Kommentar zur Weltbild-Krise

Die Firma ist "systemrelevant"

3. Juli 2015
von Börsenblatt Online
Über die Verlagsgruppe Weltbild kursieren Gerüchte einer drohenden Insolvenz − ein Dementi aus Augsburg folgte prompt. Dennoch sind die Probleme der Verlagsgruppe offensichtlich. "In solcher Lage wären Eigentümer hilfreich, die an ihr Unternehmen glauben", meint Börsenblatt-Chefredakteur Torsten Casimir.

Weltbild steckt in Schwierigkeiten. Der Umbau des Unternehmens zu einem Medienhaus, das im Kern ein Internethändler sein will, kos­tet viel Geld (IT ist teuer, auch viele Verlage erfahren das gerade) und bringt zunächst nicht die Erträge, mit denen sich die Erneuerung stemmen ließe. Hinzu kommt ein Altgeschäft (Filialen und Katalog), das sich, vornehm gesagt, rückläufig entwickelt und nichts beiträgt zur Deckung der enormen Anlaufkosten. In solcher Lage wären Eigentümer hilfreich, die an den strategischen Sinn des Umbaus und überhaupt an ihr Unternehmen glauben und daher die derzeitigen Verluste akzeptieren. Woran ein Teil der katholischen Bischöfe glaubt, denen Weltbild gehört, ist aber unklar. Hinzu kommt, dass der Spielraum in den Bistümern selbst sehr eng geworden ist − die Zusammenlegung von Pfarrbezirken und viele andere Sparsamkeiten zeugen von klammen Kassen.

In dieser Situation ist das Statement der Weltbild-Führung, es bestehe "kein Grund zur Aufregung", verständlich, aber unzutreffend. Es besteht Grund zu heller Aufregung. Und das nicht nur bei den 6.800 Mitarbeitern des Konzerns, deren Zukunft nun wohl von dem Verantwortungsbewusstsein der kirchlichen Gesellschafter abhängt. Auch für den herstellenden Buchhandel wäre der Zusammenbruch von Weltbild eine Katastrophe. Viele Verlagsmanager machen sich bereits ernste Sorgen darum, dass die Buchhandelsfläche unter eine notwendige Mindestgröße fällt. Denn bei aller Freude über ein einträgliches Online- und wachsendes Digitalgeschäft ist doch klar, dass Bücher ohne öffentliche physische Präsenz es künftig schwer haben würden, noch ein begehrtes Gut zu bleiben. Wäre Weltbild eine Bank, wäre die Firma zweifellos "systemrelevant" und gehörte gerettet. Aber die Augsburger, obschon katholisch, können leider nicht auf höhere Weihen abstellen. Sie müssen sich selber retten. Ob ihnen ihre seltsamen Eigentümer helfen?