Buchpreisbindung

"Aufgabe einer Monopolkommission ist es nicht, Monopole zu schaffen"

Die Schweiz zeigt, dass es auch ohne feste Bücherpreise geht? Cornelia Schweizer, Inhaberin der Buchhandlung am Hottingerplatz in Zürich, hält dagegen. In einem Leserbrief an die NZZ erklärt sie, warum das Gutachten der Monopolkommission letztlich bloß Amazon entgegenkommt. 

Cornelia Schweizer

Cornelia Schweizer © Sabine Dreher

Cornelia Schweizer (Buchhandlung am Hottingerplatz, Zürich) reagiert mit einem Leserbrief auf die jüngsten Berichte zur Buchpreisbindung in der "Neuen Zürcher Zeitung". boersenblatt.net schickte sie ihn parallel – wir veröffentlichen den Text im Wortlaut:

"Die Geringschätzung der souveränen Buchhändlerin"

Die deutsche Monopolkommission plädiert in einem Gutachten für die Abschaffung der Buchpreisbindung. (NZZ 29.5.18 Seite 26 und „Reflexe“ von Christoph Eisenring, Seite 34) Dem gilt es zu widersprechen. Als unabhängige Buchhändlerin auf dem Platz Zürich weiß ich, wovon ich rede.

Unter dem Titel "Deutscher Kulturkampf um das preisgebundene Buch" schreibt Christoph Eisenring: Bei einem Wegfall der Preisbindung könnte es zu einer größeren Preisdifferenzierung kommen, was Literatur für noch mehr Personen erschwinglich machen würde.

Das klingt, als ob im Buchhandel kein Preiswettbewerb stattfinden würde. Dabei findet unter den Verlagen ein gnadenloser Preiskampf statt, welcher dazu führt, dass der Durchschnittspreis einer gut sortierten Buchhandlung pro Buch knapp 18 Franken beträgt. Bücher sind so preisgünstig wie noch nie.

Die Verlage setzen die Preise für ihre Bücher fest. Und zwar preisgerecht für Deutschland mit niedrigeren Lebenskosten und tieferen Löhnen. Wir zahlen in Hottingen Miete und Löhne, bieten ein sorgfältig ausgesuchtes Sortiment und sind ein kultureller Treffpunkt. Nicht nur für Veranstaltungen, sondern Tag für Tag im Einsatz mit einfallsreichen, gut aus- und weitergebildeten Buchhändlerinnen.

Die Schweiz zeigt: Auch ohne feste Preise geht die Kulturnation nicht unter.

Auch diese Aussage stimmt nur bedingt. In der Schweiz wurde die Buchpreisbindung im Jahr 2007 aufgehoben. Aber nur in  der Schweiz! 80% der Bücher, die wir in Schweizer Buchhandlungen verkaufen, stammen aus Deutschland und Österreich. Die Buchpreise sind im Gegensatz zu den Arzneimittelpreisen völlig transparent, der Gestaltungsspielraum des Schweizer Buchhandels für Buchpreise minimal. Und Ex Libris schließt 43 seiner 57 Filialen.

Wenn die Monopolkommission, deren Aufgabe die Bekämpfung der Monopole ist, für den größten Online-Händler wirklich ein Monopol schaffen will, dann soll sie die Buchpreisbindung abschaffen. Damit öffnet sie Amazon Tür und Tor, um noch massiveren Druck auf die Verlage auszuüben und ihre Vormachtstellung weiter auszubauen. Auf Kosten der Bücher, die keine Bestseller sind und in ihren Algorithmen gar nicht vorkommen." 

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