Hachette Group bringt "Kaufen"-Knopf auf Twitter

Autoren als #Buchverkäufer

3. Juli 2015
von Börsenblatt
Die Star-Autoren der Hachette-Group sollen künftig ihre Bücher direkt an ihre Twitter-Follower verkaufen. Das ausgerechnet Hachette nach dem beigelegten Dauerclinch mit Amazon ein eigenes Standbein im Direktmarketing sucht, kommt nicht überraschend.
Erste Versuchsballons sollen mit folgenden drei Titeln steigen: Almanda Palmer: The Art of AskingChris Hadfield: You Are HereThe Onion Magazine: The Iconic Covers That Transformed an Undeserving World

Palmers Buch soll ab dem 11. Dezember beworben werden, teilte Hachette mit. Die Follower sollen durch eine Originalseite des Manuskripts (mit Notizen der Autorin, Palmers Ehemann, dem Bestsellerautor Neil Gaiman und des Verlegers) zum Kauf animiert werden. Auch für den Titel von Ex-Astronaut Chris Hadfield (ab 15. Dezember), quasi das kanadische Pendant zu @astro_alex, soll es exklusives Zusatzmaterial in Form vom signierten Fotos und Luftaufnahmen der Insel Korfu geben. Die Werbetrommel für das Satiremagazin "The Onions" startet am 18. Dezember, als Anreiz zum Direktkauf werden Notizkarten mit den Lieblingscovern der Redaktion geboten.

Partner für die Erschließung Twitters durch Dirketmarketing ist Gumroad. Das Unternehmen hat zuvor ähnliche Lösungen für Musikanbieter, für Vimeo und Blizzard entwickelt. Die Hachette Group ist der erste Verlagspartner.

"Schon jetzt läuft ein großer Teil unseres Marektings über unsere Social Media Kanäle, die In-stream-Twitter Verkäufe sind ein natürlicher nächster Schritt. Gumroad hat bereits erfolgreich mit Musiklabels und Künstlern zusammengearbeitet und ihnen Dirketverkäufe an Fans ermöglicht", sagte Michael Pietsch, CEO der Hachette Book Group dem Fachmagazin "The Bookseller". Die Partnerschaft Gumroads mit Twitter, so Pietsch, habe für Hachette den Ausschlag zur Partnerschaft gegeben.

Die Direktverkäufe will Hachette zunächst seinen Zugpferden überlassen, die bereits über eine breite Fangemeinde verfügen: Almanda Palmer hat beispielsweise mehr als 1 Million Follower auf Twitter.

Im angloamerikanischen Raum spielt Twitter für Verlage inzwischen eine wesentlich größere Rolle als Facebook – nicht zuletzt, weil Facebook die Sichtbarkeit ("organische Reichweite") der Verlage im vergangenen Jahr durch neue Algorithmen massiv eingeschränkt hat. Marketingmanager berichten über Einbrüche in der Reichweite von bis zu 40 Prozent. Das Kalkül, Verlage und Unternehmen für Reichweite zur Kasse zu bitten, hat aber in vielen Fällen zu einer Verlagerung der Social Media Prioritäten auf Twitter geführt, wie etwa Alastair Horne (Cambridge University Press) auf der Frankfurter Buchmesse im Business Club referierte. Er sagte: "Facebook ist in Sachen Marketing tot". 80 Prozent der Twitterer nutzen inzwischen das Smartphone, die Zielgruppe ist jünger als auf Facebook – für dieses Klientel wäre ein "Kaufbutton" eine bequeme Lösung.

In Deutschland hat Facebook 27 Millionen (angemeldete) Nutzer, Twitter schafft es gerade einmal auf 1 Million, Xing auf rund 7 Millionen.