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Crowdinvesting für APPBOOKS

5. August 2020
von Börsenblatt

Neuartig, unique, multifunktional, ganzheitlich, nachhaltig - APPBOOKS wollen sehr viel mehr sein als E-Books mit Zusatzfunktionen. Wie sie funktionieren, erklärt Gregor Pchalek, CEO von Innolibro. 

Die Gründer von INNOLIBRO, Bastian Schütz (li.) und Gregor Pchalek

Die Gründer von INNOLIBRO, Bastian Schütz (li.) und Gregor Pchalek

Was kann das APPBOOK? Bitte beschreiben Sie Ihr Projekt in möglichst wenigen Sätzen!
APPBOOK sind „lebendige Bücher“ und damit ein neuartiges Literaturformat, das auch nach dem Kauf oder während der Abo-Nutzung aktualisiert werden kann. Darüber hinaus bieten APPBOOKs neue Möglichkeiten zur Interaktion, zur Monetarisierung, zur Kollaboration und zur Darstellung von Multimediainhalten. Unser Ziel bei INNOLIBRO ist es, Lesenden, Verlagen, Autor*innen Werbetreibenden und Resellern mit APPBOOKs ein ganzheitliche, nachhaltige Nutzungs-, Publishing- und Vermarktungslösung zu bieten – speziell für Fach-, Sach-, Schul-, Reise- und Ratgeberliteratur – aber auch der Belletristik haben wir einiges zu bieten…

Welche Features sind unique?
Einzigartig ist, dass die APPBOOKS auch nach dem Erwerb oder während der Abo-Nutzung mit neuen Inhalten befüllt werden können: Texte, Videos, Bildergalerien, Podcasts, PDFs, etc. können beliebig integriert werden. APPBOOKs sind überaus interaktiv, z.B. ermöglicht die integrierte „INNOLIBRO-Semantik“ ein individualisiertes Lesen oder Chatmodule ermöglichen, sich direkt mit Verlag, Autor*in oder der Mitlesenden auszutauschen. Durch Abo-Modelle und smartem „In-Book-Advertising“ werden neue Ertragsquellen erschlossen. Durch die Verschiebung von Print-Neuauflagen hin zu konstanter (digitaler) Leser*innenbindung – basierend auf klimaneutral ausgelegten Prozessen – sind unsere APPBOOKs besonders nachhaltig. Last but not least wird es durch unsere APP- und Trackingtechnologie (Data Mining) möglich sein, Verhalten von Leser*innen besser einzuschätzen, um Prozesse (z.B. Crosssellings, Bondings, etc.) effektiver einzusetzen.

An welchen Konkurrenzprodukten orientiert sich das APPBOOK?
Das APPBOOK verstehen sich als „E-Book 4.0“ – wobei E-Books vergleichbar sind mit Mobiltelefonen von vor 2010 und APPBOOKs doch eher multifunktionale Smartphones sind, die ja mittlerweile Mobiltelefone komplett abgelöst haben. Daneben haben KITABOO, KOTOBEE, APPYPIE, PRESSMATRIX und andere teilweise Lösungen, die punktuelle Schnittmengen mit dem Publishingkonzept von INNOLIBRO haben.

Das E-Book hat sich in Deutschland noch nicht wirklich durchgesetzt... Warum glauben Sie trotzdem an das APPBOOK?
Der Umsatz von digitaler Non-Fiction-Literatur liegt allein in Deutschland bei über 1 Mrd. Euro. Viele Fach-/Sach-/Ratgeber-Verlage werden verstärkt in digitale Medien investieren. Corona hat zu einem neuen digitalen Bewusstsein beigetragen und die verbreitete Ausstattung mit Hardware (Smartphones, Tablets, PCs) befördert. Darüber hinaus ist nahezu jeder Smartphonenutzer mit Apps vertraut – einem stark wachsenden Markt! Überdies wird die gesellschaftlich wachsende CO2- und Nachhaltigkeitsdiskussion bald auch die Papier- und Buchproduktion erfassen und diese neben Braunkohle, Atomkraft und Verkehrsemissionen an den Pranger stellen. Und ob Print-Neuauflagen im Zeitalter von On-Demand-Lösungen und Abo-Modellen langfristig das richtige Geschäftsmodell für Verlage sind, wird sich zeigen…

300.000 Euro Investmentkapital haben Sie bereits durch die Hessen Kapital III GmbH zugesagt bekommen, 200.000 sollen über Crowdinvesting dazukommen. Wie ist die Kampagne angelaufen?
Allein die Family&Friends(F&F)-Investments hatten in nur vier Tagen bereits knapp EUR 30.000 eingebracht. Seit dem 03. August 2020 ist die Kampagne nun öffentlich und startet durch bis zum Maximalziel von 350.000 Euro, um Gelder von „Kleininvestoren“ (ab 100 Euro) aber auch Business Angels einzusammeln. Mit Erreichen der 200.000-Euro-Schwelle gibt uns dann unser Leadinvestor nochmal 300.000 Euro dazu, was unsere Seedfinanzierung gut absichert! Hier geht`s zu unserer Crowdinvesting-Kampagne wo Sie selbst die Entwicklung nachverfolgen können oder sich finanziell und ideell der Verbreitung von APPBOOKs anschließen können!

Welche Vorteile sehen Sie im Crowdinvesting?
Für Venture-Capital-Investments ist INNOLIBRO aktuell noch zu klein. Business Angels richten ihren Fokus durch Corona und „Säule II“ gerade weitgehend auf die Sicherung ihrer Bestandsinvestments. Somit bleibt aktuell das Crowdinvesting als bestmögliche Fremdkapitalquelle. Außerdem sehen wir große Chancen, hierüber „normale Menschen“ (aber natürlich auch Publishingspezialisten) als Investor*innen, als Multiplikator*innen und natürlich auch als Nutzende/Lesende zu gewinnen.

Wann sollen erste APPBOOKs auf den Markt kommen? Einen großen Teil der technologischen Kernarchitektur haben wir bereits über 15 Monate selbst entwickelt. Basis vieler Innovationen war ein erster Proof of Concept, den wir Ende 2019 mit Leser*innen und Autor*innen durchgeführt hatten, um reale Marktbedarfe zu ermitteln. Kurzfristig wird ein Teil des gefundeten Geldes darauf verwendet, u.a. die Systeme von zwei Technologiepartnern an „APPBOOK-Standards“ anzupassen. Laut Planung sind dann ab Herbst 2020 die Voraussetzungen geschaffen, mit ersten APPBOOK zu starten. Erste Verlage haben überdies auch schon Kooperations- und Investitionsinteresse angemeldet.

Gibt es schon Reaktionen von Inhalteanbietern / Verlagen?
Da wir uns bisher stark auf das Technologiekonzept und die Finanzierung fokussiert hatten, haben wir die Verlags- und Autorenakquisition noch nicht forciert. Manche Verlagskontakte und Publishing-Akteure, die von unserem Business bereits erfahren hatten, vermittelten, an ihrem „Alle-Jahre-Neuauflagen-Modell“ doch gerne festhalten zu wollen, ihre Bücher und Autoren nicht im Kontext von „smartem In-Book-Advertising“ zu sehen oder einfach nicht über die personellen Kapazitäten zu verfügen, APPBOOKs aktuell halten zu können bzw. mit Leser*innen in Dialog zu treten. Die meisten Rückmeldungen allerdings zeigten fast durchweg Begeisterung, sehen neue Geschäftsmodelle für sich, neue Formen der Lerser*innenbindung und damit wichtige Impulse für sich selbst und die Buchbranche.