Urheber-IDs im VLB

Eindeutig identifiziert

Wer Bücher eines bestimmten Autors sucht, braucht oft mehr als nur den Namen. Über das VLB können Verlage eine Urheber-ID in die Metadaten integrieren.           MICHAEL ROESLER-GRAICHEN

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Im Internet und in Social Media wird der Autor immer wichtiger – er wird zur Marke, die das einzelne Buch oder den Verlagsnamen überstrahlt. Endkunden sowie Buchhändler, die sich für die Publikationen interessieren, recherchieren im Netz oder in einem Bibliothekskatalog, können aber nicht bei jedem Eintrag sicher sein, ob sie den richtigen Autor gefunden haben. Ein Beispiel: Sie suchen Bücher des ­österreichischen Kriminalpsychologen Thomas Müller, bekommen aber Titel aller "Thomas Müller" angezeigt. Woher wollen Sie wissen, welche Bücher vom bekannten Fallanalytiker stammen und welche nicht?

Um Verwechslungen auszuschließen, müsste die im Bibliotheks-, Suchmaschinen- oder Shopeintrag enthaltene Autoreninformation eindeutig sein. Der Metadatensatz, der die Buchinformation importiert, wäre also so aufzubereiten, dass er den Autor mithilfe biografischer Informationen identifiziert. Denn nur so kann der Nutzer ausschließen, dass ihm Bücher vom falschen Thomas Müller angezeigt werden.

In der Bibliothekswelt hat man schon längst eine Lösung für Namensgleichheit gefunden: "Normdaten" weisen hier jedem Urheber eine eindeutige Identifikationsnummer zu. In der Gemeinsamen Normdatei (GND) der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) werden mehr als vier Millionen Personen eindeutig beschrieben. Ein weiteres Instrument zur klaren Kennzeichnung von Urhebern ist ORCID (Open Researcher and Contributor ID), das vor allem von Wissenschaftlern und Forschern genutzt wird.

Die internationale Standardisierungsagentur Editeur, die auch das Metadatenformat ONIX entwickelt hat, bietet mit dem International Standard Name Identifier (ISNI) ein weiteres System zur Autorenbestimmung an. Der ISNI-Datensatz enthält zwar nur elementare Angaben zum Urheber, lässt sich aber mit anderen Informationen verlinken – zum Beispiel aus der GND oder von ORCID.

Urheberinformation in den Metadaten

Verlage sollten spätes­tens jetzt damit beginnen, ihre Produktmetadaten mit der Autoreninformation anzureichern. "Die Eintragung einer Urheber-ID sollte fester Bestandteil des Metadatenmanagements in jedem Verlag werden", rät Alexander Haffner, Datenmanager im Geschäftsbereich Digitale Services der MVB. ISNI-, GND- oder ORCID-Angaben lassen sich mit den übrigen Metadaten im ONIX-Format übermitteln. Das Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) nimmt bereits Urheber-IDs entgegen und übermittelt sie den Handelsplattformen. Außerdem sollen in diesem Jahr mehr als zwei Millionen Urhebereinträge im VLB mit den Nummern aus der GND verknüpft werden.

Derzeit befragt die MVB in einem Ko­operationsprojekt mit der DNB Verlage unterschiedlicher Größe, welche Rolle Urheberdaten derzeit für sie spielen, welche Autoreninformation sie dem Handel zur Verfügung stellen und auf welche Weise sie die Daten liefern sollen.

Ziel soll am Ende der Aufbau einer Infrastruktur sein, mit deren Hilfe Personendaten zentral gepflegt und auf alle Plattformen eingespielt werden können. Buchhändler haben so zum Beispiel künftig die Möglichkeit, autorenbezogene Marketinginformationen abzurufen.

URHEBER-IDENTIFIKATION

ISNI – International Standard Name Identifier
8,8 Millionen Personen, davon
2,6 Millionen Wissenschaftler sowie
658 000 Organisationen registriert;
40 Quellen, darunter zahlreiche
Nationalbibliotheken

ORCID – Open Researcher and Contributor ID
3,8 Millionen Personen (primär
Wissenschaftler) registriert;
Person pflegt Profil selbst, Teilpflege
durch Organisation

GND – Gemeinsame Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek
4,5 Millionen Personen sowie
1,6 Millionen Organisationen registriert;
alle deutschsprachigen Bibliotheken, ZDB und Archive; wird derzeit für Verlage geöffnet

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