Die Sonntagsfrage

"Sind E-Books nicht langsam in der Normalität angekommen, Herr Thomas?"

In München ist am Mittwoch mal wieder die E-Book-Konferenz über die Bühne gegangen, unter anderem mit einem Vortrag von Springers "Chief Book Stretegist" Niels Peter Thomas zur Zukunft der Buchpräsentation und des Lesens. Warum wir noch viele E-Book-Konferenzen brauchen und was künstliche Intelligenz mit Lesen zu tun hat, erklärt er in der Sonntagsfrage.

Niels Peter Thomas, Springer Nature

Niels Peter Thomas, Springer Nature © privat

Die Antwort ist komplizierter, als es auf den ersten Blick scheint. Natürlich gibt es Verlage, die schon seit mehr als 10 Jahren ihre komplette Frontlist digital als eBooks verlegen, die ihre Geschäftsmodelle angepasst haben und jetzt mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit eBook erzielen. Andere bieten viele digitale Inhalte an, sind aber ernüchtert, dass das neue Medium keine zusätzlichen Erlöse generiert. Und wiederum andere beginnen gerade damit, sich digitale Kompetenzen anzueignen.

Ich persönlich würde die Frage so beantworten: elektronische Bücher sind zwar normal, aber noch lange nicht angekommen!  Wenn wir ein eBook lesen, passieren im Gehirn andere Dinge als wenn wir ein gedrucktes Buch lesen. Das hat damit zu tun, dass das Lesen für das Gehirn eine vergleichsweise neue Aufgabe ist. Alphabete gibt es erst seit knapp 6000 Jahren, das Gehirn hat eine wesentlich längere Evolution hinter sich. Unsere Gehirne benutzen daher zum Lesen Kompetenzen, die für andere Aufgaben optimiert wurden, zum Beispiel zur räumlichen Orientierung. Räumliches Orientieren passt aber zu einem dicken, gedruckten Buch besser als zum zweidimensionalen Scrollen am Bildschirm. Das belegen auch reproduzierbare Experimente, bei denen Studenten, die aus einem gedruckten Buch lernen, bessere Prüfungsergebnisse erzielen als eine Vergleichsgruppe, die am Bildschirm liest. Da das mit unseren Gehirnstrukturen zusammenhängt, wird das auch in 100 Jahren noch so sein.

Kurzfristig kann man daraus schließen, dass beide Formate wichtig sind, sowohl das elektronische als auch das gedruckte. Aber langfristig schließe ich daraus, dass wir das elektronische Buch weiterentwickeln müssen, damit es besser zu der Art passt, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet! Daher ist das eBook, so wie wir es kennen, zwar die bestmögliche Kopie des gedruckten Buches in der digitalen Welt, aber noch lange nicht optimal. Manche elektronischen Bücher werden so bleiben, wie sie sind, aber viele werden sich stark ändern.

Daher brauchen wir auch weiter eBook-Konferenzen, weil es noch viele technologische Fragen gibt, die wir beantworten müssen. Wie sorgen wir dafür, dass es die Bücher von heute auch in weiter Zukunft geben wird?  Dafür fehlen uns noch passende Speichertechnologien, die günstig und dauerhaft sind. Wie lösen wir das Problem der Raubkopien in der elektronischen Welt? Auch wenn alle Welt gerade über das neue Buzzword „Blockchain“ redet, denke ich, dass wir dieses Problem nur durch gute Geschäftsmodelle und nicht durch Technologie lösen können. Wie gehen wir damit um, wenn Bücher eines Tages durch Algorithmen oder KI übersetzt werden?

Das Digitale ist Normalität. Aber Digitalisierung hört nicht auf, sondern bleibt Herausforderung, insofern freue ich mich schon auf die nächste eBook-Konferenz.

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12 Kommentar/e

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  • Flying Sorcerer

    Flying Sorcerer

    Wenn ich dieses Gebrabbel lese, plus noch ein paar Buzzwords hinten in den Text geschmissen, wundert mich gar nichts mehr.

    "Räumliches Orientieren passt aber zu einem dicken, gedruckten Buch besser als zum zweidimensionalen Scrollen am Bildschirm."....
    Klar, weil einem die Buchstaben da auch dreidimensional anspringen. Oder was?

    Und was hat z.b. "Blockchain" jetzt gerade mit Ebooks zu tun?
    Nichts? Oder gar nichts?? Oder überhaupt nichts???

    Oder was haben Raubkopien mit der Rezeption des Ebooks an sich zu tun?
    Nichts? Oder gar nichts?? Oder überhaupt nichts???

    Hallo Verlag: Es gab das schon mal. Nennt sich MP3 und stellte den Untergang des Abendlandes und der Musik-Industrie dar. Nicht.

    *weia*



  • David P. Steel

    David P. Steel

    Danke, Herr Thomas für die spannenden Anregungen! Auch wenn unser Gehirn hinterher hinkt, befriedigen neue Lese-Technologien unser Urbedürfnis nach sogortiger Rückmeldung unserer Fragen. Mit sinnvoll konzipierten Angeboten und der konsequenten Weiterentwicklung der Algorithmen wird m.E. das digitale Lernen relativ bald das analoge an Wirksamkeit übertreffen. Es gilt die Aufmerksamkeit der Lernende zu unterstützen und zu halten. Analog hat Vorteile aber schließluch auch einige Grenzen.

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    @Flying Sorcerer: Lesen alleine hilft - wie so oft im Internet behauptet - eben leider auch nicht immer. Ein wenig Nachdenken über das Gelesene ist schon notwendig.

    Unser Hirn verknüpft Informationen miteinander, wenn sie gleichzeitig auftreten, ohne auf eine Kausalität zu achten. Das war evolutionär sehr erfolgreich und deshalb sinnvoll, man könnte sagen: ein meisterlicher Handgriff der Evolution.

    Ich suchte ein Gedicht, den Autorennamen hätte ich genausowenig nennen können, wie den Titel des Gedichts, noch den des Büchleins, aber ich wusste, es ist ein schmales Bändchen, schwarz, und es steht .... dort ungefähr mittig, in genau diesem Regalboden - ich hatte es in Sekunden "gefunden". Und das Gedicht dann auch - und das nur mit räumlichen und visuellen Anhaltspunkten.

    Wenn ich "Das Eselchen Grisella" in die Hand nehme, egal wo, dann fühle und rieche ich das (besonders duftende, weiche, dicke) Papier und unweigerlich kommt mir die Musik in Erinnerung, die ich wieder und wieder gehört habe, als ich das Buch gelesen habe, Francoise Hardy "L'amour s'en va".

    Nase, Augen, Ohren und auch die Haptik (alles, was wir beim Anfingern spüren ;-) verknüpfen sich geheimnsivoll zu einem Netz, bei dem schon einige Puzzleteile genügen, um das ganze Bild zu erinnern.

    Das ist deutlich mehr als dreidimensional, denn das Schriftbild und der Satzspiegel kommen dazu, und sogar die Dicke der Seiten des schon gelesenen Textes gegenüber dem Rest ist so aussagekräftig, daß ich schon so manche gesuchte Textstelle gefunden habe, weil die Hände das Buch im Bereich des Suchtextes aufzuschlagen wussten (plus minus ein paar Seiten) und ein flüchtiges Blättern (es musste die linke Seite gewesen sein, der kurze Absatz weiter unten, knapp vor den letzten Zeilen) hat die Suche erfolgreich komplettiert.

    Es war von Beginn an ein Manko aller elektronischen Texte, völlig fluid zu sein, denn wenn wir unser Gedächtnis auf nur eine Dimension reduzieren, ist die Memorierung des Gelesenen eben aller anderen Dimensionen beraubt und dementsprechend schwach. Die sogenannten Gedächtniskünstler denken sich zu wahllosen Begriffen oder Zahlenreihen ganze visuelle Geschichten aus, etwa einen Gang durch die Wohnung und ähnliches. Warum wohl?

    Lange bevor es die heutigen eBooks und Reader gab, habe ich versucht einen amüsanten Text eines IT-Kollegen, nein, es war ein ganzes Buch, als PDF am Bildschirm zu lesen. Nach 15 Seiten habe ich entnervt aufgegeben. Sie können selbst gerne mal den Test machen: Suchen Sie sich aus dem SPIEGEL-Archiv einen älteren, aber digitalisierten Print-Artikel, am besten die Titelgeschichte, heraus und versuchen Sie das zu lesen. Das geht gar nicht, nach wenigen Seiten auf dem Smartphone oder Tablet geht Ihnen die Puste aus - "tldr;" heisst das in der Smombie-Fachsprache: "too long, didn't read".

    Zitat aus dem o.a. Artikel: "Aber langfristig schließe ich daraus, dass wir das elektronische Buch weiterentwickeln müssen, damit es besser zu der Art passt, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet!"

    "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute" hiess es oft am Ende der Grimmschen Märchen, und ich sage voraus, daß das auch für jene Futuristen gilt, die es eigentlich besser wissen müssten. Oder auf eine einfache Frage an Herrn Thomas reduziert: "Wie, bitteschön, soll das gehen?" Und ich erlaube mir dabei ein verschämtes LOL ;-)

    PS: Und wenn die KI wirklich mal erfolgreich sein soll, dann werden wir ihr genau diesen meisterlichen Handgriff der Evolution - die Verknüpfung vieler, nicht kausal zusammengehöriger Informationen - auch implantieren müssen...

    LG LB

  • Flying Sorcerer

    Flying Sorcerer

    Hallo Hr. Borsche,

    das ist mit Verlaub alles ein wenig kurzsichtig gedacht und klingt wie der Versuch unbedingt das Buch im Totholz-Format zu verteidigen.

    Was Sie mittels Memorierung der Buchgröße, Lage im Regal und ungefährer Position im Buch können, dürften die wenigstens Menschen in einem ganz normalen Roman, den sie vielleicht vor 10 Jahren gelesen haben, vollbringen können.
    Da bin ich mit einer Full-Text-Suche eher schneller, wenn mir 1-2 prägnante Dinge zu Stelle im Roman einfallen.

    Aber da fängt das Problem doch schon an.
    Die Verlage haben schon die einfachsten Funktionen der Ebooks von Anfang an radikal bekämpft um ja die Kontrolle darüber zu erhalten. (Von dem Desaster des DRM fange ich jetzt gar nicht an. Genau dies hat die Leute doch abschreckt, wenn man IT-Studiom brauchte, damit man dann gnadenweiser das Buch auch mehr als X Geräten lesen konnte.)

    Und ich habe ja jetzt keine Ahnung wann ihr Selbstversuch in Sachen Ebooks war, bevor es Reader gab, aber ich man kann einen Roman wunderbar auch am B/W-Reader als Ebook (mobi etc.) oder anderen Sachen auch prima als PDF lesen.
    Ich selber fahre meinen Totholz-Kauf immer mehr zurück, weil mir die Regale überquellen. Je nach Ausgabe (Echtes Ebook oder PDF) ist halt die Wahl des Lesemittels entscheidend. Einen REINEN Text kann ich auch prima an einem schwarz-weiß-only Textgerät lesen, für PDFs mit Grafiken darf es dann auch gerne ein Ipad Pro 12" sein.

    Im übrigen gibt die Technik schon lange mehr her, als die Bücher in reine Ebook-Dateien zu nudeln. Und zu hoffen der Kunde freut sich darüber.
    Ich verfolge diese "Ebooks sind der Teufel" nun wirklich lange genug, um mich über die Verlage nur noch aufzuregen, mit welcher Ignoranz diese dem Kunden da wirklich sehr lange und sehr penetrant aufgetreten sind.

    Alleine wenn ich das Wort "Raubkopien" höre, bekomme ich schon eine Gänsehaut. Die Verlage haben jahrelang denselben Fehler wie die Musik-Industrie gemacht, und anstatt dem ehrlichen Käufer ein möglichst problemloses benutzen ihres gekauften (!) Contents zu ermöglichen, aber und abermals die Floskel "DRM" und "Böses Internet" heruntergebetet (Ach, jetzt fang ich doch wieder damit an...). Und sich hinter Gräben verschanzt, die leider vor 10 und mehr Jahren schon zugeschüttet waren.

    Günstiger Speicher ist heute auch kein Thema mehr.
    Natürlich kosten ein Terabyte im Serverbereich mit entsprechender Sicherung noch etwas mehr als die 4 TB USB-Platte beim Online-Händler, aber wirklich "teuer" ist das nicht mehr. Ansonsten würde ich mal beim Internet Riesen wie Amazon, Microsoft und Konsorten anfragen, warum ich redundant gesicherten Online-Speicher für 6.99 im Monat bekomme. (Oh, und Office 365 und anderen Schnick-Schnack dazu).

    Um nochmal auf des Pudels Kern zurück zu kommen: Das was hier als Problem definiert wird, ist kein Problem.
    Das Problem ist, das die Verlage viel zu viele Jahre verschlafen bzw. sich der neuen Technik verweigert haben.

    Was die These des ... ich nenne es mal "Landscape" Lesens angeht.
    Neue Untersuchungen zeigen, das sich unser Gehirn viel, viel schneller anpasst als man vermutet hat. "Digital natives" (ach, ich will auch mal ein Buzzword bringen) können tatsächlich mit der nativen Form des Buches weniger anfangen, und sind dort langsamer im Lesen & verstehen.
    Und ganz ernsthaft: Da werden Studien herangezogen, bei der Studenten ein Buch oder Ebook am 15" Monitor bekommen? 15" im Jahre 2013?
    Ich hätte ja gleich den Monchrom-Monitor meines Apple II vom Dachboden geholt.

    Zusammenfassen: Ja, Ebooks müssen sich verändern.
    Allerdings verändern sich die Lesegewohnheiten der Menschen auch massiv, und mMn hinken die Verlage da massiv hinterher. Es genügt halt nicht, den Text zu extrahieren und dann als ebook auf den Markt zu werfen.
    Das hat aber nichts mit "Blockchain" "Raubkopien" oder "keine zusätzlichen Erlöse" zu tun. Sondern eher mit der Inkompetenz der Verlage, sich auf ein neues Medium einzulassen und dieses nicht nur als "Klotz am Bein" zu sehen.

    MFG
    FS

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Ach mein lieber Fliegender Zauberer (es ist mir unbegreiflich, warum man hier unter Pseudonym schreiben muss, aber bitte sehr ;-)

    Dieses Zitat: "das ist mit Verlaub alles ein wenig kurzsichtig gedacht und klingt wie der Versuch unbedingt das Buch im Totholz-Format zu verteidigen." zeigt schon sehr viel. Angefangen bei der Wortwahl ("Totholz" etc.) weist Sie das aus als jemanden, der unbedingt, und das auch mit peiorativen Bezeichnungen und wertenden Begrifflichkeiten sachlich vorgetragenen Argumenten widersprechen will - das ist immer ein Zeichen argumentativer Schwäche. Aber das lernen Sie noch, Sie sind ja wohl noch eher jung. Ich nicht, und ich habe EDV betrieben, da waren Sie vielleicht noch nicht mal geboren: Lochkartenstapel am Mainframe waren mein Einstieg. Und ich bin ein Screenjunkie, verbringe seit Mitte der 80iger Jahre die meiste Zeit meines Arbeitstages vor und an diversen Bildschirmen. Meine Kinder hatten Smartphones lange bevor das normal und üblich war, und bei bestimmten Tätigkeiten (Videos schneiden etc.) sind sie weit besser als ich es jemals sein möchte ;-) Wer, glauben Sie, hat deren Handys gerooted, um sie werbefrei zu kriegen? Genau. Ich habe einem Manager des Duden-Verlags auf einem Spaziergang am Neckar schon 1995 vorausgesagt, daß alle gedruckten Lexika bzw. alles, was *randomisierten* Zugriff braucht (Wörterbücher etc.) verschwinden werden und er solle schnell den Duden digitalisieren und (als CD! - naja 1995 ;-) zusammen mit der Telekom per Monatsabo mit dem DSL-Paket vermarkten. Sie können sich in der Branche erkundigen, genau das war schon lange vor 2000 mein Standpunkt - muss ich den erklären?

    Wenn ich also in einem anderen Bereich - hier dem sequentiellen Lesen - völlig anderer Meinung bin, dann dürfen Sie annehmen, daß ich dafür gute Gründe habe und auch schon hatte, bevor amerikanische Studien z.B. zum Lernerfolg, mir recht gegeben haben. Anfang 2000 - da gab es den ersten Hype um ebooks - bin ich eine klassische Wette eingegangen: weniger als 10% Umsatz mit ebooks in 10 Jahren. Die habe ich krachend gewonnen. Genauso wie die Wette, daß jeglicher Kopierschutz Bullshit ist, denn meine Gilde (also die der Software-Entwickler) war schon immer gut im "lockpicking", und sei es nur als intelektuelle Herausforderung.

    Der Verweis auf Musik und MP3 hinkt an einer bestimmten Stelle, aber ich stimme Ihnen völlig zu, daß DRM aus vielen Gründen Murks ist. Das lässt sich aber Kaufleuten nicht erklären, ich habe es oft genug probiert. Wo der Hinkefuß ist? Musik ist völlig unabhängig vom Trägermedium (ausgenommen Luft ;-), ob als Rille auf dem Wachszylinder, auf der Schelllack- oder Vinylplatte, als eins/null-Information auf der CD in Form von Blasen, als Magnetopole auf der Harddisk oder als 0/1-Bits im Flashspeicher, alles egal, nur die Qualität ist ein wenig unterschiedlich. Ja, es gibt sogar Musik als mechanische Nadel-Walze oder als Lochstreifen fürs Pianola. Musik hat - von der Life-Aufführung durch Solisten, Chöre, Orchester oder Bands mal abgesehen - keine weitere Dimension, wenn sie mechanisch oder elektromechanisch reproduziert wird; das Trägermedium ist völlig wurscht, das Ergebnis, der Schall der an unser Ohr dringt, ist im optimalen Fall immer gleich.

    Das gedruckte Buch aber, das hatte ich ja hinreichend erklärt, hat viele weitere Dimensionen, die mit dem Inhalt erstmal nichts zu tun haben, und wenn Sie an die alten Folianten mit kunstvoll farbig ausgemalten Versalien denken, kann es - über den ev. kunstvollen Inhalt hinaus - den Charakter eines Kunstwerks bekommen. Das elektronische Buch aber ist eindimensional und darüberhinaus völlig fluid, Sie könnten eine andere Schrifttype wählen und eine andere Schriftgröße, und schon hat es einen anderen Satzspiegel und Seitenumbruch. Jegliche Orientierung (die Ihr Gehirn sonst ganz unbewußt vornimmt, dagegen können Sie sich gar nicht wehren) bleibt Ihnen versagt.

    Natürlich verändern sich die Lesegewohnheiten der Menschen, das hatte ich doch selbst angesprochen. Auf dem Bildschirm tendieren wir zu kürzeren Texten, unsere Aufmerksamkeitspanne reicht nicht mehr soweit - was ich durchaus auf die fehlenden haptischen und optischen Orientierngsmöglichkeiten zurückführen würde. Das ist kein Drama, ich selbst habe es an mir bemerkt und bin darüber keineswegs unglücklich, denn wenn ich irgendeine Kurz-Information vertiefen will, gibt es ausreichend Futter in den Weiten des WWW.

    Aber ein sequentieller Text, wie ein Roman, eine Novelle, ein Epos, das ist einfach etwas anderes als Polit- oder Science-news. Und vieles, was heute erdacht und für den nächsten Hype gehalten wird, wird an 90% der Menschen vorbeigehen, sie werden es nicht nutzen - das gilt auch für alles, mit dem man in den letzten Jahren versucht hat, ebooks attraktiver zu machen. Seien es die werbefinanzierte Umsonst-ebooks (war da nicht was mit readfy? Ich erinnere mich an euphorischste Businesspläne vor, na, drei, vier Jahren und jetzt ist das Investoren-Geld verbrannt und keiner will readfy übernehmen) oder das "interaktive" ebook. Wissen Sie, schon in den späten Neunzigern hat die TV-Branche vom interaktiven Fernsehen geträumt, das war damals "the Next Big Thing". Aber wir Couch-Potatoes sind einfach zu verdammt faul, und wenn wir mal abstimmen müssen, dann tun wir das per Telefon (das ging damals auch schon per Festnetz und Wählscheibe) oder schicken eine SMS (ach Gott, die SMS sollte doch in Zeiten von Whatsapp längst verschwunden sein, oder? ;-).

    Augmented Reality wird genau so ein Flop wie die VR-Brillen, Google Glass und andere Zukunftshypes. Ja, ein paar "Fanboys" wird es immer geben für solche Dinge, aber die Schwelle liegt bei 5-10% maximal, meistens weit, weit darunter. Erinnern Sie sich noch an die 3D-Fernseher? Der Hype ist gerade mal 3 oder 4 Jahre alt und schon tot. Segway von dem sogar Jeff Bezos meinte, das sei die Zukunft der Fortbewegung? Damit werden jetzt Stadtführungen für Touristen veranstaltet, ich kenne keinen einzigen privaten Nutzer. Genauso wird VR für Archtitekten und Ingenieure ein sinnvolles Werkzeug werden, aber eben auch nur das, ein Werkzeug, keine Massenanwendung.

    Wie erkennt man Hypes und Flops im Voraus? Ich kann es Ihnen nicht sagen. Meistens ist das eine Art Bauchgefühl bei mir: will ich das, will ich das nutzen, bringt mir das was oder ist der Aufwand einfach zu hoch? Beim Cellphone wusste ich: das will ich, also war ich 1992 einer der ersten mit so einem unförmigen Knochen. Und Internet (WAP) und MP3-Musik auf dem Handy ging bei mir schon lange vor dem iPhone, dazu braucht man allerdings ein paar rudimentäre IT-Kenntnisse, und ein Massen-Erfolg wurde es erst, nachdem Steve Jobs es für jeden nutzbar gemacht hat, darin war der Mann einfach genial. Und dann war auch der Nutzeffekt gleich soviel größer als vorher, das hat sich von alleine durchgesetzt.

    Beim ebook gibt es für sequentielle Texte nicht viel, was man tun könnte um die paar Vorteile gegenüber dem gedruckten Buch aufzupeppen, es liegt sicher nicht an der mangelhaften Technik, daß es ein Nischenprodukt ist und bleibt, sondern daran, daß es eben auch den Nachteil der Eimensionalität mit sich bringt, was zwar kaum einer weiß oder benennen kann, was aber sehr viele Menschen unterbewußt spüren. Für "those-in-the-know" war auch der DRM noch nie eine größere Hürde, daran liegt es auch nicht. Nein, es ist die Eindimensionalität und die Fluidität der Repräsentation eines Textes, die sich allerbestens für Informationen mit randomisiertem Zugriff eignet, nicht so gut aber für sequentielle Texte.

    Der Reader wird der Urlaubsbegleiter für einige sein, so wie die Hörbuch-CDs/MP3s für Auto- oder Zugfahrer, und sicher lesen auch manche relativ viel auf dem Reader (oder per App auf dem Tablet oder Smartphone). Das ist praktisch, weil man alles doppelt so schnell vergisst ;-) - Spass beiseite, ich höre von vielen Adepten der ersten Stunden, daß sie mittlerweile zuhause wieder zum gedruckten Buch zurückgekhrt sind, der Reader wird nur vor dem Urlaub geladen. Und Sie wissen ja: der Konsument hat immer recht - auch wenn Sie das ärgert und Sie alle möglichen Verschwörungstheorien bemühen müssen, um sich das zu erklären. Denken Sie mal emotionsfrei darüber nach, warum die Masse nicht will, was Sie wollen. Das heisst ja nicht, daß Sie was Falsches wollen. Sie haben vielleicht auch eine VR-Brille und einen 3D-Fernseher und finden beides toll - die Masse aber halt nicht, und damit müssen Sie leben.

    Ach so ja, und weil gerade Weihnachtszeit ist: wussten Sie daß mehr als die Hälfte aller Bücher verschenkt wird? Wollen Sie Ihrem Partner wirklich ein eBook unter den Weihnachtsbaum legen? Das ist doch genauso seelenlos wie eine amazon-25-Euro-Gutscheinkarte. Und genau deshalb ist das "tote Holz" so beliebt, es macht was her, das ist nicht nur Inhalt, sondern auch Form. Und das wird das ebook niemals sein, weil es niemals "Form" haben kann, das liegt in der Natur der Sache.

    LG LB

  • Flying Sorcerer

    Flying Sorcerer

    Hallo Herr Borsche,

    ich schreibe hier unter Pseudonym, weil ich eigentlich wenig mit der Branche zu tun habe. Aber seit Jahren ein sehr interessierter Verfolger und Mitleser derselben bin.
    Ich sehe ein, das wir uns Bezug auf Wahrnehmung eines Buches und eines "Textes" am Reader nicht wirklich näher kommen werden, aber unterschiedliche Meinungen sind ja etwas gutes. :)

    Was "Augmented Reality" angeht, da wage ich aber heftigst wiedersprechen.
    Im Gegensatz zu VR hat dies in meinen Augen die größten Zukunftschancen überhaupt. Vielleicht nicht am Consumer Markt, aber in Technik, Medizin und vielen anderen Bereichen wird das kommen. Vielleicht nicht im nächsten Jahr, aber es gibt da schon unheimlich viele Verwendungszwecke, die deutlich mehr Sinn machen als es VR bisher macht. Ich habe da vor einiger Zeit einen Artikel der JPL (NASA) gelesen, der war hochspannend.

    Das mit Buchgeschenken.... ich gebe ihnen recht das ich wohl eher keinen Download-Code für ein Buch verschenken würde. Anderseits haften "Buchgeschenke" bei mir auch oft den Geruch des "Schlips der etwas intellektuelleren an, wenn Sie verstehen was sie meinen.

    Um nochmal auf die Technik an sich zu kommen:
    Hier haben es mMn nicht nur die Verlage nicht geschafft, etwas innovatives zu schaffen, auch der Reader Markt stagniert technisch gesehen seit Jahren.
    Ich habe gerade mal geschaut, mein erster Kindle ist nun über 6 Jahre alt.
    Seitdem hat sich technisch gesehen so gut wie nichts getan.
    Es immer noch alles schwarzweiß und wirklich neue, innovative Sachen können die aktuellen Modelle nicht. Es gibt eigentlich keinen Grund, sich in all den Jahren ein neues Modell anzuschaffen. Oh, das neuste Modell hat Hintergrund-Beleuchtung. Nun ja, irgendwie hat es meine Freundin all die Jahre auch überlebt, wenn ich zum Lesen im Bett noch eine kleine Funzel an hatte.

    Eher im Gegenteil: Das 6 Jahre alte Modell hat sogar eine Tastatur eingebaut und man konnte noch begrenzt Musik damit hören. Gut, heute hat man dies durch Touch-Tastaturen ersetzt, aber Musik hören gleichzeitg? Oder gar ein Hörbuch mit diesem kleine Teil? Ach was. Wegoptimiert.
    Wo sind Geräte mit Farbdisplays? Wo ist ein DIN A4 für Ebooks & PDFS?
    All das überlasst man den Tablet herstellern wie Apple (Ipad Pro 12"), Microsoft (Surface) und selbst dem Erzfeind an sich, Amazon mit seinem 10" Display.

    Es GIBT auch innovative Ebooks, man findet sie halt leider nur nicht auf den typischen Readern. Dafür braucht es halt eine eigene für jedes Buch, sei dann im Apple oder Google Store.

    Aber um den Bogen nochmal zurück zu spannen: Ich helfe in meiner Freizeit einem kleinen Verlag, der seine Bücher nur als PDFs verkauft, weil diese extem grafik-lastig sind. Das typisch EPUB Format würde hier in keinster Weise funktionieren. Und mit dem eigentlich schon steinalten PDF Format habe ich fast genau das, was sie so vehement fordern. Ich weiß ungefähr an welcher Stelle im "Buch" etwas war, ob es oben links oder unten rechts war, und vielleicht weiß ich welche Grafik mir da gezeigt wurde.

    Das Epub-Format ist doch nur eine Krücke, um mir jeden Text möglich lesbar auf jedes Gerät zu projezieren. Zurück zur Technik: Wenn es jetzt günstige Lesegeräte in Farbe gebe, mit ensprechender Größe (Din A4 oder nahe dran), die lange laufen (also LCD Display) und vielleicht auch noch einen eingebauten Musik-Player haben, dann bin ich damit rundherum glücklich.
    Oder gibt es schon: Von den oben genannten Riesen-Firmen.
    Nur nicht sooo günstig, aber nahe dran in der von mir angedachten Größe.

    Aber ich sehe da weder von der Technik der Hersteller (Kindle, Tolino, etc..) derzeit echte Fortschritte, noch das die Verlage da mehr Flexibilät in der "Darreichnungsform" fordern. Wobei ich mir denke, ein Riese wie Amazon hat auch gar kein Interesse daran. Der schmeißt dem Kunden halt sein 10" Kindle Fire an den Kopf, das all dies abdeckt. Für unter 200,-€.
    Vielleicht nicht mit der langen Laufzeit wie typische EPUB-Reader, aber ob der Kunde jetzt alle 1-2 Wochen oder ggf. einmal über Nacht auflädt, ist ihm doch eigentlich auch egal.

    Oh, und ein Einwurf noch: Viele meine sehr lese-affinen Bekannten haben Ebooks und Reader am Anfang sehr verdammt. Heute hat fast jeder einen solchen Reader zumindest als "Zweites Buch" dabei, weil man halt besser seine Sammlung an Texten kaum mit herum tragen durchsuchen und lesen kann. Und ja, da werden wirklich Bücher doppelt gekauft. Dann halt möglicherweise nicht mehr in der Premium-Variante HC, sondern als TB plus Epub.

    Insgesamt: Es ist ein spannendes Feld, aber ich vermisse die Innovation der Technik UND der Verlage.

    Mfg,
    FS

  • Niels Peter Thomas

    Niels Peter Thomas

    Lieber Herr Sorcerer,

    danke für ihre leidenschaftlichen Beiträge! Wenn wir uns persönlich begegnen würden, könnte sich daraus eine sehr spannende und produktive Diskussion ergeben. Hier in den Kommentaren misversteht man sich leicht. So finde ich es zum Beispiel sehr schade, dass viele Ihrer Kommentare eher nach Unterstellungen klingen, obwohl man sie leicht auch als Fragen hätte formulieren können, die uns beide (und andere Mitleser) inhaltlich weiterbringen würden. Ich will zwei Beispiele nennen:

    1) Sie schreiben, die Verlage hätten jahrelang "DRM" heruntergebetet anstatt dem ehrlichen Käufer ein problemloses Benutzen des gekauften Contents zu ermöglichen. Jetzt ist es allerdings so, dass ich in einem Verlag arbeite, in dem seit mehr als 10 Jahren alle eBooks DRM-frei angeboten werden, und so in den letzten Jahren über 10 Millionen Kapitel, Artikel, Konferenzbeiträge etc. sehr problemlos von den Käufern benutzt werden. Möglicherweise gehören Sie nicht zu unseren Lesern, weil sie andere Bücher, andere Themen, oder andere Genres bevorzugen. Aber trotzdem ist doch die Realität, dass es Verlage gibt, die sich dem Thema sehr offen annehmen, und andere, die einen eher restriktiven Ansatz wählen. Wir nennen das Wettbewerb. Einfach zu behaupten, dass "die Verlage" das alle verschlafen haben, ist schlicht falsch und macht es schwierig, auf Ihre Beiträge konstruktiv zu reagieren.

    2) Sie verpacken in einer rhetorischen Frage, dass Blockchain und eBooks nichts miteinander zu tun haben. Wäre hier nicht auch eine Frage angemessener gewesen, was die beiden Konzepte miteinander verbindet, statt einfach zu unterstellen, dass es nur um Buzzword-Bingo geht? Ich will kurz erläutern, warum ich die beiden Konzepte in einem Satz genannt habe: eine (public) Blockchain ist verkürzt gesagt eine Technologie, um ohne eine zentrale Autorität, mit hoher Robustheit gegenüber Manipulationen, und mit hoher Transparenz bestimmte Daten und Transaktionen nachvollziehbar zu speichern. Aus diesem Grund diskutieren zur Zeit viele Menschen in Verlagen, ob Blockchain eine technische Lösung für einen Markt für gebrauchte eBooks sein könnte. Hier geht es darum, dass bislang der Käufer eines DRM-freien eBooks den Zugriff auf das Buch behält, wenn er es weitergibt. Mit einer Blockchain könnte sichergestellt werden, dass auch die Zugriffsrechte weitergegeben werden. Es gibt Argumente, dass eine solche Lösung sinnvoll ist, und Argumente dagegen. Ich habe in meinem ursprünglichen Text angedeutet, dass für mich die Argumente dagegen überwiegen. Aber einfach zu behaupten, dass beides nichts miteinander zu tun hat, bereichert die Diskussion nicht.

    Noch ein letzter Gedanke zum Thema Print-Buch vs. eBook. ich finde es schade, dass die Liebhaber von Print-Büchern den eBook-Lesern oft Kulturlosigkeit vorwerfen, und umgekehrt die Print-Leser als altmodisch diffamiert werden. Ich sehe das so: Bücher erfüllten Funktionen. Sie speichern Wissen, sie lassen uns neues Lernen, sie unterhalten uns, und so weiter. Für manche dieser Funktionen ist das gedruckte Buch überlegen, für manche das "klassisch" elektronische, und wiederum andere Funktionen werden sich mit eBook-Formaten noch besser abbilden lassen, die wir noch nocht erfunden haben. Diese neuen Firmen können wir aber nur dann erforschen und ausprobieren, wenn wir vorurteilsfrei, data-driven und offen an die Sachen herangehen.

  • Thomas Hofmann

    Thomas Hofmann

    Mein lieber Borsche! Hier geht's aber zur Sachen.
    Ich hoffe Sie verzeihen meine Wortspielerei. Insofern: SCNR

    Es gab mal ein Computerspiel: "Simon the Sorcerer"
    Der Protagonist darin war ein Junge, der auf Nachfrage einem Zauberer zu helfen versucht. Er ist dabei offen gegenüber ihm ungewohnten Ansichten und Meinungen. Damit ist er das absolute Gegenteil unseres Sorcerers. Allenfalls kann dies als miserabler Scherz betrachtet werden, wenn nicht schlimmer. Der Name bei diesem Schreiber ist also eher Anmaßung.

    Natürlich wurden - jetzt ohne daß ich alle Kommentare gelesen hätte - die Dinge ebook, DRM und blockchain im Zusammenhang genannt, weil der Ausführende einen Hinweis geben wollte. Die blockchain Technologie fungiert als breites, dezentrales Protokoll für Transaktionen. Damit bleiben diese Transaktionen belegbar. Sicher könnte jegliches (sonstiges) DRM entfallen, wenn die Weitergabe per blockchain dokumentiert würde.

    So kann man bei Aller Liebe und wollendem Verständnis nur zu einem Schluß kommen. Der Kommentator ist selbstzentriert unterwegs, auf Angriff programmiert und allen Argumenten verschlossen. In diesem Fall gibt es in Online-Foren (und Kommentarfunktionen) ein oft gebräuchliches Hashtag: #DFTT (Don't feed the Troll)

    Schönen Abend.

    PS:
    Bei "auch implantieren müssen" hat er sicher gemeint "implementieren". Der mit seinen Fremdworten kann mich nicht imprägnieren.

    PPS:
    Ich bin für die Aufnahme der "freie Lesegerät-Wahl" in das Grundgesetz.

  • Flying Sorcerer

    Flying Sorcerer

    Hallo Hr. Hofmann,

    ich muss sagen, ich finde es ein wenig schade jemand despektierlich zu behandeln, den man nur anhand seines Nick-Names betrachtet.
    Allerdings ist ihre Aussage "jetzt ohne daß ich alle Kommentare gelesen hätte " auch ein gewisser Indikator was ihre Ansage möchte.

    Im übrigen möchte ich sie korrigieren: Flying Sorcerer hat so GAR NICHTS mit dem Computer-Spiel "Simon the Sorcercer" zu tun. Es ist ein Anspielung auf den SF/Fantasy Klassiker von David Gerrold and Larry Niven.
    Falls sie den nicht kenne, empfehle ich ihn diesen ganz dringend.
    Immerhin geht es auch um die Einführung ganz neuer Dinge auf einem Planeten.
    Seien es technische oder ökonomische.
    Ansonsten habe ich aus MEINER Sicht der Dinge sehr ausführlich diskutiert, ihre pseudo-rethorische Klatsche finde ich da schon viel merkwürdiger.

    Und ja, leider habe ich bisher keine Möglichkeit entdeckt hier geschriebene Texte zu editieren, ich war aber auch zu faul diese vorher durch Word oder sonst etwas zu jagen. Da können falsch geschriebene Wörter schon einmal vorkommen. Und auch sehr ähnliche Wörter. Häme deswegen finde ich da aber auch daneben.

    @Hr. Thomas & Hr. Hofmann: Bei aller Liebe zur Kritik und auseinander nehmen meiner Thesen: Was sind ihre Gedanken zur Zukunft des Ebooks, insbesondere zur Problematik der "nicht voran getriebenen" Technik?
    Es wird auf meine Ideen überhaupt nicht eingangen, was theoretisch möglich ist, aber von (vielen) Verlagen und vielen Technoligie-Gebern (bzw. Reader-Herstellern) ignoriert wird.

    @Hr. Borsche:
    "weist Sie das aus als jemanden, der unbedingt, und das auch mit peiorativen Bezeichnungen und wertenden Begrifflichkeiten sachlich vorgetragenen Argumenten widersprechen will - das ist immer ein Zeichen argumentativer Schwäche. Aber das lernen Sie noch, Sie sind ja wohl noch eher jung. Ich nicht, und ich habe EDV betrieben, da waren Sie vielleicht noch nicht mal geboren"

    Da mir der Absatz irgendwie gestern durch die Lappen ging:
    Unterlassen sie doch solche Unterstellungen einfach.
    Ich vertrete eine Meinung, genau wie sie.
    Mir abfällige oder abschätzige Wortwahl zu unterstellen, finde ich sehr unschönen Diskussions-Stil. Das Wort "Totholz-Buch" zur Abgrenzung des Ebooks ist ein völlig normaler Begriff, der auch in vielen Diskussion-Foren und/oder Buch-Blogs verwendet wiird.
    Wenn sie damit schon ein Problem haben, dann tut mir das sehr leid.

    Und:
    Ich habe auch noch IBM Mainframes programmiert. Das ist jetzt kein Alleinstellungsmerkmal von ihnen. Und muss es lt. Duden nicht nicht "pe­jo­ra­tiv" heißen?

  • then

    then

    Meine Herren, chapeu! Von einigen, aus meiner Sicht, unschönen “Ausrutschern" im Stil eine wirkliche spannende Diskussion über unsere Zukunft. MMn wird das aber keine entweder-oder-Entscheidung. Der Leser will (fachlichen/unterhaltenden) Inhalt. Über die Darreichungsform entscheidet er und je nach Nutzungsart kann das ein jahrhundertealtes "totholz" format, ein klassisches ebook ("fluid" oder fixes Layout / mit oder ohne bequemen, unbequemen oder sogar keinem drm), eine app im appstore, eine online Zugriffsmöglichkeit auf wissen (oder auch literatur) oder auch etwas heute überhaupt noch nicht bekanntes sein. Wir wissen es nicht. Wir werden dies akzeptieren (lernen). Bitte diskutieren Sie weiter. Ich kenne die Lösung nicht, werde aber den Wandel erleben und noch eine viel längere Zeit mitgehen. Das Pech der späten Geburt ;) Vielleicht denken wir ja auch alle noch immer nicht weit genug!?

    Then

  • Bibliozentriker

    Bibliozentriker

    Das bibliozentrische Weltbild bringt - wie offensichtlich jedes auf eine Mitte zentrierte Weltbild - einen wirklich eigenartigen Sprachstil hervor. Da wußte der in der Mitte des Universums stehende immer schon was wann wie geschieht und vermutlich hat er es sogar in die Welt gesetzt...aus dem Bauch heraus oder aus einer Rippe.

    Ja, es gibt auch ein paar Menschen, die Bücher lesen. Sonst reden die meisten miteinander persönlich oder über technische Apparate, sie hören Musik und Texte, sehen Bilder und Filme in Apparaten, sehen aus dem Zugfenster oder aus dem Bullauge des Schiffs, stehen auf einem Berg oder am Fluss und machen sich so ihre Gedanken. Immer mehr aber kriechen Menschen in Medien hinein, lösen sich in ihnen auf, werden sogar zu deren Bestandteilen. Ist ein Nutzer von Facebook ein Mensch oder ein Medium?

    Es wirkt auf mich bizarr, diese gewaltigen Veränderungen des Verhältnisses von Menschen und Medien daraufhin zu untersuchen, ob das Buch eine Zukunft hat oder nicht. Ich glaube das ist relativ nebensächlich. In das Erstaunen über jemanden der ein Kaninchen zu Hause schlachtet, Spinnweben auf seine Schnittwunden legt oder eine Frau in einem Supermarkt umwirbt, mischt sich das Erstaunen, dass jemand stumm im Sessel sitzt und in ein Buch starrt.

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Lieber Petrosilius Zwackelmann ;-)

    Sie mögen mir bitte die (nahezu liebevolle) Verballhornung Ihres Pseudonyms verzeihen, aber Sie fordern das geradezu heraus: "ich schreibe hier unter Pseudonym, weil ich eigentlich wenig mit der Branche zu tun habe". Sie wollen doch, daß man Ihre Argumente ernst nimmt, oder nicht? Und dann wollen Sie uns eine solche zusammenhanglose Nicht-Begründung als plausibel verkaufen? Ist doch völlig egal, ob Sie Max Müller heissen oder Johnny Huber, wenn man Sie in der Branche eh' nicht kennt. Aber "Flying Sorcerer", das ist ein bißchen abgehoben, ein bißchen geprahlt, nicht wahr? Sie, der "Astronaut" einer raumfahrenden Rasse, der aus Versehen in einer ach so primitiven Welt gestrandet ist? Das ist doch der zwinkernde Hintersinn Ihres Pseudonyms, oder? Wir "Totholz"-Buch-Leser sind also die eingeborenen Primitiven, die ebooks für einen bösen Zauber halten? Schon klar ;-)

    Sie haben wirk- und tatsächlich IBM-Mainframes programmiert? Nun, die gab es noch lange nach meinen aktiven Zeiten. Die Hinweise darauf, daß Sie ein gesetztes Alter höchstwahrscheinlich noch nicht erreicht haben, ergaben sich vor allem aus Ihrer Sprachwahl. Zitat "Wenn ich dieses Gebrabbel lese, plus noch ein paar Buzzwords hinten in den Text geschmissen, wundert mich gar nichts mehr." Das war Ihr allererster Satz hier. Schon vergessen? Und weiter unten schreiben Sie dann, an mich adressiert: "Mir abfällige oder abschätzige Wortwahl zu unterstellen, finde ich sehr unschönen Diskussions-Stil." In meinen Augen klassisches "mimimi" bzw. "Mama, ich war's nicht!" - oder erfüllt "Gebrabbel" nicht genau die Begriffe "abfällige / abschätzige Wortwahl"?

    Tut mir leid, daß ich darin so gar kein erwachsenes Verhalten erkennen kann, aber sehr wohl kindliche Befindlichkeiten. Durchaus kindlich trotzig auch die mit keinerlei plausiblen Ideen oder kreativen Visionen unterlegte sture Forderung nach "Fortschritten" bei den ebooks, bzw. die laute Klage, es habe sich in den letzten Jahren da gar nichts getan ausser Verschlimmbesserungen, wie "Mein uralter Kindle ist besser als...". Das klingt eher nach Fussaufstampfen. Last-not-least ist der Begriff "Totholz" ungefähr genauso wertneutral wie wenn Veganer abfällig von "totem Fleisch" und "totem Fisch" reden. Tatsächlich gab es vor Jahren schon den Begriff des "Holzbuchs" (vs. ebook), und wer einigermaßen sprachbegabt ist, erkennt auch hier schon die abwertende Tendenz durch die Assoziation zur "Holzklasse" (muss ich nicht erklären, oder doch?).

    Nun aber zu Ihren Argumenten: Sie haben recht, daß die Erwähnung der Blockchain Technologie ein ziemliches Herumgestochere im DRM-Nebel ist. Ich mag nicht wirklich weit ausholen, aber es gibt ein paar Hinweise darauf, daß wir die indivduelle millionenfache Vertragsvereinbarung eben nicht mit einer solchen dezentralen Datenbank sinnvoll abbilden können, ein sehr ernstzunehmender ist schon alleine der daduch verursache Energieverbrauch. Genau da ist eine "relativ" zentrale Datenbank deutlich sinnvoller. Als alter Datenbänker traue ich mir dieses Urteil zu. Wobei DRM sowieso nicht sinnvoll ist, aber egal.

    "Es immer noch alles schwarzweiß..." jammern Sie. Als ob das nicht genau die Voraussetzung für die stromsparende e-ink Technik wäre. Ja, es gibt Konzepte für farbige e-ink, aber da kämpfen wir dann wieder mit der Auflösung, und ohne Hinterleuchtung (die wieder Strom kostet) wird das alles nix. Wozu auch, es gibt doch Tablets? Aber mal im Ernst: bei einem Prinbtbuch ist Farbe eher die Ausnahme, wenn wir von bestimmten Genres mal absehen (Fotobuch, Kochbuch etc.), selbst Illustrationen sind häufig oder meistens Schwarz Weiß. Und glauben Sie wirklich, ein farbiger e-ink-Reader wäre der Superstar unter den Readern? Na, dann investieren Sie doch. Ich jedenfalls bin sicher, daß gerade Bücher, die Farbe erfordern, vor allem als Printbuch funktionieren. Es gibt also einfach keinen Markt für einen farbigen Reader, weil das Tablet schon da ist, hochauflösende farbige e-Ink zu teuer und, und...

    "... und wirklich neue, innovative Sachen können die aktuellen Modelle nicht." Würden Sie mal bitte konkret werden, statt einfach nur "Buzzwords" (neu, innovativ) unspezifisch in den Raum zu werfen? Ach ja, Ihr Din A4 Tablett für PDFs. Ganz ehrlich, das wollen Sie nicht halten müssen. Und beim PDF (ein Format das ich am PC duchaus gerne nutze) geht eben verloren, was das epub-Format für viele Menschen so praktisch macht: Veränderung der Schriftgröße nach meinen Bedürfnissen. Und ja, mit PDFs hat man ein fixes Seitenformat, wie es der Orientierung dienen könnte, allerdings abzüglich zweier Dimensionen: rechts/links und "Dicke", eine Seitenummer hilft da nicht weiter (niemand konnotiert einen Inhalt mit einer konkreten Seitenzahl, es sei denn, er würde es für später notieren, sehr wohl aber mit der ungefähren Dicke des schon gelesen Seitenstapels). Es bleibt also gerade noch der Satzspiegel als Dimension, auch nicht so dolle. PDF ist aber vor allem praktrisch, wenn man es ausdrucken muss, weil es dann halt zu unseren A4-Druckern passt, ohne daß ein unschöner Rest auf der näcjhsten Seite landet,wie das bei HTML allzu oft der Fall ist. Genau dafür wurde PDF erfunden und dafür wird es hauptsächlich genutzt.

    "Aber ich sehe da weder von der Technik der Hersteller (Kindle, Tolino, etc..) derzeit echte Fortschritte, noch das die Verlage da mehr Flexibilät in der "Darreichnungsform" fordern." Haben Sie eine leise Ahnung von Ökonomie? Oder so rum gefragt: Glauben Sie, daß mit ebooks Geld verdient wird? So viel Geld, daß man aus dieser *Goldgrube* gespeist, sehr teure Innovationen tätigen kann? Wenn dem so wäre: sind die alle dumm da draussen? Weil der Fliegende Zauberer sowas doch ruckzuck für dreifuffzich hinkriegt und damit einen Riesenreibach macht? Schauen Sie, es ist genau diese kindlich anmutende Naivität, die mich auf jugendliches Alter schliessen lässt - und das ist doch eine freundliche Erklärung für eher kurzsichtige oder unplausible Argumente, oder?

    @then: Danke für das Lob an alle Diskutanten, und, ehrlich gesagt, empfinde ich die Diskussion auch als durchaus zivil, sowas kann leicht heftig werden, und man muss FS geradezu dankbar sein, daß er nicht versucht hat, hier einen flame war anzuzetteln. Ich glaube übrigens, daß mittlerweile alle relevanten Argumenten und Meinungen ausgetauscht wurden, und jeder darf sich seine Ansicht daraus zusammenbasteln. Und solange niemand bei Lloyds darauf setzen oder mit mir wetten will, ist es auch völlig unerheblich, wer letzten Endes recht hat. Das eBook ist da, genau wie das Hörbuch, es ist ein Nebenmarkt, ein Add-on; ob es mal einen relevanten Umsatzanteil erreichen wird, ist unklar, aber es wird sicher nicht mehr "weg gehen". Wer große Innovationen erwartet, wird vermutlich enttäuscht werden, denn das Konzept "Buch" ist schon so alt und linksrum und rechtsrum gedreht und gewendet worden, daß es sehr unwahrscheinlich ist, daß jemandem da noch was Tolles einfällt. 3D-Fernseher waren auch ganz toll - im Elektronikmarkt zum Angucken. Zuhause offenbar dann doch nicht erwünscht. Das könnte auch ambitionierten "innovativen" ebook-Konzepten blühen, denn man müsste ja auch einen neuen Reader dazu kaufen. Da kauft man doch lieber ebooks, die auf dem "sechs Jahre alten Kindle" noch funktionieren, oder?

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