Interview mit Rainer Osnowski

Cool, Lit.Cologne!

Auch im 16. Jahr hat das Kölner Literaturfest der Superlative nicht an Glanz verloren. Was ist das Geheimnis? Erklärungsversuche von Festivalleiter Rainer Osnowski. SABINE SCHWIETERT

Die Lit.Cologne ist wohl das coolste Literaturfestival Deutschlands. Woran liegt das?
Werner Köhler und ich wollten damals vor 16 Jahren ein kulturelles Angebot machen, kein rein literarisches. Wir wollten Literatur mit Musik, Kunst und verschiedenen Literaturformen kombinieren und die vorhandenen Gräben zwischen E und U zuschütten. In Deutschland muss Kultur ja tendenziell ernst sein. Was nicht ernst ist, ist Event. Und wenn es Event ist, ist es Karneval – besonders hier in Köln.

Woher kommen die guten Ideen – immer noch von den Initiatoren Werner Köhler und Ihnen?
Aber nein. Das Festival ist so groß geworden, es ist im wahrsten Sinne ein Teamfestival. In der Programmredak­tion sind wir zu sechst, 15 Mitarbeiter kümmern sich gerade in unseren Produktionsbüros im Hotel am Wasserturm um etwa 300 Mitwirken­de, die ebenfalls in diesem Fünf-Sterne-Hotel untergebracht sind. Das Aufgehobensein, die Diskursbereitschaft auf verschiedenen Ebenen, das gehört ganz klar zur Erfolgsgeschichte.

Wie entsteht denn nun das Programm?
Das wird in der Programmrunde zusammengebastelt, die neben Werner Köhler und mir aus Traudl Bünger, Tobias Bock, Regina Schilling und Eva Schuderer besteht. Jeder einzelne Programmpunkt durchläuft einen Abstimmungsprozess. Dabei kommen auch schon mal potenzielle Bestseller nicht ins Programm. Gleichzeitig nehmen wir unbekannte Autoren auf, wenn wir an sie glauben.

Star mit No-Name im Huckepack – das funktioniert bei der Lit.Cologne. Gut laufen auch die selbstgestrickten Themenabende, diesmal etwa zu den Themen Krise oder Telefon ...
Das ist wahr. Da kommen dann zum Beispiel zwei Mal 700 Leute zu einem Abend mit Texten von Heinrich Heine, konzipiert von Traudl Bünger und Tobias Bock, vorgestellt von Cordula Strathmann und Ulrich Noethen.

Welche Veranstaltungstypen sind am begehrtesten?
Die großen Namen, egal ob Schauspieler oder Unterhaltungsautoren, sind natürlich ganz schnell ausverkauft. Unsere Auslastung liegt aber bei 95 Prozent, das heißt am Ende lesen alle vor vollen Häusern. Seit 2015 haben wir übrigens auch eine Kartentauschbörse.
 
Campino war diesmal da, Iris Berben, Ulrich Matthes – hört sich an, als bräuchte man für Ihr Konzept viel Geld, um die vielen großen Namen zu bezahlen. Ist Ihr Geheimnis von Coolness vielleicht einfach nur Geld?
Wenn man das, was wir machen, kaufen könnte, hätten das schon viele kopiert. Künstler locken Sie nicht mit Geld.

Subventionen kamen für die Lit.Cologne nie in Frage. Neue Sponsoren sind Renault und Rimowa. Gibt es jetzt à la Hollywood für alle Mitwirkenden einen Koffer?
Nein, wir haben aber tatsächlich schon über eine Kofferedition mit dem Lit.Cologne-Signet nachgedacht.

Und zum Schluss: Auf welchen Abend freuen Sie sich am meisten?
Auf den Benefizabend für Flüchtlinge, den wir gemeinsam mit der Til-Schweiger-Foundation am 10. März in der Lanxess-Arena über die Bühne bringen werden.

Lit.Cologne 2016 (8. – 19. März)

  • Leitung: Werner Köhler, Edmund Labonté, Rainer Osnowski
  • 190 Veranstaltungen; 300 Mitwirkende
  • 100 000 Besucher
  • 95 Prozent Auslastung
  • Finanzierung über Eintrittsgelder und Sponsoren (unter anderem Imhoff-Stiftung, Lanxess, Rheinenergie)

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