„Krawummmm!“ – das Publikum zuckte zusammen, als Friedhelm Ptok den krachenden Donnerschlag in den Theatersaal einschlagen ließ. Knarzende Hexen, keckernde Eichhörnchen - der Schauspieler zog mit seinem Live-Höreindruck aus „Die kleine Schusselhexe und der Zauberer" (Igel Records) umgehend in seinen Bann. „Ich les‘ unheimlich gerne für Kinder“, so Ptok, der damit auch die Jury des Deutschen Kinderhörbuchpreises überzeugt hatte. Er sei selbst „ein Magier, der eine hexische Story voll lautmalender Stimmgewalt inszeniert, dass es eine wahre Wonne ist“, befand sie und zeichnete seine herausragende Interpretation mit dem BEO aus.
Zum zweiten Mal fand gestern Abend die Verleihung des Kinderhörbuchpreises statt. Schauspieler Peter Jordan führte vor den vollbesetzten Rängen des Theaters Thalia Gaußstraße durch das Programm, das vom Kinder- und Jugendorchester Coole Streicher musikalisch eröffnet wurde.
„Eine gut erzählte Geschichte macht aus Ohren Augen“, zitierte Senatsdirektor Hans Heinrich Bethge von der Kulturbehörde Hamburg ein chinesisches Sprichwort. Davon konnten sich die Gäste einen vielfältigen Eindruck verschaffen. Sandra Hüller, die als Interpretin von „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt“ (Hörcompany) geehrt wurde und, so die Jury, mit wortwitzigem Ideen-Feuerwerk durch den Text tobe, trotze und turne, bot in ihrer Videobotschaft das Kontrastprogramm: „Genug geredet!“ und „Danke!“, teilte sie per handgeschriebenem Zettel mit, während dazu auf ihrer Schulter ein kleiner Spielzeugpapagei nickte und sie zur Feier des Tages eine Wunderkerze Funken sprühen ließ.
Einen Klassiker aus dem Jahr 1938 erweckte Jens Wawrczeck mit seiner Stimme zu neuem Leben. Das Hundehelden-Revival „Lassie kehrt zurück“ (headroom) hatte nicht nur die Jury positiv überrascht. „Ich hatte Vorbehalte“, gibt der Sprecher zu, „aber man muss das Buch lesen. Anders als im Fernsehen, ist die Geschichte dort ohne Klischee und Pathos.“ Damit wurde die Neuinterpretation zum Lieblingshörbuch in der Alterskategorie „Ab 12 Jahre“.
Eindrucksvoll das Engagement der Kinderjury, die in diesem Jahr von der Herman-Nohl-Schule in Berlin-Neukölln gestellt wurde: An der Grundschule, die Kinder aus 44 Nationen besuchen, haben sich Viertklässler intensiv und sehr kreativ mit dem Thema „Hörbuch“ auseinandergesetzt. Viele Geschichten wurden gehört und bewertet, es wurde diskutiert, gebastelt und gelesen – dokumentiert in einem Film, der das Publikum begeisterte, es zum Lachen und zum Nachdenken brachte. Gewinner der Kinderjury wurde „Stichkopf und der Scheusalfinder“ (Sauerländer Audio) gesprochen von Katharina Thalbach. Die Geschichte sei gruselig und lustig zugleich – „wir haben uns totgelacht“, so die Kinder. Durch die gut verstellte Stimme würden die Monster richtig lebendig, und die Musik sei passend und cool. Richtig cool finden die Kinder bestimmt auch, was Thalbach ihnen in einer Videobotschaft verraten konnte: „Es wird einen zweiten Teil von Stichkopf geben, im Dezember nehmen wir die Fortsetzung auf.“
Sicher ein Anwärter auf den BEO 2015, wenn wieder aus über 100 Einsendungen eine Auswahl getroffen werden muss. Doch erst einmal konnte gestern Abend im Foyer des Thalia Gaußstraße in Hamburg-Ottensen noch lange weiter gefeiert werden. So wurde im Rahmen des BEO, der eine Initiative des Vereins Kinder hören e.V. ist und vom Arbeitskreis Hörbuch des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels unterstützt wird, möglicherweise bereits das eine oder andere neue Hörbuchprojekt auf den Weg gebracht.