Antiquariat

Grundsatzfragen, offener Ausgang

Am 15. November kam die Genossenschaft der Internet-Antiquare (GIAQ) in Berlin-Moabit zu ihrer 13. Hauptversammlung zusammen. Wichtigstes Thema: Antiquariat.de und die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Programmierer Thomas Benedix.

Die seit 2001 bestehende Genossenschaft der Internet-Antiquare (GIAQ) legt im sechsseitigen Protokoll der Berliner Versammlung vom 15. November eine insgesamt gemischte Bilanz ihrer Tätigkeit in den letzten beiden Geschäftsjahren vor.

Die Mitgliederentwicklung der GIAQ ist durchaus als erfreulich zu bezeichnen: einigen Kündigungen stehen eine Reihe von Eintritten gegenüber, so dass die Anzahl der Mitglieder zum Ende des Jahres 2014 weiterhin bei gut über 100 liegt.

Ebenso stabil ist der Verkauf von DHL-Paketmarken, ohne den die GIAQ und die von ihr betriebene Plattform Antiquariat.de (mit aktuell rund 330 Teilnehmern) heute vermutlich deutlich schlechter dastünden.

Auf der Negativseite ist ein Umsatzeinbruch zu verzeichnen, der 2013 durch ein schlechteres Google-Ranking von Antiquariat.de ausgelöst wurde und dessen Folgen trotz erheblicher programmiertechnischer Bemühungen seitens der GIAQ immer noch zu spüren sind, auch sich wenn seit Sommer 2014 die Erlöse aus Datenbankdienstleistungen (Plattform-Gebühren und Homepagenutzung) wieder stabilisieren.

Über Gesprächskontakte nicht hinausgelangt ist bisher die von Seiten der GIAQ gewünschte Kooperation mit dem allerdings sehr viel größeren und etablierteren Verband Deutscher Antiquare.

Ein Hauptthema der Berliner Versammlung war das seit einiger Zeit eingetrübte Verhältnis der GIAQ zu ihrem Programmierer Thomas Benedix (Köln). Zuletzt wurde bekannt, dass Benedix die Plattform Antbo von dem bisherigen Betreiber Andreas Schnellbacher (Berlin) erworben hat und in eigener Regie fortführen möchte; auch die GIAQ hatte für Antbo geboten, war aber nicht zum Zuge gekommen. Das Protokoll beschreibt die "Historie der Softwareentwicklung und der Zusammenarbeit mit der Firma Benedix", ohne allerdings den Kern der Differenzen nachvollziehbar zu bestimmen. Es deutet sich an, dass die GIAQ früher oder später grundsätzliche wirtschaftliche Entscheidungen zum seinerzeit mit ehrgeizigen Zielen gestarteten Projekt Antiquariat.de treffen muss. Mit nur einer Gegenstimme wurde in Berlin folgender Antrag des Vorstands angenommen: "Der Vorstand ist bestrebt, mit Herrn Thomas Benedix im Einvernehmen zu bleiben, zugleich aber den Zustand der Plattform Antiquariat.de von einem durch die GIAQ beauftragten IT-Fachmann prüfen zu lassen. Ziel dieser Maßnahme ist es, eine Abhängigkeit von einzelnen Dienstleistern zu mindern bzw. zu vermeiden."

In ihren Ämtern im Aufsichtsrat beziehungsweise im Vorstand der GIAQ wurden Dr. Peter Rudolf (Berlin), Detlef Stechern (Hamburg), Jörg Mewes (Overath) und Urban Zerfaß (Berlin) einstimmig bestätigt. Die Schwierigkeiten einer ehrenamtlichen Geschäftsführung der GIAQ wurden in Berlin diskutiert, das Problem aber einer Lösung nicht nähergebracht.

Diskutiert wurde in Berlin schließlich eine Verbesserung der Kommunikation innerhalb der Genossenschaft zwischen den Jahrestreffen (das 2011 gegründete geschlossene Forum "Antiquar intern" ist, wie der Düsseldorfer Antiquar Christoph Schäfer berichtete, mittlerweile eingeschlafen).

Weitreichende Folgen könnten sich aus dem Vorschlag eines Vorstandsmitglieds ergeben, die GIAQ umzubenennen, "um den einseitigen Begriff 'Internet' zu verlassen, da die GIAQ dem allgemeinen Antiquariat verbunden ist". Ein "besser klingender Name" könne "besser vermarktet" werden, so die Argumentation. Bis zur nächsten Jahresversammlung sollen hierzu Ideen entwickelt werden.

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