Interhändler mit Imageproblem

Amazon nutzt Steuerschlupflöcher

3. Juli 2015
von Börsenblatt Online
Der Onlinehändler Amazon hat 2012 den Großteil seines Umsatzes mit Kunden aus Deutschland über Luxemburger Gesellschaften abgewickelt und in Deutschland kaum Steuern gezahlt, das meldet die „FAZ“. Die Amazon.de GmbH wies einen Vorsteuergewinn von 10,2 Millionen Euro aus und zahlte 3,2 Millionen Euro Steuern, wie aus einer im Bundesanzeiger veröffentlichen Bilanz hervorgeht.

Der Bericht, der auf eine Reuters-Meldung zurückgeht, wurde am Wochenende durch die großen Nachrichtenportale verbreitet.

Der Jahresabschluss Amazons im Bundesanzeiger weist einen Jahresüberschuss 2012 in Höhe von 6,9 Millionen Euro aus (2011: 7,4 Millionen Euro). Deutschland ist, wie die „FAZ" ausführt, nach den USA der wichtigste Markt für Amazon: Rund ein Drittel der Erlöse erziele der Onlinehändler mit deutschen Kunden. Die Gewinne würden aber über Luxemburger Gesellschaften abgewickelt und flössen zum Großteil an die in Luxemburg angesiedelte Amazon Europe Holding Technologies, die laut „FAZ" einen Gewinn von 118 Millionen Euro auswies. Als steuerbefreite Partnernschaft zahle Amazon Europe Holding Technologies keine Steuern.

Auch in Frankreich und Großbritannien haben die legalen Steuertricks von Amazon bereits für Empörung gesorgt. Einzelhandelsverbände kritisieren, dass Amazon die Logistik nutze und somit Kosten verursache, ohne wie regionale Unternehmen dafür zu zahlen.

Negative Schlagzeilen macht das Unternehmen auch durch seine äußerst wissbegierige 1-ButtonApp: Die Einkaufshilfe für Google Chrome (1,8 Millionen Nutzer) spioniert nämlich, wie heise.online meldet, die URL sämtlicher besuchter Webseiten aus und meldet sie an Amazon und Amazons Tochterfirma Alexa. Auch die Google-Suche werde ausgelesen, warnt heise. Der Newsdienst kritisiert, dass in den Nutzungsbedingungen relevante Angaben zur Datenweitergabe fehlen und zweifelt Amazons Aussage an, dass die erhobenen Daten nicht mit den Account-Daten der Amazonkunden abgeglichen werden könnten, wie es das Unternehmen behauptet.