Interview mit Bernhard Scholz und Julia Köberlein

Interview mit Bernhard Scholz und Julia Köberlein

Seit 2016 fördert und prämiert der Börsenvereins-Accelerator CONTENTshift Startups der Buch- und Medienbranche. Was ist aus den Finalisten des Programms geworden? Der KannWas.Club der IG Digital hat nachgefragt. 2017 in der Endrunde: Kontextlab. David Best hat mit dem Gründern Bernhard Scholz und Julia Köberlein gesprochen.

Kontext-Gründer Julia Köberlein und Bernhard Scholz

Kontext-Gründer Julia Köberlein und Bernhard Scholz © Goran Gajanin / Kontext

Wie schafft man es, komplexe Themen so aufzubereiten, dass sie verständlich sind und kein Wissen verloren geht? Mit dieser Herausforderung beschäftigen sich die drei Gründer und Inhaber Julia Köberlein, Erich Seifert und Bernhard Scholz von KontextLab. Seit 2015 arbeitet das Team aus München an Lösungen, ausgehend von einer Masterarbeit in diesem Themenfeld. Im Jahr 2017 erreichte KontextLab die Endrunde beim Content-Shift-Wettbewerb des Börsenvereins.

Wie entstand eure Idee? Welche Produkte bzw. Services bietet ihr an?
Wir sind eine Software-Firma, die Wissen visuell und vernetzt zugänglich macht. Der Leser sieht, wie die verschiedenen Aspekte eines Themas zusammenhängen. Unsere Idee ist aus einem „Need“ entstanden, der seinen Ursprung in einer Masterarbeit hatte: Es ist schwierig, aktuelle politische Meinungen so zu verstehen, dass man Themen richtig einordnet, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Wir haben damit begonnen, digitale „Wissenskarten“ zu entwerfen und dann daraus unser digitales Hintergrund-Dossier „Der Kontext“ entwickelt. Mit den Wissenskarten beziehungsweise „Maps“ werden Themen multimedial, also mit Texten, Bildern, Videos und Infografik-Elementen aufbereitet, durch die man individuell navigieren kann. Dadurch kann man immer tiefer in ein Thema eintauchen und es in seinem Kontext erfassen. Das Dossier „Der Kontext" greift aktuelle Themen auf und Nutzer können Themenvorschläge einbringen. Nachdem wir unser Format sowie die Software dafür entwickelt und veröffentlicht hatten, kamen Industrie und NGOs auf uns zu, da diese auch komplexe Themen haben, die sie möglichst umfänglich und eingängig vermitteln müssen. Etwa zur Aufbereitung komplexer Informationen für die interne Kommunikation. Daher haben wir neben dem Dossier auch begonnen, die Erstellung individueller Wissenskarten als Service anzubieten. Da es keine Software gibt, die das so kann, bieten wir nun auch ein CMS an, mit dem jeder solche Maps erstellen kann. Der Vorteil dieser Maps ist, dass Nutzer sich intensiv mit dem Inhalt auseinandersetzen – durchschnittliche Interaktionszeiten von bis zu 30 Minuten sind fast schon normal – und wissenschaftlich ist erwiesen, dass der Mensch Wissen besser behält, wenn er es in seinem Kontext sieht.

Wie würdet ihr die Relevanz Eurer Produkte gewichten?
Unsere Kernprodukt ist die Software zur Erstellung eigener Kontext-Maps. Die Software wird in verschiedensten Branchen eingesetzt, z.B. in der Fachpublizistik, in der Bildungsbranche aber auch bei anderen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mit Kommunikationsabteilungen. Unser digitales Magazin „Der Kontext“ hat wirtschaftlich gesehen nicht die gleiche Relevanz, liegt uns aber auch sehr am Herzen und hilft und bei Image und Kommunikation.

Könnt ihr uns ein paar spannende Kunden und Anwendungsfälle vorstellen?
Ja, da gibt es einige. So nutzt z.B. die UN in Genf unsere Kontext-Maps als Entscheidungstool dafür, wohin Gelder und Arbeitskraft investiert werden sollen, um die „Sustainable Development Goals“ zu erreichen. Jetzt ist objektiv nachvollziehbar, wer wie darauf hinwirkt und wo Lücken bestehen. Für Thieme haben wir im Rahmen eines Piloten eine Lernmap zum Thema Pflege und Herzkrankheiten entwickelt. Bei der EduGroup in Österreich werden Lernkarten für Schulen entworfen und gemeinsam mit dem Zukunftsinstitut haben wir für „Der Kontext“ eine Karte entwickelt, bei der wir die Megatrends erstmals in digitaler Form abbilden.

Wie verdient ihr mit den Zielgruppen Geld und welches sind eure Kostentreiber?
Wir verkaufen Lizenzen für unsere Software. Darüber hinaus bieten wir immer dann, wenn Kunden komplexe Themen haben, Workshops sowie Beratungsleistungen an und helfen bei der Umsetzung von Projekten. Bei „Der Kontext“ verfolgen wir ein Paid-Content-Abomodell. Auf der Kostenseite sind die wichtigsten Blöcke die Software-Maintenance und -Entwicklung, User Experience, Marketing und Vertrieb sowie als kleinster Block der Bereich Redaktion.

Welche Erfahrungen habt ihr in der Akquisition gemacht und wie sieht eure Akquise-Strategie aus?
Sehr wichtig für die Akquise ist unsere Publikation „Der Kontext“, weil hiermit beispielhaft das Produkt vorgestellt wird. Das Produkt stellen wir vor, z.B. auf Konferenzen oder in sonstigen Gesprächen und Vor-Ort-Terminen. Die Nutzer kommen dann häufig schnell selbst auf Anwendungsfälle, die für sie relevant sind und die mit unserer Lösung umgesetzt werden können. Anfangs haben wir viele Referenz-Cases durch „Mundpropaganda“ umgesetzt, auf die wir heute verweisen können.

Wodurch hat euch Content-Shift als „Starthilfe“ für die weitere Entwicklung unterstützen können?
Bei Content-Shift war vor allem der Industrieaustausch sehr spannend, d.h. das Wochenende, das alle Endrundenteilnehmer mit der Jury verbracht haben. Hierbei haben wir uns über Herausforderungen der Startups und vor allem die Probleme der Verlage unterhalten.  Es ging um juristische Fragestellungen bis hin zu Hinweisen zur Entwicklung der Software. Insgesamt wurde hierbei ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Produkte geleistet.

Welche wichtigen Erkenntnisse habt ihr durch die Arbeit mit Content-Shift gewonnen?
Wir haben viel gemeinsam mit den Kunden gelernt. Der zentrale Erfolgsfaktor ist, ausgehend vom Kunden zu denken und zu verstehen, „wo der Schuh drückt“ und wie der Kunde besonders einfach unsere Produkte nutzen kann. Mit Blick auf unsere Nutzergruppen sind die entscheidenden Fragen, wie der Endanwender der Map Informationen leicht aufnehmen kann und ein Redakteur die Software besonders leicht bedienen kann. Bei unserem kleinen Team von drei Personen inklusive einem Entwickler ist eine Priorisierung der Anforderungen sehr wichtig.

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