JIM-Studie 2018

Das Smartphone ist kein Buchkiller

Ende November ist die JIM-Studie zum Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen erschienen. Jedes zweite Mädchen, aber nur jeder dritte Junge liest demnach regelmäßig Bücher. Die Zahlen sind trotz neuer Medienangebote wie Smartphones und YouTube seit fast 20 Jahren stabil. Grund zur Sorge gibt es trotzdem - jeder sechste Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren liest in seiner Freizeit überhaupt nicht.

© Domenico Salvati / fotolia

Die Gruppe der Nichtleser beschäftigt sich in der Freizeit überhaupt nie mit Büchern. E-Books haben sich nach wie vor nicht im Alltag der Jugendlichen durchgesetzt. Nur sieben Prozent lesen regelmäßig E-Books, so die Macher der JIM-Studie.

 

Über die 20 Jahre der JIM-Studie hat sich der Anteil der regelmäßigen Leser, also derer die mindestens mehrmals pro Woche in ihrer Freizeit ein Buch lesen, so gut wie nicht verändert, berichten die Forscher:

  • Zwei Fünftel der Jugendlichen zählen seit Anbeginn der JIM-Studie zu den regelmäßigen Lesern
  • Jungs lesen deutlich seltener (34 %) als Mädchen (47 %)

Diese Unterschiede, blicken die Forscher auf 20 Jahre JIM-Studie zurück, bestanden schon 1998 - damals lasen 47 Prozent der Mädchen und 30 Prozent der Jungen mehrmals pro Woche. Das Internet, YouTube und WhatsApp konnten dem analogen Leseerlebnis also nichts anhaben.

Täglich: Mehr als eine Stunde Zeit fürs Buch

An einem durchschnittlichen Wochentag (Montag bis Freitag) verbringen die Zwölf- bis 19-Jährigen nach eigener Schätzung 67 Minuten mit dem Lesen von Büchern (2017: 63 Min.). Mädchen lesen mit 79 Minuten deutlich länger als Jungen (56 Min.). Mit dem Alter der Jugendlichen nimmt auch die Lesedauer ab (12-13 Jahre: 81 Min., 14-15 Jahre: 67 Min., 16-17 Jahre: 58 Min., 18-19 Jahre: 64 Min.).

Bücher werden ausgeliehen - E-Books wenig verbreitet

Wie im Vorjahr gibt gut jeder Dritte an, Bücher im Freundeskreis zu tauschen bzw. zu (ver-)leihen (35 %). Faustregel: Mädchen tauschen eher Bücher als Jungen und die Tauschfreudigkeit nimmt mit dem Alter der Jugendlichen zu.

E-Books können sich nach wie vor nicht im Medienalltag Jugendlicher durchsetzen. Nur sieben Prozent der Jugendlichen lesen regelmäßig E-Books (2017: 6 %), ein Viertel der Zwölf- bis 19-Jährigen liest zumindest selten elektronische Bücher. "Die digitale Buchnutzung kann keine neue Nutzergruppe eröffnen", folgern die Forscher; die Leserschaft rekrutiere sich überwiegend aus den analogen Lesern. Mit 75 Prozent habe sich sich der Großteil der Jugendlichen noch nie mit digitalen Büchern beschäftigt. 

Mediennutzung allgemein

In praktisch allen Familien sind im Jahr 2018 Smartphones, Computer/Laptop und Internetzugang vorhanden:

  • Fernsehgeräte gehören bei 95 Prozent zur Medienausstattung
  • Radiogeräte und DVD-Player gibt es in gut vier von fünf Haushalten
  • in 77 Prozent der Familien können Inhalte eines Videostreaming-Dienstes wie Netflix oder Amazon Prime genutzt werden - eine deutliche Steigerung zum Vorjahr (2017: 54 %)
  • Tablets stehen bei 67 Prozent zur Verfügung, Smart-TVs werden in drei von fünf Familien genutzt
  • Wearables sowie Internetradios sind in gut 20 Prozent Familie vorhanden
  • Digitale Sprachassistenten wie zum Beispiel Alexa können bei 14 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen zuhause genutzt werden

Nicht ohne mein Smartphone

  • Was den Gerätebesitz der Jugendlichen selbst betrifft, dominiert das Smartphone mit 97 Prozent.
  • Einen Computer oder Laptop besitzen 71 Prozent.
  • Zwei Drittel verfügen über eine eigene Spielkonsole (66 %).
  • Jeder Zweite hat einen eigenen Fernseher (50 %) oder ein Radio (45 %).
  • Jeder vierte Jugendliche hat einen DVD-Player oder Festplattenrekorder oder ein eigenes Tablet (jeweils 26 %), Smart-TVs (22 %) finden sich bei jedem Fünften
  • Wearables (11 %) oder Streaming-Boxen (8 %) sind bei etwa einem Zehntel der Jugendlichen im Eigenbesitz.

Digitale Sprachassistenten (6 %) und Internetradios (5 %) finden bisher die geringste Verbreitung. Interessant: Rund zwölf Prozent der Jugendlichen besitzen einen eigenen E-Reader. 

36 Nachrichten am Tag – Facebook-Flucht geht weiter

95 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren in Deutschland tauschen sich regelmäßig über WhattsApp und ähnliche Dienste aus – im Schnitt erhalten sie 36 Nachrichten pro Tag. Auf Platz zwei steht Instagram (67 %), dahinter liegt Snapchat mit 54 Prozent regelmäßigen Nutzern. Facebook (15 %) wird nur noch von wenigen Jugendlichen regelmäßig genutzt. Der Vorjahresvergleich zeigt erneut ein deutliches Wachstum bei Instagram (+10 PP) und auch die regelmäßige Nutzung von Snapchat hat sich erhöht (+5 PP). Facebook hat bei den Jugendlichen nochmals deutlich an Bedeutung verloren (-10 PP).

YouTube boomt

Die Videoplattform YoutTube nutzen 90 Prozent der Jugendlichen mehrmals pro Woche, 64 Prozent täglich. Der Anteil täglicher Nutzer ist bei den Volljährigen geringer ausgeprägt (12-13 Jahre: 67 %, 14-15 Jahre: 69 %, 16-17 Jahre: 66 %, 18-19 Jahre: 54 %). Dabei erfolgt der Zugang zu YouTube in erster Linie über das Smartphone. Inhaltlich stehen bei den YouTube-Nutzern erneut Musik-Videos (54 % mind. mehrmals pro Woche) im Vordergrund. Es folgen lustige Clips (41 %), Comedy bzw. lustige Videos von YouTubern (35 %) und Let‘s-play-Videos (32 %), in denen es meist ausschließlich um digitales Spielen geht. Videos, in denen YouTuber von ihrem Alltag erzählen oder Sport-Videos schauen sich jeweils 24 Prozent regelmäßig an. 23 Prozent sehen Videos, in denen YouTuber aktuelle Nachrichten behandeln.

Über die JIM-Studie

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) erhebt seit 20 Jahren mit der repräsentativen Studienreihe „JIM“ (Jugend, Information, Medien) Grundlagendaten zur Mediennutzung Jugendlicher in Deutschland. Die JIM-Studie wird vom mpfs als Kooperation der beiden Landesmedienanstalten von Baden-Württemberg (LFK) und Rheinland-Pfalz (LMK) gemeinsam mit dem Südwestrundfunk (SWR) durchgeführt. Für die vorliegende Ausgabe der Studienreihe wurden 1.200 Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren in ganz Deutschland im Zeitraum vom 28. Mai bis 5. August 2018 telefonisch befragt.

Hier geht es zur JIM-Studie 2018

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1 Kommentar/e

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  • Dirk Bauer

    Dirk Bauer

    Die Studie und der Vergleichsbllick nach hinten mag aktuell noch zutreffen. Nur sind die jetzigen 12- bis 19-Jährigen in einer Zeit geboren und von Eltern erzogen worden, in der Smartphone und Tablets noch keine oder nicht die große Rolle spielten wie im Jahr 2018. Auf kurz oder lang werden die digitalen Geräte und Internetangebote für die Jugend zu Lasten des Bücherlesens gehen. Weiterhin bleibt die seit 1998 um etwa 2,5 Mio gesunkene Schülerzahl ein Wermutstropfen.

    • ...

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