Harry Potter-Tagung der Evangelischen Akademie

Muggel im Schloss Tutzing

Harry Potter feiert sein 20-jähriges Jubiläum. Das gab nun den Anlass für eine Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing: "Die Magie des Erzählens" (Hashtag #MagieInTutzing).  BERIT PETERSEN, TOBIAS MOHR

Die Muggel lauschen gespannt

Die Muggel lauschen gespannt © Tobias Mohr

Mit weltweit über 500 Millionen verkauften Exemplaren, davon über 34 Millionen in der deutschsprachigen Übersetzung von Klaus Fritz, erzielte die Autorin Joanne K. Rowling einen literarischen Welterfolg. Wo könnte eine Tagung über die zauberhafte Welt von Harry Potter besser stattfinden als an einem magischen Ort wie dem Schloss Tutzing am Starnberger See? Laut einer Legende soll es sogar ein Gespenst beherbergen. Harry Potter hat bekanntlich nicht nur in der Zaubererwelt seine Spuren hinterlassen, sondern das weltweite Medienphänomen beeinflusst nach wie vor auch "diesseits von Hogwarts" das Leben vieler nicht magisch begabter Menschen, sogenannter "Muggel". "Die Harry Potter-Serie hat Nichtleser zu Lesenden gemacht, eine ganze Generation entscheidend geprägt und die Kinder- und Jugendliteratur verwandelt", eröffnete Judith Stumptner als Studienleiterin der Evangelischen Akademie Tutzing die 15. Kinder- und Jugendliteraturtagung. Sie gehörte der Tagungsleitung um Ute Dettmar, Gabriele von Glasenapp und Katrin Hogrebe an.

Harry Potter ist All-Age-Phänomen, "Suchtereignis", Fanfiction-Katalysator, profitable Marke und herausragendes literarisches Ereignis zugleich. All dies wurde auch im Verlauf der Tagung deutlich, die vom 4. bis 6. Mai von der Evangelischen Akademie Tutzing in Kooperation mit dem Institut für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität Frankfurt/Main, der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung an der Universität zu Köln und dem Carlsen Verlag ausgerichtet wurde.

Bei den Vorträgen und Diskussionen ging es neben der Magie auch um die Wissenschaft in und um Hogwarts. Vor über 80 Teilnehmern referierten unter anderem die Literaturwissenschaftler Emer O’Sullivan, Philipp Theisohn und Susan Kreller über Intertextualität, über Fantasy im Wandel, also was vor und nach Harry Potter kam und kommen kann sowie über die Übersetzung der Bände. Selbst anwesende eingefleischte Potter-Fans gelangten so zu neuem Wissen. Kreller beleuchtete die gelungene Übersetzungsleistung von Klaus Fritz und hob auch die Genialität Rowlings hervor, die sich alleine schon bei namentlichen Besonderheiten zeigt. Beispiel gefällig? Bei Durmstrang, eine der drei größten Zauberschulen, handelt es sich um einen Spoonerismus – eine Vertauschung von Phonemen und Morphemen – der deutschen Kulturepoche Sturm und Drang. Anhand von Textauszügen veranschaulichte O’Sullivan, wie Rowling sich die Leserlenkung bzw. ­-täuschung (“narrative misdirection“) ihres großen Vorbilds Jane Austen zu eigen machte.

Amateurzauberer Peter Rawert berichtete über Magische Zirkel - und zeigte Zaubertricks

Amateurzauberer Peter Rawert berichtete über Magische Zirkel - und zeigte Zaubertricks © Tobias Mohr

Spannende Einblicke in ihre Arbeitswelt gewährten die beiden Illustratorinnen Sabine Wilharm, die die deutschen Harry Potter-Cover illustriert hat, und Isabel Kreitz im Gespräch mit der F.A.Z.-Redakteurin Eva-Maria Magel. Und richtig zauberhaft wurde es mit Peter Rawert. Der Hamburger Notar, zugleich Honorarprofessor an der Universität Kiel, sammelt historische Zauberbücher und ist als Amateurzauberer aktiv. Seine gezeigten Tricks veranschaulichten die für die Zauberkunst typische "Beziehung zwischen Effekten, Methoden und der Ablenkung", und er ergänzte: "In Hogwarts bedarf es ihrer nicht." Er betonte in seinem Vortrag "Diesseits von Hogwarts oder: Zauberkunst als 'Lehrberuf'?" außerdem, dass auch Muggel gegen schwarze Magie – in Form von Scharlatanerie – zu kämpfen hätten.

Während gemeinsamer Mahlzeiten und vor allem gemeinsamer Abende im Salon kam es zu angeregten und interessanten Gesprächen in ungezwungener Atmosphäre. Eine rundum gelungene und spannende Tagung nahm am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein ihr Ende. Die hinzugewonnenen Erkenntnisse werden allen Teilnehmern aber im Gedächtnis bleiben, wie schon der Hogwarts-Schulleiter Albus Dumbledore einst zu Harry Potter sagte: "Natürlich findet es in deinem Kopf statt, aber warum in aller Welt sollte das heißen, dass es nicht wirklich ist?"

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