Worüber die Fachausschüsse des Börsenvereins im Moment diskutieren

Werkstattbericht aus dem Frankfurter Haus des Buches

Updates zur Buchkäufer- und zur Preisbindungsstudie, Szenarien für die Lobbyarbeit von morgen und der schnelle Ausbau von VLB-TIX: Diese Zukunftsthemen beschäftigten die Fachausschüsse des Börsenvereins in ihrer gemeinsamen Sitzung an diesem Mittwoch in Frankfurt.

Die Vorsitzenden der Fachausschüsse: (v.l.) Stephan Schierke, Nadja Kneissler, Christiane Schulz-Rother - mit Kyra Dreher, Geschäftsführerin der Fachausschüsse

Die Vorsitzenden der Fachausschüsse: (v.l.) Stephan Schierke, Nadja Kneissler, Christiane Schulz-Rother - mit Kyra Dreher, Geschäftsführerin der Fachausschüsse © Guido Heyn

Im anschließenden Pressegespräch zogen die neuen Vorsitzenden der Fachausschüsse, seit Oktober im Amt, eine kurze Bilanz aus der gemeinsamen Runde. Auf der Agenda:

Studie "Buchkäufer – quo vadis?"

Dass die Branche in den vergangenen Jahren sechs Millionen Buchkäufer verloren hat, ist nur eine Erkenntnis der Studie, die der Verband im Frühjahr vorgestellt hat (mehr dazu hier). Die Analyse befasst sich auch sehr ausführlich mit dem Wandel beim Leseverhalten und der wachsenden Medienkonkurrenz.

Eine große Abschlusskonferenz des Börsenvereins Ende September hat Themenfelder herausgefiltert, an denen der Verband nun weiterarbeiten will. Zwei Arbeitsgruppen aus interessierten Buchhändlern und Verlegern werden sich in den nächsten Wochen um folgende Fragen kümmern:

  • AG Image des Lesens: In dieser Arbeitsgruppe soll es unter anderem darum gehen, wie sich die Wertschätzung des Buches erhalten, fördern, begleiten lässt. Nadja Kneissler, Vorsitzende des Verleger-Ausschusses, verwies im Pressegespräch unter anderem auf die branchenweite Kampagne „Jetzt ein Buch!“, die weitergeführt werden solle. Die AG soll am 4. Dezember zum ersten Mal tagen.
  • AG Orientierung: Kunden wie Händler fühlen sich von der Titelflut oft überfordert. Wie lässt sich für mehr Überblick und Empfehlungshilfe sorgen – mit ergänzenden Metadaten, mit Begriffen wie Spannung und Emotion oder einem Punktesystem, wie man es aus TV-Magazinen kennt? Lösungsansätze soll die AG in den nächsten Wochen entwickeln, die erste Sitzung ist am 26. November.

Preisbindungsstudie

Ein Werkstattbericht zur Preisbindungsstudie hat die Fachausschüsse ebenfalls beschäftigt. Eine Zusammenfassung lieferte Stephan Schierke, Vorsitzender des Ausschusses für den Zwischenbuchhandel, beim Pressegespräch.

Die Studie, die umfangreiches Datenmaterial sammelt und auswertet und aus zwei wissenschaftlichen Gutachten besteht, wird derzeit an den Universitäten Gießen und Osnabrück im Auftrag des Börsenvereins erarbeitet (mehr dazu hier). Sie soll konkrete Zahlen zu den Effekten der Buchpreisbindung liefern, etwa indem sie den (preisbindungsfreien) Schweizer Buchmarkt und die grundsätzliche Entwicklung im stationären Handel beleuchtet. "Die Studie ist noch work in progress, soll aber im Frühjahr vorliegen", so Schierke.

Lobbyarbeit des Börsenvereins

Im Bundestag ist mittlerweile eine neue Politikergeneration anzutreffen – "Digital Natives", die in den sozialen Netzwerken unterwegs sind und etwa das Urheberrecht aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Wird die Lobbyarbeit des Börsenvereins diesen neuen Herausforderungen noch gerecht? Wie werden sich in den nächsten Jahren die Rahmenbedingungen verändern - in der Wissenschaft, in der Lehre, in der Schule, in den öffentlichen Bibliotheken?

Dazu sind in Frankfurt verschiedene Szenarien entwickelt und vorgestellt worden, aus denen der Verband in den nächsten Monaten Schlussfolgerungen für seine Lobbyarbeit ableiten will: "Wir wollen neu und überraschend argumentieren – und nicht nur vorhandene Erwartungshaltungen bei der Politik bedienen, etwa wenn es um Open Access geht", so Verlegerin Nadja Kneissler über eine mögliche Neuausrichtung der Lobbyarbeit.

VLB-TIX

Dauergast in den Börsenvereinsgremien ist das Großprojekt VLB-TIX. Die drei Fachausschüsse haben sich erneut klar hinter das digitale Titelinformationssystem gestellt. "Wir sind uns alle einig, dass wir mit VLB-TIX auf dem richtigen Weg sind", fasste die Berliner Buchhändlerin Christiane Schulz-Rother, Vorsitzende des Sortimenter-Ausschusses, die Diskussion in der Runde zusammen.

Jetzt gelte es, vor allem kleinere Buchhandlungen noch von den Vorteilen der digitalen Vorschau zu überzeugen. Die Botschaften der gemeinsamen Fachausschuss-Sitzung an die Börsenvereinstochter MVB, die VLB-TIX unter ihrem Dach permanent weiterentwickelt:

  • Bei der Performance von VLB-TIX gibt es noch Verbesserungsbedarf (Stichwort: Schnelligkeit).
  • Die unterschiedlichen Vertretersysteme müssen besser angebunden werden.
  • Der Lenkungsbeirat soll regelmäßig tagen, um das Projekt engmaschig zu begleiten.

cro

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