Heute schließen die letzten Club-Filialen

Offenes Ende

3. Juli 2015
von Börsenblatt
Wenn Bertelsmann heute seine Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert, wird es wieder um alles gehen, kaum jedoch um den Club. Dabei ist der 31. März 2015 ein Tag für die Geschichtsbücher: Mit der Schließung der beiden letzten Club-Filialen setzt der Konzern heute einen Schlussstrich unter eine Ära – und ein Geschäftsmodell, das ihn über Jahrzehnte geprägt hat.

Die Club-Filialen in Gütersloh und Rheda öffnen heute zum letzten Mal. Verkaufen die letzten Club-Ausgaben und werben zum letzten Mal für die Vorteile einer Mitgliedschaft („bis zu 75 Prozent sparen“, „ohne Mindestbestellwert“, „spannende Aktionen“, „exklusive Titel“). Danach ist Schluss. Endgültig: Gütersloh und Rheda sind das, was übrig blieb – von einem großen Filialnetz und einem florierenden Geschäft. Ab morgen macht der Club Bertelsmann bis Ende 2015, wie vor einem Jahr angekündigt, erst einmal ohne stationäre Anker weiter. So viel ist sicher.

Wohin mit 850.000 Kunden?

Unsicher bleibt indessen, wie es danach mit dem Direktgeschäft und für die Marke Club Bertelsmann weitergeht. Denn ob der Abschied wirklich so radikal ausfällt, dass am Ende nur noch Erinnerungen bleiben, ist nach Angaben des Unternehmens bis dato noch nicht im Detail entschieden. Was auch einleuchtet: Erstens kaufen nach wie vor rund 850.000 Deutsche regelmäßig beim Club ein (laut Unternehmensangaben) – und zweitens feiert die Marke ja auch Erfolge, als Teil der Tolino-Allianz (siehe Archiv). „Für unsere Kunden wird sich erst einmal nichts ändern“, sagte ein Sprecher gegenüber boersenblatt.net. „Bis Ende des Jahres erhalten Sie den Katalog und können wie gewohnt auch online einkaufen.“ Alles andere müsse man abwarten.

Glanz und Gloria im Club

Los ging es für den Club Bertelsmann am 1. Juni 1950: An diesem Tag wurde in Gütersloh der Lesering gegründet – mit 62 Titeln im Programm. Das Geschäftsmodell sah vor, Bücher zu reduzierten Preisen anzubieten, und das ausschließlich im Direktvertrieb. Die Folgen sind bekannt: Das Geld sprudelte.
 
1951 hatte der Lesering 100.000 Mitglieder, 1954 eine Million und 1956 bereits 1,6 Millionen. „Zu diesem Anlass gibt es in Gütersloh einen großen Festumzug“ – an diesen Moment erinnert die Direct Group Germany, unter deren Obhut der Club nach wie vor steht, bis heute in ihrer Chronik. 

Der Osten, eine Goldader

Die nächste Etappe für den Club begann 1964: In diesem Jahr eröffnete Bertelsmann seinen ersten Laden in Kiel und stieß auch hier prompt auf eine Goldader. Laut Unternehmenschronik wurden die Filialen 1969 in Club-Center umbenannt, der Ausbau der Kette erfolgte vor allem in den 1970er Jahren. Die letzte Goldader, die der Club für sich freilegen konnte, war wohl die im Osten der Republik: Nach dem Ende der DDR 1989/1990 knüpfte das Unternehmen in den damals fünf neuen Bundesländern ein engmaschigen Vertriebsnetz. Letzter Hochstand 2009: rund 275 Filialen und etwa drei Millionen Mitglieder.

Ein Konzept jagt das nächste: Bücher für Jedermann

In den Jahren danach hat Bertelsmann beim Club wohl einige Geduld bewiesen. Obwohl die Umsätze nicht mehr zulegten – im Gegenteil - , wurde hinter den Kulissen weiter an Konzepten gearbeitet. Die Marke Zeilenreich entstand, und die Idee des offenen Clubs (siehe Archiv). 
 
Geholfen hat das alles bekanntermaßen wenig, angeblich, weil Bertelsmann zuletzt zu wenig in sein einstiges Gewinnmodell investiert hat. Das zumindest wird dem Unternehmen von seinen Partnern vorgeworfen, den Verpächtern – von jenen also, die über lange Jahre mitverdient, Mitglieder geworben und gehalten haben (siehe Archiv).  
 
Eine Neverending-Story? Der Zwist mit den Verpächtern

Der Sprecher der Verpächter, Guido Gebhard, erneuert seine Vorwürfe, macht auch ein gutes halbes Jahr nach Beginn des Streits nicht den Eindruck, als würde er klein beigeben. "Seit zehn Jahren haben die Geschäftspartner von Bertelsmann mehr Investitionen in das Filialnetz und in die Mitgliederwerbung gefordert", sagt er im Namen der Verpächter. Vor allem 2009/2010 sei der Club "systematisch heruntergewirtschaftet" worden. Während die Verpächter zum Teil die Hälfte ihres Erlöses in die Mitgliederwerbung investiert hätten, habe  Bertelsmann die Club-Filialen auf die Streichliste gesetzt und und nötige Investitionen zurückgehalten.  
 
Das Aus nun einfach hinzunehmen, dazu sehen die Verpächter wenig Grund. Ihr Hauptargument: die aus ihrer Sicht sicheren Verträge. Gebhard rechnet vor, dass sie noch zwölf Jahre laufen würden – die fehlenden Erlöse aus dieser Zeit (für 250.000 Kunden) wolle man einfordern. Gebhard: „Der entstandene Schaden dürfte im unteren zweistelligen Millionenbereich liegen.“
 
Wie eine Einigung aussehen könnte? Ungewiss. Die Parteien halten momentan nur über ihre Anwälte Kontakt – Gebhard zufolge wird das Ganze längst moderiert vom Landgericht Düsseldorf. Dabei ist der Schlagabtausch klar geregelt, nach den Etappen: Klageeinreichung, Erwiderung von Bertelsmann, Replik der Geschäftspartner auf die Klageerwiderung aus Gütersloh und zu guter Letzt die Antwort von Bertelsmann.

Außergerichtliche Einigung?  

Darauf folgt, so sagt es Gebhard, in Kürze die letzte Antwort der Anwälte der Club-Geschäftspartner (Frist bis zum 15. April). Der erste Termin vor dem Landgericht Düsseldorf soll bereits anvisiert worden sein – für den 18. August. "Wir warten jetzt den Termin ab", erklärt Gebhard, ohne darauf zu beharren: Generell würde man sich "nicht gegen vorherige Gespräche mit Bertelsmann weigern"; Vorbedingungen dafür gebe es von Seiten der Verpächter keine.   

Nachgefragt in Gütersloh gibt es dazu ein Statement des Gleichmuts, und der Überlegenheit. "Wir sind bei diesem Thema denkbar gelassen", lautet die Antwort. "Club und Verpächter haben beide jahrzehntelang stark von der Partnerschaft profitiert. Wir haben zu einem Vertrag unterschiedliche Auffassungen."