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Bayern gibt "Plocker Pontifikale" zurück

Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle hat kürzlich in Warschau das sogenannte Plocker Pontifikale an die katholische Kirche in Polen zurückgegeben. Verschlungene Wege des deutsch-deutschen Antiquariatsbuchhandels.

Das Plocker Pontifikale ist eine einzigartige Handschrift aus dem 12. Jahrhundert, die zunächst zum Besitz der von Kaiser Otto III. und Papst Silvester II. auf Bitten des polnischen Herzogs Boleslaw I. Chrobry um 1000 errichteten Erzdiözese Gnesen gehört hatte. Mit der Errichtung der Kirchenprovinz Gnesen konnte die katholische Kirche Polens ihre eigenen Traditionen ausprägen. Das Pontifikale diente als Anleitung für das liturgische Wirken des Bischofs. Um 1250 ist das Pontifikale vom Metropolitansitz Gnesen an das Suffraganbistum Plock gegeben worden. Das Pontifikale enthält Texte für die liturgischen Handlungen, die ausschließlich dem Bischof vorbehalten sind. Es dokumentiert die Ausformung der entsprechenden Gebräuche im Bereich der Erzdiözese Gnesen und deren Suffraganbistümer, unter anderem Plock, und bringt für viele Riten, zum Beispiel aus der österlichen Liturgie, den ersten Beleg auf polnischem Boden.

Die Nationalsozialisten hatten die kostbare und einzigartige Handschrift aus der Bibliothek des Priesterseminars der Diözese Plock geraubt. Unter dem Hinweis auf eine falsche Provenienz war sie 1973 von einem Münchener Buchauktionshaus angeboten und von der Bayerischen Staatsbibliothek angekauft worden. Auktionseinlieferer war seinerzeit offenbar das Zentralantiquariat der DDR (siehe Nawojka Cieślińska-Lobkowicz: Gründe, Abgründe, Ansprüche. Restitutionspolitik in Polen. In: Osteuropa 56/2006, S. 263–286, hier S. 284). Grundlage der Rückgabe der jetzt erfolgten Rückgabe ist das Washingtoner Abkommen. Frühere Bemühungen der polnischen katholischen Kirche um eine Restitution waren zunächst nicht erfolgreich gewesen.

Das Pontifikale von Plock ist vollständig digitalisiert und in den Digitalen Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek abrufbar.

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