Independent-Verlage

„Vielfältig und stark gewürzt“

14. März 2015
Nils Kahlefendt
„Wer nicht scharf essen kann, ist kein Revolutionär“ – wir wissen nicht, ob dieses Diktum des Großen Vorsitzenden Aufnahme in die „Mao Bibel“ gefunden hat. Im Lokal Chinabrenner des Leipziger Gastronomen Thomas Wrobel, der die Gerichte der Garküchen aus den Gassen von Chengdu in ein altes Fabrikgebäude im Leipziger Westen transferiert, hängt der Spruch jedenfalls prominent platziert über den Köpfen der Gäste. 

So vielfältig und stark gewürzt wie Wrobels Gerichte sind die Programme der unabhängigen Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die heuer zum dritten Mal Medien-Leute und Kulturnetzwerker zum „Independence Dinner“ einluden. Die Leipziger Buchmesse spedierte die Indie-Gemeinde per Bus-Shuttle nach Plagwitz, die Österreichische Druckerei Theiss, ins Boot geholt durch das diplomatische Geschick von Jürgen Lagger (Luftschacht, Wien) unterstützte das kulinarisch-kulturpolitische Gemeinschaftsprojekt von Hotlist, Kurt-Wolff-Stiftung, SWIPS und ARGE Österreichische Privatverlage großzügig. 

Glückskekse wurden an den runden roten Tischen reichlich ausgewickelt: Stefan Weidle, scheidender Vorstand der Kurt-Wolff-Stiftung, freute sich, dass mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ein Herzensprojekt seiner Amtszeit Fahrt aufnimmt und die Messe mit dem neuen Forum Die Unabhängigen (Halle 5, E 309) um eine Attraktion reicher ist. Auch für die Schweizer Kollegen war der Buchmesse-Donnerstag ein voller Erfolg, wie SWIPS-Frontfrau Ursi Anna Aeschbacher (Verlag Die Brotsuppe) die Runde wissen ließ: Der Eidgenössische Ständerat stellt sich hinter die Kulturpolitik des Bundesrats für die kommenden Jahre. Er hat der Kulturbotschaft für die Zeit von 2016 bis 2020 zugestimmt. Passiert das Papier nun noch den Nationalrat, ist es quasi amtlich, dass Schweizer Verlage keine „schlecht wirtschaftenden Unternehmen“ sind – sondern Kulturinstitutionen, die mit rund zwei Millionen Franken unterstützt werden sollen. Für ARGE-Sprecher Alexander Potyka (Picus Verlag, Wien) scheint sicher, dass es in Österreich beim begünstigten Mehrwertsteuersatz von zehn Prozent für Bücher bleibt.

Der lange Marsch der Indies, er geht weiter.