Umfrage im Sortiment

Was soll der neue Ken Follett im Herbst 2017 kosten?

Bastei Lübbe will mit einer groß angelegten Studie beweisen, dass Bücher deutlich zu billig sind. "Blicken wir auf das Jahr 1999 zurück, müsste 'Kingsbridge 3' heute 46 Euro kosten", sagte Klaus Kluge vor zwei Wochen im Interview mit boersenblatt.net. Wenn der Sprung zum vorherigen Follett nicht so groß wäre. Was soll der neue Ken Follett kosten? Eine Umfrage im Sortiment.

Alice Eckermann, Buchhandlung Alice Eckermann, Jever:

"46 Euro für den neuen Ken Follett finde ich total überzogen, da wären 36 Euro wohl das absolute Maximum. Generell fände ich etwas höhere Buchpreise richtig, das würde die Kunden wohl auch akzeptieren. Meiner Erfahrung nach liegt die Schmerzgrenze für einen normal Roman bei 30 Euro bis 35 Euro. Alles was höher liegt, wird nicht beim Vorbeigehen mitgenommen und kommt dann höchstens noch auf die Wunschliste für Weihnachten. Das sehen wir bei entsprechen aufwändig gestalteten Büchern."

Christiane Fritsch-Weith, Buchladen Bayerischer Platz, Berlin:

"Meiner Meinung nach sind 40 Euro die Schallgrenze. Es wird Kunden geben, die einen Follett für 46 Euro kaufen, es wird aber auch viele geben, denen das dann zu teuer ist. Manche Leute rechnen ja noch um und haben Probeme damit ein Buch zu kaufen, das fast 100 Mark kostet. Es ist ja nicht so, dass in den letzten zehn Jahren nicht überall die Preise gestiegen wären. Trotzdem ist es schwer, einen normalen Thriller für mehr als 20 Euro zu verkaufen. Akzeptiert werden solche deutlich höheren Preis eher beim Sachbuch, bei Kunstbüchern oder auch bei neuen Übersetzungen."

Monika Heilemann, Der Buchladen, Ibbenbüren:

"'Kinder der Freiheit' von Ken Follett hat knapp 30 Euro gekostet, teurer sollte das neue Buch im Herbst auch nicht sein. 46 Euro sind unrealistisch. Bei uns kaufen die Kunden allerdings auch traditionell mehr Taschenbücher als gebundene Bücher, das heißt, sie sind auch mal bereit, zu warten, bis das gewünschte Buch in der günstigeren Version erscheint. Vor allem die geraden Preise wie zehn oder zwölf Euro wie bei Insel funktionieren, auch die Zwischenversionen zwischen Taschenbuch und gebundenem Buch für 14 Euro oder 15 Euro werden akzeptiert. Beim gebundenen Buch sind aber 30 Euro das Maximum und auch die werden nur akzeptiert, wenn die Kunden das Buch unbedingt lesen wollen."

Sabine Stiehler, Literatur & Design, Bremen:

"46 Euro für einen Follett ist schon richtig viel Geld, da würde wohl so mancher Kunde beim Kauf zögern. Ich denke, dass 38 oder 39 Euro da das Maximum sind, um den Titel noch verkaufen zu können. Bei uns gibt es in der Regel nur wenig Gemaule, wenn Bücher teurer sind. Wer einen Titel wirklich haben will, gibt für das gebundene Buch auch schon mal 24 Euro oder 26 Euro aus. Bei reich illustrierten und wertig produzierten Büchern werden höhere Preise eher akzeptiert. Aber wie Kunden grundsätzlich auf deutliche Preissprünge reagieren würden, ist schwer zu sagen. In der Regel passieren solche Preissteigerungen ja auch nicht über Nacht."

Ute Hentschel, Buchhandlung Ute Hentschel, Burscheid:

"Ich war auf dem Pricing-Seminar von Bastei Lübbe und fand es interessant, dass die alten Follett-Bücher zu DM-Preisen deutlich höher waren, als die jetzigen Preise. 46 Euro halte ich zwar zu hoch, aber die Annäherung bei gebundenen Büchern an die 40-Euro-Marke ist sicher richtig und durchsetzbar. Auch bei Taschenbüchern spielt es in der Regel keine Rolle, ob ein Buch 9,99 Euro oder zwölf Euro kostet. Wir Buchhändler brauchen höhere Buchpreise, um unsere stetig steigenden Kosten auszugleichen. Das muss man auch den Kunden vermitteln, was sich nicht ganz einfach ist. Im Vergleich zu anderen Konsumgütern sind Bücher heute viel zu billig."

Alexandra Hofmann, Bücheroase, Dresden:

"Grundsätzlich finde ich die Überlegungen bei Bastei Lübbe richtig und bin gespannt, was die Studie ergeben wird, und welchen Preis dann der neue Follett bekommt. Aber bei 46 Euro hätte ich schon Bauchschmerzen; 30 Euro sollten das Limit sein. Bei kleineren Preiserhöhungen um ein bis zwei Euro ist die Akzeptanz der Kunden durchaus vorhanden beziehungsweise sie bemerken die Veränderung kaum. Was den Bereich für Preiserhöhungen angeht, macht das für uns Buchhändler und für die Verlage nur bei der Belletristik Sinn. Das Sachbuch ist da nicht so wirkungsvoll, wir führen als kleine Buchhandlung auch nur wenige Sachbücher im Sortiment."

Silvia Horn, Buchhandlung Sivia Horn, Grünwald:

"Ich war schon immer für eine Anhebung der Buchpreise. Allerdings kann man da nicht 20 Jahre schlafen und dann Riesensprünge machen wollen. Das ist so nicht möglich und 46 Euro für den neuen Follett sind daher auch nicht realistisch. Ich denke 32 Euro wäre ein Preis, für den man so einen Titel verkaufen könnte. Grundsätzlich kommen die größeren und besser lesbaren Paperbacks trotz ihrer höheren Preise bei den Kunden gut an, da zählt dann die Aufmachung mehr als der Preis. Außerdem gucken die Kunden, wenn sie von uns ein Buch empfohlen bekommen und wissen, das es gut ist, nur selten auf den Preis."

Angelika Gocht, Buchhandlung Gastl, Tübingen:

"46 Euro für den neuen Follett erscheint mir schon heftig, auch wenn bei uns die wenigen großen Anhänger des Autors wohl auch diesen Preis zahlen würden. 30 Euro scheint mir schon die Obergrenze. Ausnahmen sind wirklich gute aufgemachte, besondere Bücher bei der Belletristik, da werden auch Preise über 30 Euro gezahlt. Bei Preissteigerungen reagieren manche Vielleser so, dass sie dann eher auf das Taschenbuch warten. Aber wenn jemand ein Buch wirklich lesen möchte, macht er auch höhere Preis mit. Dagegen ist bei Kunstbänden zum Beispiel durch das moderne Antiquariat die Obergrenze mittlerweile klar bei 50 Euro angekommen."

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Hier geht es zum Interview mit Bastei-Lübbe-Vorstand Klaus Kluge.

7 Kommentar/e

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  • IF

    IF

    Schade, dass die Preireglementierung der Branche keine Chance gibt herauszufinden, was Bücher tatsächlich kosten sollten. Angesichts selbst auferlegter Schranken in Gejammer zu verfallen, halte ich allerdings für grotesk. "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass", das wird nicht funktionieren.

  • hwilliko

    hwilliko

    Preise über 40€ für Romane finde ich absolut inakzeptabel. Da hilft auch eine "hochwertige" Ausstattung nichts, die macht doch bei den Herstellungskosten Unterschiede von unter einem Euro aus.
    Die Verlage sollten mal darüber nachdenken, ob sie nicht durch immer höhere Garantiezahlungen an die Autoren selbst für die Kostensteigerungen verantwortlich sind.

  • Hugo

    Hugo

    Es gab ja schon zu DM-Zeiten ein erfolgreiches Beispiel, dass es gelingen kann einen im ersten Augenblick hohen Preis erfolgreich am Markt durchzusetzen. (Musashi ca. 1200 Seiten, Droemer 46,-- DM) Wenn ich recht erinnere wurden damals einige 100tausende verkauft. Eingeführt und unterstützt mit einer Preisvergleichs-Marketing/Werbe Aktion - als Beispiel Kinobesuch, Hemden u.a. Konsumartikel in einer Preisgegenüberstellung zu Buchpreisen. Hat eine anständige Summe gekostet, aber der Erfolg brachte den erwarteten Ertrag. Und sorgte auch in der Presse für ausführliche Berichterstattung.

  • PuggleBarney

    PuggleBarney

    Sorry, aber bei 46,- € für einen Roman bin ich raus. & ich bin wirklich buchsüchtig u.a. stehen auch alle Ken Folletts im Regal, aber dieser würde es bei dem Preis nicht.Da würde ich mir eben das Ebook in der Bibo ausleihen.Außerdem sind Bücher kulturell wertvoll & sollten deshalb nicht nur für besserverdiende erschwinglich sein.

  • Kulman

    Kulman

    46 Euro für den neuen Follett? Ich kaufe ihn im Original und kann es kaum erwarten, bis er endlich veröffentlicht wird. Somit zähle ich zu den Ausnahmekunden. Der Preis ist mir unwichtig. Könnten auch 50 Euro sein. Sicher für die Allgemeinheit viel zuviel, aber ich bin Fan und habe andere Prioritäten. Es gibt Bücher, die sehr viel wert sind. Als ich mein erstes Buch von ihm in Englisch las, die Säulen der Erde, hätte ich wohl auf 100 DM dafür ausgegeben. Im Nachhinein. So "mittendrin statt nur dabei" war ich bei einem Buch schon lange nicht mehr bis noch nie.
    46 Euro als Anfangspreis finde ich demnach in Ordnung. Wenn man es gleich nach Veröffentlichung lesen möchte. Danach wirken die Marktkräfte und der Preis wird sowieso sinken.

  • Ulrike

    Ulrike

    wenn das der Fall wird, hat sich der Buchkauf für mich erledigt. Bisher habe ich mir gut 150-200 Bücher pro Jahr gekauft. Es kommt noch so weit das Bücher nur noch von Gutverdienenden gekauft werden können. Der kleine Mann bleibt auf der Strecke.

  • Anja

    Anja

    Heutzutage ist es wohl normal, dass alle immer mehr für immer weniger bekommen möchten. Also auch verständlich, dass ein Buchverlag austesten will, wo die Schmerzgrenze des Lesers erreicht ist. Was machen jetzt diese Leser, die keine 5 000 Euro netto verdienen? Ich lese schon immer gern und viel, ich kaufe die Bücher im Buchhandel vor Ort, genauso wie ich den Bedarf für unsere fünfköpfige Familie vor Ort kaufe. Aber wenn das so weitergeht, dann funktioniert das für uns aber nicht mehr. Wir nehmen die Preiserhöhungen hin. Ich weiß, dass gute Ware ihren Preis hat und dass alles nun mal teurer wird, aber unser Gehalt wächst in diesen Maßen leider nicht mit. Ich verzichte schon auf vieles, aber wenn ich mir demnächst schon keine Bücher mehr leisten kann, dann hört es auf.

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