Schillerpreis für Rachel Salamander

Buchhändlerin mit Zivilcourage

6. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
Am heutigen Sonntag, dem 254. Geburtstag Friedrich Schillers, wird der Schillerpreis der Stadt Marbach am Neckar an Rachel Salamander verliehen. Die Preisträgerin wird für ihr entscheidendes Mitwirken am Wiederaufbau des jüdischen intellektuellen Lebens in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg geehrt. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird in einem öffentlichen Festakt in der Stadthalle Schillerhöhe überreicht, die Laudatio hält Frank Schirrmacher.
Der Preis geht an Persönlichkeiten, die in ihrem Leben oder Wirken der Denktradition Friedrich Schillers verpflichtet sind - insbesondere einem ethisch verantwortbaren Freiheitsbegriff im Sinne des Dichters. Die Jury würdigt Rachel Salamanders Zivilcourage: Sie habe es sich zur Lebensaufgabe gemacht, mit ihrer publizistischen Arbeit und dem Aufbau ihrer Buchhandlungen das Interesse und die Neugierde für das Judentum und die Literatur zum Judentum zu wecken und gleichzeitig den Zugang zur deutsch-jüdischen Kultur vor dem Holocaust zu erschließen. Damit habe sie im Sinne des Schillerschen Freiheitsgedanken die Fähigkeit gezeigt, bewusst Grenzen und Gräben zu überwinden.

Rachel Salamander wurde 1949 in einem Lager für Displaced Persons geboren und wuchs ab 1956 in München auf. 1982 gründete sie die "Literaturhandlung" in München und pflegt dort ein auf Literatur aus und über das Judentum spezialisiertes Sortiment. Die Buchhandlung hat inzwischen drei Filialen und unterhält mehrere Shops in jüdischen Museen. 

Mit zahlreichen Veranstaltungen unterhält sie ein intellektuelles Zentrum, in dem man sich mit jüdischen Themen auseinandersetzt, betont die Jury. Gleichzeitig nahm und nimmt Salamander rege am kulturellen Leben teil.

Salamander war 2001 bis 2013 Herausgeberin der "Literarischen Welt" der Tageszeitung "Die Welt", seit Oktober berät sie die Literaturredaktion der FAZ und leitet das neu gegründete "FAZ-Literaturforum" und die Jury des ebenfalls neu gegründeten "Marcel-Reich-Ranicki-Preis für literarische Kritik und Essay". Sie war viele Jahre lang Mitglied der Jury des "Alfred-Kerr-Preises für Literaturkritik", den das Börsenblatt vergibt. Rachel Salamander wurde mit mehreren Preisen für ihre Verdienste um das Geistesleben ausgezeichnet, unter anderen erhielt sie das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschands.