Vier bayerische Kunstförderpreise in der Literatur vergeben

"Impulsgeber und Inspiratoren für andere junge Autoren"

6. Juli 2015
Redaktion Börsenblatt
Die bayerischen Kunstförderpreisträger 2014 in der Sparte Literatur stehen fest: Die mit je 6.000 Euro dotierten Preise gehen an Kenah Cusanit für ihren ersten Gedichtband "aus Papier" (Hochroth Verlag) und an Manuel Niedermeier für den Roman "Durch frühen Morgennebel" (C.H. Beck). Ein weiterer Preis wird auf Wunsch der Jury geteilt und geht an Joshua Groß für "Der Trost von Telefonzellen" (starfruit publications) sowie an Luchterhand Literaturverlag-Lektorin Susanne Krones für "Tonspur – wie ich die Welt von gestern verließ" (dtv/Reihe Hanser).
"Auch in diesem Jahr können wir junge Autorinnen und Autoren aus Bayern auszeichnen, die auf der Suche nach neuen Formaten und Formen sind und gekonnt mit literarischen Gattungen experimentieren", freute sich Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle. "Ihre beeindruckenden Werke zeichnen sich bereits durch einen eigenen Stil aus und bereichern das literarische Leben im Freistaat. Sie können Impulsgeber und Inspiratoren für andere junge und jüngste Autoren sein, die sich dem Erzählen und Dichten verschrieben haben." Der Kunstförderpreis wird am 3. November um 18 Uhr in der Hochschule für Fernsehen und Film in München überreicht.


Zu "aus Papier" urteilt die Jury: "Kenah Cusanits Texte, mit suggestiven Klangmustern und Binnenreimen gesättigt und Techniken visueller Poesie einbeziehend, bewegen sich auf zwei Ebenen: Auf den ersten Blick von archetypischen Erlebnissen von Natur- und Häuslichkeit inspiriert, bearbeiten sie in ihrer Tiefenstruktur – u. a. mittels eines Geflechts von intertextuellen und intermedialen Anspielungen – psychologische Funktionsweisen des Erinnerns und die spannungsvolle Binomie des Vertraut-Eigenen und des Fremden."

Das Urteil der Jury zu "Durch frühen Morgennebel" von Manuel Niedermeier: "Der Leitgedanke des Romans ist die Frage, ob es so etwas wie eine Inhumanität des Darstellbaren gibt." Besonders gelungen sei nicht nur der Zusammenhang von Bildlichkeit und Sprache, sondern auch das Wechselspiel von Be- und Entschleunigung. Beide Komponenten trügen zu einer engen Verschränkung von Form und Inhalt bei, die insbesondere für ein Debüt als äußerst gelungen hervorzuheben seien.

Bei "Der Trost von Telefonzellen" von Joshua Groß war sich die Jury einig, dass der 1989 geborene Autor erkennbares Potenzial und ein "sehr junges, sehr verrücktes, überschäumendes Buch" vorgelegt habe. Der Roman strebe eine eigene Ästhetik an, die in der Tradition der Beatliteratur gründet und diese mit aberwitzigem Einfallsreichtum für ein fabelhaftes, rasantes Roadmovie und Zeitporträt nutze.

Bei "Tonspur – wie ich die Welt von gestern verließ" von Luchterhand Literaturverlag-Lektorin Susanne Krones würdigte die Jury das Buch als eine nicht alltägliche Collage und Zeitdokument, das jungen wie älteren Lesern zu empfehlen sei. Sie führe auf der Folie eines Einzelschicksals die graue Wirklichkeit des Unrechtsstaates DDR eindrucksvoll vor Augen, indem sie eigene Erzählteile, in denen sie mögliche Flucht- und Erlebnissituationen des Olaf Hintze beschreibt, mit dessen Fotos, handschriftlichen Notizen und Dokumenten montiere.