Gastspiel des Reisebuchhändlers Pedro M. Arez

Das Leichte macht keinen Spaß

7. März 2013
Redaktion Börsenblatt
Das Leben in der Nische mag nicht immer leicht sein, langweilig aber wird es nie. Gerade Spezialisten tun gut daran, sich ihre Beweglichkeit zu bewahren. Erfahrungen des Hamburger Reisebuchhändlers Pedro M. Arez.
Als Fachbuchhändler haben wir es durch das neue Kaufverhalten unserer Kunden und die Informationsflut im Internet nicht gerade leicht. Wir sind darauf spezialisiert, die Menschen in Hamburg, im Umland und in der regionalen Wirtschaft mit geografischen Informationen über die ganze Welt zu versorgen. Dazu gehören Bücher und Kartenmaterial von der topografischen Karte bis zur mehrere Quadratmeter großen Weltkarte für eine ganze Zimmerwand. Auch Globen und Atlanten bieten wir in einer Großauswahl an.

Unsere Spezialisierung erfordert Mut: Nicht für jeden Lesetyp haben wir immer das richtige Buch auf Lager. Unsere Kunden kommen gezielt zu uns und gehen manchmal nur mit einer Karte von der Lüneburger Heide nach Hause − gern hätten wir mehr Umsatz gemacht. Denn die Einnahmen sind rückläufig. Karten aus der Region laufen zwar immer noch gut, aber bei Plänen von anderen deutschen Städten verzeichnen wir Einbußen von bis zu 80 Pro­zent, gemessen an den besten Zeiten. Viele Nutzer drucken sich Stadtpläne heute aus dem Internet aus. Also müssen wir genauer auswählen, was wir bei uns ins Regal stellen. Alles vorrätig zu haben – das können wir uns wegen mangelnder Drehgeschwindigkeit leider nicht mehr leisten.

Veränderungen in der Nische bieten aber auch immer Chancen: Nie wurde so viel Rad gefahren und gewandert wie heute. Hier bleiben Informationen auf Papier sehr gefragt. GPS-Geräte verkaufen wir ebenfalls. Mit den Palettenpreisen im Internet können wir nicht konkurrieren, dennoch kommen Kunden zu uns, die eine kompetente Beratung wünschen und diese dann auch gern bezahlen. Und dann gibt es noch den erfreulichen Trend, gleich mit zwei Reiseführern in der Tasche zu verreisen, um Reiseziele vielseitiger zu erleben.

Wir passen uns der Nische stets aufs Neue an. Eine zentrale Rolle spielen dabei Themenwelten im Laden, die sich zum Beispiel aus Guides und Kriminalromanen eines internationalen Reiseziels inszenieren lassen. Auch Non-Books haben bei uns einen festen Platz: Frühstücksbrettchen mit Karte, Weltkarten als Fußbodenbelag, Sammeltassen. Alles mit internationalem Background oder mit lokalem Kolorit, niemals beliebig.

Über unseren Onlineshop arbeiten wir daran, unsere Produkte auch überregional im deutschsprachigen Raum zu vertreiben. Unsere Mitarbeiter pflegen den Shop und wir leisten uns den Luxus, dieses Angebot nicht outzusourcen. Synergien zwischen den Büchern und echten Reisen zu schaffen: Das gelingt uns zudem über unser eigenes Reisebüro und den engagierten Einsatz unserer Reiseverkehrs­kaufleute. Hier setzen wir voll auf individuellen Service über die Buchung hinaus und auf persönliche Beratung − als Gegenpol zur Flut der Buchungsmöglichkeiten im Internet.

Wie lebt es sich also in der Nische? Manchmal, so lautet derzeit unser Motto, ist weniger mehr. Uns geht es darum, statt der Quantität die Qualität des geografischen Angebots beizubehalten und unseren Laden auch für jüngere Generationen attraktiv zu machen. Das ist nicht leicht, aber das Leichte allein macht keinen Spaß. Nur mit neuen Ideen, zusätzlichen Produkten und unserer starken Kernkompetenz können wir die Zukunft meistern − ein Stück Reisekultur und die Arbeitsplätze erhalten.

Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Börsenblatt Spezial Reise Sprachen (Heft 10), das heute erschienen ist.