VS trauert um Ehrenvorsitzenden

Dieter Lattmann ist gestorben

Der Autor und SPD-Politiker Dieter Lattmann ist am 17. April im Alter von 92 Jahren gestorben. Das teilt der der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) mit. Lattmann hat sich bereits seit 1969 als Gründungsvorsitzender im VS aktiv eingebracht. Er war Mitinitiator der Künstlersozialkasse.

Dieter Lattmann

Dieter Lattmann © Tobias Hase

"Mit Dieter Lattmann verlieren wir eine große Persönlichkeit, die die bundesrepublikanische Zeitgeschichte mit geprägt hat", erklärt Eva Leipprand, Vorsitzende des VS − Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller. "Er hatte die Fähigkeit, die Reibung zwischen Literatur und Politik in vielfältiger Weise fruchtbar werden zu lassen. Insbesondere wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben ihm dafür zu danken."

Dieter Lattmann wurde am 15. Feburar 1926 in Potsdam geboren. In der Ära Willi Brandts, sei es ihm gelungen, die Schriftstellerinnen und Schriftsteller in einem Gesamtverband zusammenzuführen und als Gründungsvorsitzender ihren Anliegen in der Politik Gehör zu verschaffen, so der VS-Nachruf weiter. Gemeinsam mit Heinrich Böll, Günter Grass, Martin Walser, Ingeborg Drewitz und anderen Autorinnen und Autoren setzte er sich im 1969 gegründeten VS, dem Verband Deutscher Schriftsteller, für eine Anbindung an die Gewerkschaft IG Druck und Papier ein. Er habe auch den Begriff "Einigkeit der Einzelgänger" geprägt, der als Motto über dem 1. Schriftstellerkongresses 1970 in der Stuttgarter Liederhalle stand.

1972 bis 1980 war Lattmann für die SPD Mitglied des Deutschen Bundestags, wo er sich nicht nur für seinen Allgäuer Wahlkreis, sondern auch unermüdlich für die Sache der Schriftstellerinnen und Schriftsteller eingesetzt habe. Die Novellierung des Urheberrechts, die Durchsetzung des Bibliotheksgroschens sowie das 1981 beschlossene Künstlersozialversicherungsgesetz sind für immer mit seinem Namen verbunden. Die Künstlersozialkasse sei eine Errungenschaft, die die soziale und wirtschaftliche Lage aller Kreativen entscheidend verbessert habe.

Dieter Lattmann habe immer eine klare politische Haltung gezeigt, betont die VS-Vorsitzende Eva Leipprand, und sei auch eine der zentralen Figuren der Friedensbewegung der 80er Jahre gewesen. Politisches Denken gebe seinen Büchern ihre spezielle Färbung. Lattmann konnte, wie er selbst sagte, "Politik und Literatur nicht trennen". Die in regelmäßigen Abständen erscheinenden Werke – "Die gelenkige Generation", "Mit einem deutschen Pass. Tagebuch einer Weltreise", "Die Einsamkeit des Politiker", "Die Brüder", "Jonas vor Potsdam" und andere mehr – seien jedes für sich ein eigenes Ab- und Überschreiten der Grenzen zwischen Literatur und Politik. "In seinem Schreiben pflegte er einen klaren, jedes Klischee vermeidenden Stil, der vor keiner Wahrheit Halt machte, auch vor keiner Selbsterkenntnis, so tiefgehend sie sein mochte", so der VS: "Diesen Ernst konnte man auch in der persönlichen Begegnung mit Dieter Lattmann spüren; alles, was er sagte, hatte Bedeutung, Zusammenhang und Gewicht."

"Der VS dankt seinem Ehrenvorsitzenden für alles, was er für die Schriftstellerinnen und Schriftsteller getan hat, und wird ihm immer ein ehrendes Andenken bewahren", schließt der Nachruf.

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