Welche Digitalstrategie brauchen Buchhandlungen jetzt?

23. April 2020
von Börsenblatt Online
Die Corona-Krise hat die Buchhandlungen voll erwischt. Auch wenn viele nach Ende der Shutdown-Phase wieder vorsichtig öffnen dürfen, haben die Wochen der geschlossenen Tür an vielen Existenzen genagt. Gleichzeitig können solch schwere Zeiten als Anschub genutzt werden, um den eigenen Weg in ein immer stärker digitalisiertes Zeitalter neu auszurichten. Mit Blick auf die Zukunft empfiehlt  Dominik Ruisinger, Autor bei Schäffer Poeschel, drei Wege. 

1. Eigene Sichtbarkeit verbessern

Wer im Netz nicht sofort zu finden ist, existiert für viele nicht. Daher sollten Buchhändler die Webseite als ihr Schaufenster optimieren. Unabhängig vom Endgerät sollte sie einfach zugänglich und für Suchmaschinen optimiert sein, einen übersichtlichen Shop beinhalten sowie einen News-Bereich, in dem auf den individuellen Kundenservice der Buchhandlung hingewiesen wird. Für die Sichtbarkeit ist es zudem hilfreich, ein Profil bei Google My Business anzulegen, um regelmäßig Infos, Bilder, Angebote zu publizieren und von Kunden über Google Maps oder die Google Suche lokal findbar zu sein.

 

2. Kunden enger binden

Wenn Menschen Vertrauen in einen persönlichen Service haben, kommen sie wieder. Diese Bindung sollten Buchhändler stärken – beispielsweise über einen regelmäßigen E-Mail-Newsletter oder einen Messenger-Service. Mit den Adressen ihrer treuen Kunden sollten sie ein Mailing aufbauen, in dem sie regelmäßig aktuelle oder zeitlich passende Bücher vorstellen. In Zeiten visueller Kommunikation sollten sie zudem die Chance nutzen, Lesestunden per YouTube (wie hier) zu veranstalten, in der sie auf Neuerscheinungen hinweisen und persönliche Empfehlungen teilen. Gerade dies würde die individuelle Kundenbindung deutlich stärken.

 

3. Neukunden akquirieren

Viele Buchhandlungen haben innerhalb des Social Media-Kosmos eine Facebook-Seite. Um gezielt Neukunden zu erreichen, sollten sie themenspezifische Facebook-Gruppen – zu Krimis, Kinderliteratur, Reise- oder Hörbüchern – aufbauen. Solche virtuellen Buch-Clubs sind wertvoll, da die Gruppenmitglieder exakt die Buchtipps erhalten, die zu ihnen passen. Hilfreich sind begleitende lokale Facebook Ads zu einzelnen Buchserien oder Fokusthemen. Werden diese rein lokal, alters- und interessenspezifisch geschaltet, lässt sich eine neue Leserschaft bei geringen Kosten zielgenau erreichen. 

Individuelle Beratung per Video, regelmäßige Informationen per Newsletter, Sichtbarkeit in den Suchmaschinen und lokale Werbung in Social Media Kanälen: Krisenzeiten sollten Buchhändler für sich nutzen, um Bestehendes zu überdenken und neue Wege bewusst zu gehen: Gerade als eine strategische und nachhaltige Investition in die digitale Welt von heute und insbesondere von morgen.