Lesetipp zum Suhrkamp-Streit

"ZEIT"-Chronik zum "Siebenjährigen Krieg"

3. Juli 2015
von Börsenblatt
In ihrer heutigen Ausgabe der "ZEIT" rückt das Magazin die vermeintlichen Nebenkriegsschauplätze im Streit um den Suhrkamp Verlag in den Mittelpunkt. Derzeit wehre sich Minderheitsgesellschafter Hans Barlach "mit allen Mitteln gegen seine drohende Niederlage", resümieren die Autoren.

Aus mehreren Perspektiven dröseln Bodo Mrozek, Thomas E. Schmidt und Adam Soboczynski die Vorgeschichten(n) auf, die dem Gesellschafterstreit im Suhrkamp-Verlag zu Grunde liegen. Die Rede ist von einem zerbrochenen "Männerbündnis", einer "Hexenjagd" auf Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz, und einem "Drama, das um Loyalität und Vertrauensbruch kreist".

Minutiös wird etwa das Drama um den geplanten Umzug nach Berlin (2009) nachgezeichnet, bei dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach, sich durch ein strategisches Meisterstück und einen neuen Gesellschaftervertrag mehr Macht im Verlag sicherte.

Im zweiseitigen Bericht stehen auch vermeintliche Nebendarsteller wie der frühere Suhrkamp-Anwalt Heinrich Lübbert im Fokus, der das Konstrukt der Familienstiftung entworfen hat, das bis die Machtbasis Berkéwiczs darstellt.

Aufhänger der Geschichte ist aber ein Foto aus dem November 2006, das in der "FAZ" abgedruckt worden war – und das rasch zerbrochene Vierergespann Hans Barlach, Claus Grossner, Verleger Joachim Unseld (Frankfurter Verlagsanstalt) und Arnulf Conradi zeigt – die sich zu jener Zeit in den Kopf gesetzt hatten, den Verlag aus den Händen der Unseld-Witwe Ulla Berkéwicz "zu winden". Übrig geblieben ist letzten Endes Hans Barlach als Minderheitsgesellschafter, der heute mit seiner Medienholding 39 Prozent am Verlag hält – und nach Meinung der "ZEIT" in einem unlösbaren Konflikt mit Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz steht: "Es gab und gibt in diesem Konflikt keine Lösung, keinen Kompromiss, kein Einvernehmen." Alles laufe daher auf ein Ende hinaus, in dem eine der Konfliktparteien zur Kapitulation gezwungen werden muss – um den bisher "Siebenjährigen Krieg" zu befrieden.

Mehr zum Streit lesen Sie in unserem Dossier zum Suhrkamp Verlag.