Interview mit Axel Bartholomäus

"Der Löwenanteil der Investitionen fließt in digitale Geschäftsmodelle"

30. Januar 2014
Redaktion Börsenblatt
Hinter den meisten Übernahmen und Beteiligungen im Presse- und Buchmarkt stecken die großen Verlagsgruppen. Investiert wird in wachsendem Maße in digitale Strukturen jenseits der klassischen Medien. Unternehmensberater Axel Bartholomäus (Bartholomäus & Cie – Effective Media Advisory) über Ergebnisse des "Transaktionsmonitor Verlagswesen 2013".
Fast die Hälfte aller Zukäufe und Beteiligungen geht 2013 auf das Konto der zehn größten Verlagsgruppen. Weshalb?
Die großen Publikumsverlage – vor allem im Zeitungsbereich – ordnen ihr Printgeschäft neu. Axel Springer trennt sich von seinen Publikumszeitschriften, Gruner + Jahr zieht sich aus bestimmten Auslandsmärkten zurück. Insgesamt kann man beobachten, dass die großen Gruppen ihre Strategien konsequent umsetzen. Dazu gehört, dass vor allem im B-to-C-Markt massiv in digitale Strukturen investiert wird: in E-Commerce-Plattformen, Portale und Digitale Services. Dazu braucht man nicht nur ausreichend Wagniskapital, sondern auch die Fähigkeit, die digitalen Transformationsprozesse zu managen. Ein Pionier in diesem Bereich ist beispielsweise Stefan von Holtzbrinck, der sein Venture Capital längst jenseits der klassischen Medien investiert.

Wie stark sind Fachmedien, Buchverlage und Buchhandel von diesem Megatrend betroffen?
Weniger als erwartet. Die digitalen Investments gehen in beiden Segmenten zurück. Im Fachmedienbereich und in den Buchverlagen dominieren die klassischen Investitionen in herkömmliche Geschäftsfelder, was wohl auch durch die fragmentierte, mittelständisch dominierte Struktur bedingt ist. Der Buchhandel, hier vor allem die Filialisten, gibt Flächen auf und schließt Standorte; Umsätze, die ins Online-Geschäft fließen, sind nicht mehr ins stationäre Geschäft zurückzuholen. Behaupten können sich mittelständische Gruppen mit regionaler Verankerung und kleinere Buchhändler in der Nische. Wie sich die Lage angesichts der Insolvenz von Weltbild entwickelt, ist vollkommen offen.

Welche Entwicklung kommt auf die Buchverlage zu?
Der Zusammenschluss vieler kleiner Verlage zu größeren Einheiten wird zunehmen. Dazu ist mit weiteren größeren Konsolidierungen wie Penguin Random House zu rechnen. Wir haben es langfristig vielleicht nur noch mit einem Kinderbuch-, einem Schulbuch- oder einem Publikumsgiganten zu tun.

Wird der Trend zu digitalen Formaten weiter zunehmen?
2009 betrafen etwa 70 Prozent aller M&A-Transaktionen noch klassische Printformate: Bücher, Zeitschriften, Loseblatt etc. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 48 Prozent. Der Löwenanteil der Investitionen fließt also in digitale Geschäftsmodelle. Dass die Dynamik dieses Prozesses weiter zunimmt, halte ich für sehr wahrscheinlich.

Die Fragen stellte Michael Roesler-Graichen.