Sitzung der AG PRO

Vorbereitung für E-Bundles muss ins Rollen kommen

Besteuerung von E-Bundle-Produkten, digitale Verlagsvorschauen, Abbildung der Erscheinungstermine in Onix: Wenn sich die AG PRO (Prozesse, Rationalisierung, Organisation) des Börsenvereins trifft, werden handfeste Themen diskutiert. So auch am gestrigen Mittwoch in Bietigheim-Bissingen, wo die AG zu Gast bei Umbreit war.  

Nach Einschätzung der AG Pro ist die Branche in Sachen E-Bundle-Besteuerung noch längst nicht so weit, wie sie es sein sollte. Zur Erinnerung: Ab dem 1. Januar 2016 müssen bei E-Bundle-Produkten (gedruckte Verlagserzeugnisse, die zusammen mit elektronischen Produkten angeboten werden) die unterschiedlichen Mehrwertsteuer-Sätze (sieben Prozent für das Printprodukt, 19 Prozent für den elektronischen Dienstleistungsanteil) getrennt ausgewiesen und besteuert werden.

Mehrere Unsicherheiten kommen laut AG Pro zusammen: So könne bislang keiner genau sagen, welche Artikel betroffen sind und wie viele es überhaupt sein werden. Es gebe noch keine Datenbasis, da die Verlage ihre Produkte weitgehend noch nicht benannt hätten. Zudem seien viele Varianten möglich: Buch mit App, Buch mit Datenbank, Buch mit E-Book, Buch mit Link zu einem Video, Buch mit QR-Codes und vieles mehr.

Die Arbeitsgemeinschaft appellierte daher eindringlich an die Verlage, endlich die Vorarbeit zu leisten, die entsprechenden Daten zu liefern und die Aufteilung für die Bundle-Produkte vorzunehmen. Zudem sollten sich die Verlage bewusst machen, wie sie die Produkte ertragsmäßig berechnen, da sich durch die 19 Prozent-Besteuerung eine andere Kalkulationsgrundlage ergebe und vielleicht der ein oder andere Preis erhöht werden müsse.

Trotz der Vorarbeit, die die AG PRO in einer Taskforce geleistet hat, der umfangreichen Aufklärungsarbeit des Börsenvereins, dem Empfehlungspapier zum Umgang mit E-Bundle-Produkten, würden die Verlage das Thema derzeit einfach aussitzen, sagte Franziska Bickel, Vorsitzende der AG.

Auch auf Sortimentsseite gebe es noch viel zu tun. Die Buchhändler müssen ab Januar sicherstellen, dass ihre Warenwirtschafts- und Kassensysteme die unterschiedlichen Steuersätze abbilden können. Andernfalls müssten die Rechnungen aufwändig per Hand erstellt oder nachbearbeitet werden. Doch auch im Sortiment werde die Notwendigkeit, jetzt zu handeln, offenbar vielerorts noch nicht erkannt.

Wer sich über das Thema informieren möchte: Am Buchmesse-Freitag gibt es einen Vortrag und eine Fragestunde zu E-Bundle-Produkten und Mehrwertsteuer (16. Oktober, 14 Uhr und 16 Uhr, Halle 3.1, H65, Zentrum Börsenverein).

Digitale Verlagsvorschauen

Random-House-Chef Frank Sambeth erläuterte den Stand der Dinge in Sachen Digitale Verlagsvorschauen und ging näher auf die drei Systeme VLB TIX, Edelweiss + und Novi 24 ein. Derzeit würden Verlage und Buchhandlungen die verschiedenen Optionen testen.

Für Sambeth liegt in der Digitalen Verlagsvorschau ein großes Rationalisierungspotenzial für die Verlage. Bernd Weidmann (Verlag Die Werkstatt) merkte schmunzelnd an, dass sein Verlag der letzte sein werde, der eine digitale Vorschau produziert. "Dann bekommen wir als einzige Printvorschau der Branche eine riesige Aufmerksamkeit."

Ganz ohne gedruckte Vorschau, kann es sich auch Folkert Roggenkamp (Delius Klasing) nicht vorstellen. In den digitalen Vorschauen könnte bislang nur ein Teil der Produkte abgebildet werden, zum Beispiel seien Non-Books außen vor. Zudem nutzten andere Märkte, die Verlage auch belieferten, nicht die digitalen Vorschauen der Buchbranche.

Erscheinungstermine

Ein weiteres Thema, dem sich die AG PRO vor einiger Zeit angenommen hatte, sind die Erscheinungstermine und das Anzeigen der Lieferbarkeiten in Onix 2.1. Dazu hat die Arbeitsgemeinschaft nun ein Papier erarbeitet, das das standardisierte Vorgehen beschreibt. Erhältlich ist die Information auf der Website des Börsenvereins.

Eine Million Titel bei Libri

Jörg Paul von Libri erläuterte den Stand des Libri-Projektes, die Zahl der lieferbaren Titel auf eine Million zu erhöhen - mit einer Verfügbarkeit innerhalb von 24 Stunden. Derzeit liege man bei ungefähr 870.000 Titeln, sagte Paul. Mit der höheren Titelanzahl ergäbe sich etwa der Vorteil, dass die Zahl der für alle aufwendigen Einzelbestellungen erheblich reduziert werden könne. Auch die anderen Barsortimente seien dabei, ihre Bestände zu erhöhen, so Paul.

Mitglieder der AG Pro sind:

Anne v. Bestenbostel, Buchhandlung Anne v. Bestenbostel

Franziska Bickel, Buchhandlung Vogel (Vorsitzende)

Michael Kursiefen, Schweitzer Fachinformationen

Christoph Maris, Thalia

Solvey Munk, Umbreit

Jörg Paul, Libri

Thomas Raff, KNO Verlagsauslieferung

Josef Röckl, Verlagsgruppe Droemer Knaur

Folkert Roggenkamp, Delius Klasing Verlag

Frank Sambeth, Random House

Harald Steiner, Thieme Verlag

Bernd Weidmann, Verlag Die Werkstatt

Ludger Wicher, hgv publishing services

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