Ende 2015 ist Schluss

Bertelsmann sagt dem Club bye, bye

Die DirectGroup Germany hat in den vergangenen Jahren manches versucht, konnte gegen die Zeichen der Zeit aber letztlich wenig ausrichten: Nun wird das deutschsprachige Direktgeschäft abgewickelt − bis Ende 2015. Damit zieht das Unternehmen die Konsequenzen aus der seit Jahren rückläufigen wirtschaftlichen Entwicklung seiner Aktivitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das Szenario, das eines Tages Schluss sein würde, besteht seit Jahren − bisher hat Bertelsmann aber immer davor zurückgeschreckt, die Wurzeln des Konzerns tatsächlich und komplett zu kappen.

Gestern dann jedoch die letzte Durchsage: Das Unternehmen fasste den Entschluss, die Club- und Direktgeschäfte abzuwickeln. Wobei Fernando Carro, im Group Management Committee von Bertelsmann unter anderem verantwortlich für die Club- und Direktmarketinggeschäfte, nicht umhin kann zu betonen: "Die Entscheidung, unsere deutschsprachigen Club- und Direktmarketinggeschäfte einzustellen, ist uns nicht leicht gefallen."

Dabei war das Klima für den Club seit Jahren mau, das Konzept hatte sich festgefahren und riss sich auch nicht mehr los. Man habe intensiv versucht, das Clubmodell weiterzuentwickeln, erklärt Carro heute - allerdings nun doch feststellen müssen, dass es auf dem deutschen Markt keine wirtschaftlich tragfähige Perspektive mehr dafür gibt.

Letztlich kam aus seiner Sicht schließlich eins zum andern: die abnehmende Bindungsbereitschaft der Kunden zum tiefgreifenden Wandel im Buchhandel. Carro: “Diese Entwicklung haben wir trotz des erfolgreichen Ausbaus der Geschäfte an anderen Stellen und trotz vieler innovativer Konzepte unserer Kolleginnen und Kollegen leider nicht kompensieren können.“
 

Die DirectGroup Germany fährt die Unternehmensgröße bereits seit einigen Jahren zurück, um, wie sie sagt, „der rückläufigen Geschäftsgröße Rechnung zu tragen“. Im März wurde bereits die Schließung der Club-Filialen bekanntgemacht; aktuell gibt es laut Unternehmen in Deutschland noch 52 Filialen und eine hohe sechsstellige Anzahl an Club-Mitgliedern.

Wie es nun weitergeht:  

  • Das Club- und Direktmarketinggeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird in den kommenden Monaten schrittweise eingestellt.
  • Christoph Mittendorf, Geschäftsführer der DirectGroup Germany, betont, dass für ihn und sein Team „nun der verantwortungsvolle und partnerschaftliche Umgang mit Mitarbeitern und Kunden im Mittelpunkt“ stehe.  
  • Möglichst kurzfristig will er zusammen mit den Arbeitnehmervertretern einen Interessenausgleich und Sozialplan entwickeln. Nach eigenen Angaben hatte die DirectGroup Germany im Mai 2014 rund 600 Mitarbeiter.
  • Für die Endkunden der DirectGroup Germany gibt es nach Angaben des Unternehmens vorerst keine weiteren Änderungen. Erst einmal bleibe alles, wie es ist – sie würden weiterhin Kataloge erhalten und könnten bestellen wie eh und je.

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5 Kommentar/e

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  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Die Nachricht kommt nicht ganz unerwart, und ich finde
    es schade, auch wenn ich nicht zu Ihrer Gruppe gehöre.
    In unserer Stadt schließen also innerhalb kurzer Zeit
    der Club, Weltbild, und noch jemand mit einer Großfläche.
    Die Gründe wurden ja schon genannt und sicher hat
    auch der Club unter dem veränderen Käuferverhalten
    zu leiden - Bestellungen nur noch im Internet abzuwickeln.
    Wir hatten immer noch eine gute Geschäftsentwicklung
    in unserer Stadt und seit einigen Wochen schließen
    hier viele Läden - Kunden, kauft wieder in den Städten
    ein, sonst lauft ihr demnächst an zugeklebten Schaufenstern vorbei.

  • Martin Fingerhut

    Martin Fingerhut

    ### trotz vieler innovativer Konzepte unserer Kolleginnen und Kollegen ###
    Ja, genau : die ANDEREN hatten die innovativen Konzepte.
    Das Haus Bertelsmann hat mit dem Club seit mindestens 15 Jahren nur lieb- und ideen- und deshalb fruchtlos herumgedaddelt.
    Aussichtsreiche Ideen wurden abgelehnt,
    denn dafür hätte investiert werden müssen.
    Die Partner sollten Geld reinStecken,
    der Konzern hat die Sparte Club verhungern lassen.

    40 Jahre lang hatte der Konzern die Kuh gemolken und abgesahnt.
    Aber als die CashCow Futter brauchte,
    wurde ihr sogar das Wasser verweigert.

  • Martin Fingerhut

    Martin Fingerhut

    Wie schon vor über andertHalb Jahren prognostiziert
    ( http://www.boersenblatt.net/552799/ ) :
    Bertelsmann macht es wie die BundesBahn.
    Ein Schaffner erklärte mir einmal : " Unsere Direktoren rechnen so : Jeder FahrGast bringt 5DM Verlust. Das Ziel ist 0 Verlust. die Lösung : 0 FahrGäste ! "
    Das gleiche Problem wie so oft in der Wirtschaft :
    Einst haben Unternehmer Ideen entwickelt. Chancen ergriffen. Zukunft gestaltet.
    Viele promovierte Verwalter zerstören Ideen. Verspielen Chancen. Vernichten Zukunft.
    Wo UnterNehmer gebraucht werden, sitzen zu viele UnterLasser !

  • Jayden-Herbert

    Jayden-Herbert

    @ Kleine Sortimenterin

    " Kunden, kauft wieder in den Städten ein, sonst lauft ihr demnächst an zugeklebten Schaufenstern vorbei."

    In einigen Städten werden ehemalige Einzelhandelsflächen bereits zu Wohnungen umgebaut, da die Nachfrage nach Wohnraum entsprechend hoch ist.

  • wilh.hüttermann

    wilh.hüttermann

    Das Ende der "Direct-Group" ließ sich voraussehen, nachdem fast alle Kokurrenten zumachten. Es sollte aber daran gedacht werden, dass der Aufstieg der einst religösen Druckerei (Im Rheinland sagt man Traktätchesverlag) zum größten deutschen Verlagsunternehmen auf der Basis des Clubs entstanden ist. Inzwischen wird das Geld mit Randomhouse und anderen Unternehmen am Rande des Buchhandels verdient. Die Masche der Buchgemeinschaften war fast überall die Verpflichtung, vier oder mehr Bücher pro Jahr nach Wahl des Verlags kaufen zu müßen. Der Stuttgarter Europäische Buchklub des früheren Holtzbrinckkumpels Wilh.Schlößer verdiente alle zwei Monate Millionen durch diese Festabnahme, während oltzbrinck immer größer wurde, weil er freie Wahl gewährte, allerdings sollten auch vier Bücher pro Jahr gekauft werden. Ausser den heute noch existenten Unternehmen sei an die Konfessionellen gedacht, z.B. der Jüdischen Buchvereinigung, die mindestens 1936 noch existierte.
    Eien der ältesten Klubs war "Volksverband der Bücherfreunde" gegründet 1919 zur Freude und Beschäfitung von Milllionen heimgekehrter Soldaten.
    Nach dem letzten Krieg erlebte das Ungernehmen eine nur kurze Blütezeit. Die Kundenwerbung erfolgte durch
    reisende Vertreter, die auch im Schreiben fiktiver Mitgliedserklärungen firm waren. Sie wurden zusammengehalten durch ehemalige Mitglieder der Waffen-SS und ähnliche Funktionäre. Ich bekenne freimütig, dass meine ersten Leseabenteuer nach Karl May, Cooper, Swift und den "Deutschen Heldensagen". die Unterhaltungsromane des "Volksverbandes" waren. Damals ahnte ich noch nicht, dass ich eines Tages als Lektor der Holtzbrinckgruppe amerikanische Bestseller auf ihre Tauglichkeit als Bucklubobjekte prüfen sollte.

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