Macmillan Verlagsgruppe

Agency Modell mit Amazon beseitigt Ärger nicht

3. Juli 2015
von Börsenblatt
Macmillan einigt sich mit Amazon auf mehrere Jahre über Konditionen für gedruckte Bücher und E-Books. Der US-Verlag kann über ein Agency-Modell künftig wieder selbst die Endpreise seiner E-Books bestimmen – außer bei Apple. CEO John Sargent kritisierte trotzdem, dass mit der Marktdominanz Amazons das "größte Problem des digitalen Marktplatzes" bestehen bleibe: 64 Prozent seines Umsatzes mit E-Books erzielt die Gruppe über Amazon.
Die neuen Konditionen gelten laut CEO John Sargent ab dem 5. Januar und für mehrere Jahre. Dann werden andere Onlinehändler an die vom Verlag festgesetzten Preise gebunden sein – eine Ausnahme ist ironischerweise Apple.

Hintergrund ist ein Vergleich vor dem New Yorker Gericht: Fünf angeklagte Verlagshäuser (neben Macmillan: HarperCollins, Simon & Schuster, Hachette und Penguin) waren nach einer Kartell-Klage wegen verbraucherschädigenden Preisabssprachen im vergangenen Jahr einen Vergleich eingegangen, Apple hatte sich entschieden, den Rechtsweg auszuschreiten. Richterin Denise Cote hatte im sogenannten Agency-Urteil eine gestaffelte Preisgestaltungsfreiheit vorgesehen: Neue Verträge mit Apple, bei denen die Verlage die Preise für ihre E-Books wieder selbst bestimmen können, dürfen darum erst nach Ablauf einer gewissen Straffrist verhandelt werden. Die Länge der Frist richtet sich danach, wie schnell sich die Verlage seinerzeit auf einen Vergleich eingelassen hatten. Bei Macmillan laufe diese Frist als letztem der betroffenen Verlage erst am 5. Oktober 2017 aus, äußerte sich Sargent in einem an Autoren und Mitarbeiter adressierten Blog-Eintrag. Bis dahin werde es einen "verworrenen ineffizienten Markt" geben, dem Macmillan durch ein Subskriptionsmodell begegnen will.

Das Urteil zwinge den Verlag dazu, künftig die Verkaufspreise für E-Books den Marktverhältnissen entsprechend von Zeit zu Zeit "scheinbar zufällig" anzupassen, so Sargent. Der CEO bittet in seiner Stellungnahme die Autoren um Nachsicht und betont, der Prozentsatz der Erlöse für die Autoren werde sich im Gegensatz zu den schwankenden Verkaufspreisen nicht ändern.

Macmillan ist nach Simon & Schuster und Hachette die dritte große US-Verlagsgruppe, die eine Einigung im Konditionenstreit öffentlich macht.